Vorwort:
Es scheint bereits eine neue schwäbische Tradition zu sein. Kaum veröffentlicht einer der renommiertesten Kühlerbauer, Thermalright mit Namen, einen neuen verbesserten Kühlkörper, wird dieser von MR Computertechnik als Basis für einen neuen ichbinleise® Kühler heran gezogen. Mit den bekannten Modellen XP-90 und XP-120 veröffentlichte Thermalright eine vollkommen neue Designgeneration um damit dem Trend der Heatpipekühlern zu folgen. Der bereits getestete ichbinleise® Cooler 1210 (Thermalright XP120) konnte bereits mühelos einen Kauftipp erringen. Der für den ichbinleise® Cooler 910-C verwendete XP-90 C stellt eine Weiterentwicklung des XP-90 dar. Zwar bleib das Layout unangetastet, doch nun wurden sämtliche Bauteile aus edlem Kupfer gefertigt. Der entstandene Luxuskühlkörper stellt somit die perfekte Basis für wirklich delikate Kühler dar. Und genau das wird in der Werkstatt von MR Computertechnik verwirklicht. Um die Wünsche der Kunden zu erfüllen stellt man dem Thermalright-Koloss einen 92er Silent-Lüfter aus eigenem Hause zur Seite. Der ichbinleise® Fan 92/1000 blue sollte geräuschseitig mit einer Drehzahl von 1.000 U/min wohl kaum mehr Wünsche offen lassen. Die entkoppelte Montage des Lüfters auf dem Kühlkörper kann inzwischen wohl ebenfalls als Tradition bei MR Computertechnik bezeichnet werden. Die elastische Aufhängung mittels vier weichen Gummislicks verhindern merklich das Übertragen von störenden Vibrationen des Lüfters auf den Kühlkörper. Die zusätzliche Handarbeit spiegelt sich auch im Preis von EUR 79,90 wieder, Inwiefern sich der neue Prozessorkühler des schwäbischen Herstellers im Vergleich zu einigen seiner Konkurrenten schlägt soll der folgende Praxistest aufzeigen.
Lieferumfang:
Der ichbinleise® Cooler 910-C erreicht den Kunden sicher eingepackt in der schlichten Thermalright Kartonage. Neben der bereits montierten Lüfter/Kühlkörper-Kombo finden sich im Paket auch das Montagematerial für die Befestigung auf den aktuellen Intel Pentium 4 Sockel 478 und den AMD Athlon 64 Sockeln und eine Spritze Wärmeleitpaste. Die mitgelieferte Montageanleitung ist leider nur in den Sprachen englisch, französisch und spanisch verfasst. Außerdem ist der Montagehergang nur sehr spartanisch anhand einer Illustration erklärt.
Spezifikationen:
- Hersteller: MR Computertechnik GmbH & Co KG
- Modell: ichbinleise® Cooler 910-C
- Lüftertyp: ichbinleise® Fan 92/1000 blue
- Lüftergröße: 92 x 92 x 25 mm
- Drehzahl: ca. 1.000 U/min
- Schallpegel: ca. 20,0 dB(A)
- Luftdurchsatz: ca. 35 m³/h (ca. 20,8 cfm)
- Lagerung: Kugellager
- Anschluss: 3-Pin Molex Stecker (inkl. Tachosignal)
- Anlaufspannung: ca. 5V
- Kühlkörpermaterial: Kupfer
- Aufbau: 49 Lamellen / 4 x 6 mm Heatpipes
- Befestigung: Retention Rahmen (Sockel 939)
- Gesamtgröße (L/B/H): 115 x 106 x 95 mm
- Gesamtgewicht : ca. 750 Gramm (inkl. Lüfter)
- Preis: ca. EUR 79,90
- Bezugsquelle:
http://www.ichbinleise.de/
Details:
Wie auch schon bei anderen Kühlern aus dem Hause „ichbinleise“ kommt auch beim ichbinleise® Cooler 910-C ein Kühlkörper von Thermalright zur Anwendung. Auf den ersten Blick vermutet man den alten Bekannten XP-90. Doch die rötlich schimmernde Oberfläche deutet auf den erst vor kurzem veröffentlichen großen Bruder des XP-90 hin. Der XP-90 C gleicht dem Vorgänger bis auf's Haar, nur dass hier auf Kupfer anstatt auf Aluminium gesetzt wird. Wie von Thermalright nicht anders gewohnt, kann die Verarbeitung mal wieder als mustergültig bezeichnet werden. Der massive Einsatz des Schwermetalls Kupfers schlägt sich allerdings auch entsprechend auf das Gewicht des Kühlkörpers nieder. 690 Gramm anstelle von 360 Gramm sorgen dafür, dass sich der Kühler in die Sparte der Schwergewichtler einreihen darf. Das neue Layout zeichnet sich unter anderem dadurch aus, dass nun nicht mehr alle Lamellen mit der
kupfernen Grundplatte verlötet sind, sondern lediglich 28 der 49 Lamellen haben einen direkten Kontakt zum Kühlerboden. Zusätzlich erfolgt die Wärmeübertragung über vier zwischen Grundplatte und Kühllamellen eingelassenen Heatpipes. Diese verbinden auch die restlichen 21 Kühllamellen mit der Grundplatte. Die Auslegung der 6 mm im Durchmesser messenden Heatpipes hat Thermalright im Vergleich zum XP-90 nicht angetastet. Diese verlaufen immer noch von der waagerechten Anordnung an der Grundplatte zu den oberen Bereichen der Kühllamellen. Die Befestigung an den Sockeln erfolgt über zwei Auskragungen an der Grundplatte. Komplettiert wird der Kühler durch den ichbinleise® Fan 92/1000 blue, der auch seit kurzem im Sortiment von MR Computertechnik zu finden ist. Der, wie der Name schon vermuten lässt, blaue, leicht transparente Lüfter wird mit einer Drehzahl von 1.000 U/min beworben und soll dabei lediglich 20 dB(A) laut sein. Der Förderstrom des Lüfters wird bei Nenndrehzahl mit 35m³/h angegeben. Zusätzlich ist eine Spannungs- und somit Drehzahlreglung über die optional erhältliche Fanmate 2 von Zalman möglich. Ein Detail, dass sämtliche ichbinleise® Cooler der Konkurrenz voraus haben, ist die
typische Entkopplung des verbauten Lüfters.
Montage:
Auch wenn die Montage des Kühlers auf dem im Test verwendeten Asus A8V Deluxe in wenigen Augenblicken erledigt ist, muss zu Beginn etwas Vorarbeit geleistet werden. Vor dem Aufsetzten des Kühlers muss der vorhandene Retention-Rahmen gegen den im Lieferumfang enthaltenen getauscht werden. Zur Befestigung müssen lediglich zwei Schrauben gelöst und wieder angezogen werden. Danach erfolgt das obligatorische auftragen der Wärmeleitpaste auf dem Prozessor. Gleichmäßig dünn auf den Heatspreader des AMD Athlon 64 aufgetragen steht dem Aufsetzen des Kühlers nun nichts mehr im Wege. Die eigentliche Montage kann für den Laien allerdings schnell zu einer Geduldsprobe ausarten. Die teilweise schlecht zu erreichenden Klammern in Kombination mit einer falschen Technik die Ösen des Halterahmens einrasten zu wollen sorgen schnell für Verdruss. Mit der richtigen Technik ist die Montage aber in wenigen Augenblicken durchgeführt. Der Kühler wird mit in Richtung Arbeitsspeicher zeigenden Heatpipes mittig auf den Prozessor aufgesetzt. So sitzt der Kühler relativ mittig unter dem Netzteil und die Abluft kann gezielt abgesaugt werden. Außerdem werden so die Spannungswandler des Mainboards effektiv mit gekühlt. Nach dem positionieren des Kühlers sollten die Halteklammer paarweise diagonal in die Ösen des Retention-Rahmens eingehakt werden. Also zuerst den Bügel unten links und den Bügel oben rechts einrasten lassen. So verhindert man ein verspannen und verrutschen der Kühlers auf dem Prozessor. Nach dem montieren noch den Lüfter anschließen, und schon kann es losgehen.
Kühlleistung:
Um die Leistung des Kühlers zu ermitteln, wird dieser nicht einfach nur auf einer offenen Kühlerprüfstation getestet, sondern praxisnah in einem speziell für Silent-Kühler zusammengestellten Testsystem. Ohne zusätzliche Gehäuselüfter und lediglich mit einem modifizierten Ultra-Silent Netzteil bestückt, werden alle Kühler in diesem System unter absolut gleichen Bedingungen betrieben. Der im Erdgeschoss befindliche Messraum bietet Sommer wie Winter optimale Testbedingungen bei nahezu gleichbleibender Umgebungstemperatur. Damit die teils filigranen Temperaturunterschiede aufgezeigt werden können, wird stets die gleiche Wärmeleitpaste verwendet. Ebenso wird großer Wert auf eine exakte Betriebsspannung des Lüfters gelegt. Daher wird diese nicht über das Mainboard selbst, sondern von einem externen Labornetzteil bezogen. Nur die Drehzahl des Lüfters wird über ein spezielles Adapterkabel vom Mainboard ausgelesen. Bei den angegebenen Temperaturwerten handelt es sich um Prozessorkerntemperaturen. Der kritische Bereich bei der im Test verwendeten Mainboard/Prozessor Kombination beginnt bei ca. 75°C. Bei der Verwendung von Gehäuselüftern nach ATX Spezifikation, stellt sich die Kühlleistung des getesteten Kühlers theoretisch um 7 bis 9°C besser dar.
Mit Ausnahme des passiven Scythe NCU-2005 können sich alle Konkurrenten vor dem ichbinleise® 910-C platzieren. Lediglich dem Zalman auf 5 Volt ist er auf 12 Volt recht nah auf den Fersen. Und dies bei deutlich geringerer Geräuschkulisse. Doch bei 5 Volt ist ein deutlicher Kühlleistungseinbruch zu verzeichnen. Hier erreicht er fast das Niveau des passiven NCU. Eine Verringerung der Lüfterdrehzahl von 1000 auf knapp 500 U/min ist daher nicht wirklich sinnvoll.
Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.
Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse und arbeitsplatzkonformen Abstand - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquellen lediglich ein modifiziertes Ultra-Silent Netzteil und eine entkoppelt und gedämmte Silent-Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Kühlers nicht beeinflussen. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.
Die Messwerte bestätigen die ersten subjektiven Eindrücke des ichbinleise Cooler®. Bereits auf 12 Volt kann sich der Schwabe von seinem nächsten Mitstreiter, dem Aerocool GT-1000, absetzten. Eine Reduktion der Drehzahl im 5 Volt Betrieb lässt den Schallpegel fast unterhalb des Messbaren fallen. Die beiden anderen Kandidaten können hier nicht mithalten. Der Zalman ist bereits fast 1,5 dB(A) und der NT02 fast 2 dB(A) lauter. Dies gilt für die Ergebnisse mit reduzierter Drehzahl. Mit voller Leistung kann keiner dem ichbinleise Cooler® auch nur annähernd gefährlich werden. Aber auch die subjektiven Eindrücke des verwendeten ichbinleise Fan 92/1000 blue konnten überzeugen. Der verbaute Lüfter produziert nur sehr leise Nebengeräuschen. Ein 92mm Papst 3412 N/2GLE kann z.B. in keinster Weise mit dem Lüfter mithalten. Zusammen mit dem Lüfter des GT-1000, der ebenfalls mit einem angenehmen Betriebsgeräusch aufwarten kann, sicherlich einer der empfehlenswerteren Lüfter seiner Baugröße.
Testrechner:
- Motherboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (Chipsatz passiv)
- Prozessor: AMD Athlon 64 Winchester 3000+ (2.2GHz/1.65V)
- Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
- Speicher: 1 GB Geil Dual Channel PC-3200 400 MHz DDR
- Grafikkarte: ATI Radeon 9700 Pro 128 MB (Aerocool VM-101)
- Festplatte: Samsung SV0802N (ichbinleise® Box HDD 20)
- Laufwerk: NEC ND-1300A DVD-Brenner
- Gehäuse: Chieftec CS-601 (Aluminium/geschlossen)
- Netzteil: 353 Watt Enermax 120 mm Yate Loon (Ultra-Silent Mod)
- Gehäuseventilation: keine Gehäuselüfter
- Datenträgerverbindung: Rounded-Silver-Cable
- Betriebssystem: Microsoft Windows XP Professional SP2
- Software: Motherboard Monitor, Prime 95
- Zimmertemperatur: 20°C +/- 0,5°C
Fazit:
Mit dem ichbinleise Cooler® 910-C erweitert MR Computertechnik seine Produktpalette um einen weiteren interessanten Kühler. Auch wenn sich Overclocker von den Ergebnissen im Bereich Kühlleistung nicht wirklich beeindruckt zeigen dürften, so ist die Kühlleistung für die vom Hersteller fest eingestellte Lüfter-Drehzahl von lediglich 1.000 U/min keineswegs schlecht. Eine nachträgliche extreme Reduzierung der Lüfterspannung, wie im Test auf 5 Volt, kann jedoch angesichts der Messwerte nicht empfohlen werden. Zu stark fällt die Kühlleistung bei geringer Lüfterdrehzahl ab. Kann der Schwabe vielleicht keine Kühlmeisterschaft gewinnt, umso stärker trumpft er doch in seinem eigentlichen Revier auf. Im Kapitel Geräuschmessung konnte ihm keiner der Vergleichkandidaten das Wasser reichen. Und das bereits auf 12 Volt Betriebspannung des Lüfters. Hier stellt sich natürlich die Frage nach dem Sinn und der Notwendigkeit einer Reduzierung der Lüfterdrehzahl. Die angepeilte geräuschverwöhnte Kundschaft wird diesen Kühler daher sicherlich näher in Augenschein nehmen. Aber auch in anderen Bereichen wie Verarbeitung und Montage kann der Kühler durchaus überzeugen. Ein perfektes Finish in Kombination mit der schwingenden Lagerung des ichbinleise® Fan 92/1000 blue zählen zu den Stärken des Kühlers. Die Montage ist mit dem richtigen Dreh ebenfalls in kürzester Zeit erfolgt. Leider ist Qualität nicht immer für wenig Geld zu bekommen. Dies gilt auch für den schwäbischen Leisetreter. EUR 79,90 sind sicherlich kein Pappenstiel. Allerdings muss man auch beachten, dass bereits der Kühlkörper mit EUR 59,90 zu Buche schlägt. Die restlichen EUR 20,00 fließen in den mitgelieferten Lüfter sowie dem handwerklichen Aufwand der Lüfterentkopplung. Als Schlussfazit lässt sich über den ichbinleise Cooler® 910-C folgendes sagen; Overclocker sollten wohl besser nach einem leistungsfähigeren Modell Ausschau halten. Aber jeder der sich einen exklusiven Leisetreter in seinem Gehäuse halten will, der sollte mindestens ein Auge auf diesen Kühler werfen.
Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Michael Ruoff - Geschäftsführer von MR Computertechnik.
Links zum Thema:
MR Computertechnik [ Hersteller ]
© www.dirkvader.de
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