Silverstone ST75F Review

Silverstone ST75F

Netzteil Großansicht

Vorwort:
Mit dem Silverstone SST-ST75F präsentieren die Taiwanesen ihr derzeit stärkstes Modell der Strider Serie. Mit einer Gesamtleistung von 750 Watt dürfte der Bolide wohl jeder derzeitigen Hardwarekonstellation Herr werden. Die kombinierte Leistung der vier voneinander unabhängigen +12V Schienen beträgt knapp 650 Watt. Nach genauerem Betracht der Leistungsmerkmale keimt bei Otto-Normalverbrauchern unweigerlich die Frage auf: Wer um Himmels Willen braucht soviel Leistung? Es ist schon richtig, dass der Großteil der Anwender mit einer Netzteil-Gesamtleistung zwischen 300 und 500 Watt problemlos auskommt; jedoch gibt es ja noch die Overclocker und Hardcoregamer. In einem solchen Power-System mit übertaktetem Prozessor und aktuellen Grafikkarten im SLI- bzw. Crossfire-Betrieb muss ein Netzteil durchaus zwischen 400 und 600 Watt an Leistung bereitstellen. Mit einem Wirkungsgrad von knapp 80% hat es das SST-ST75F leider nicht mehr in den Club der 80 Plus zertifizierten Netzteile geschafft. Der Umweltaspekt kommt aber dafür auf andere Weise - z.B. durch das Einhalten der RoHS-Richtlinie (Beschränkung der Verwendung bestimmter gefährlicher Stoffe in Elektro- und Elektronikgeräten) - zum Tragen. Das Ziel ist unter anderem, die bleifreie Verlötung elektronischer Bauteile durchzusetzen, giftige Flammhemmer bei der Herstellung von Kabeln zu verbieten sowie die Einführung entsprechender Ersatzprodukte zu forcieren. Des Weiteren müssen auch die verwendeten Bauteile und Komponenten selbst frei von entsprechenden Stoffen sein. Obwohl die RoHS-Richtlinie keine Kennzeichnung vorschreibt und kein Industrie- oder behördlicher Standard für die RoHS-Kennzeichnung existiert, hat Silverstone ein eigenes RoHS-Logo entwickelt. Als Top-Modell der Strider Serie wartet das Silverstone SST-75F natürlich auch mit einem Kabelmanagement, der Verwendung von Premium Komponenten und zahlreichen Sicherheitsfeatures auf. Der implementierte 120 mm Lüfter soll seinen Dienst - man höre und staune - sogar vergleichsweise leise verrichten. Inwiefern sich das Silverstone SST-ST75F in den Charts platzieren kann und für wenn ein solch potentes Netzteil interessant ist, zeigt der folgende Praxistest.

Lieferumfang:
Die Verpackung des Silverstone SST-ST75F ist ansprechend gestaltet und folgt dem Look vorheriger Modelle. Sie ist mit 30 x 10 x 23 cm relativ kompakt bemessen und verfügt über einen integrierten Transportgriff. Das Netzteil selbst ist in einen Folienbeutel gehüllt. Ein Tütchen Kieselgel hält die Feuchtigkeit von der kostspieligen Elektronik fern. Als Zubehör findet der Käufer lediglich das obligatorische Kaltgeräte-Anschlusskabel und 4 Gehäuseschrauben vor. Die 10-seitige Bedienungsanleitung ist komplett in Englisch gehalten. Unterm Strich ist der Lieferumfang etwas mager. Bei einem Produkt dieser Preisklasse kann man schon ein paar nützliche Gimmicks erwarten.

Technische Daten:

  • Hersteller: Silverstone
  • Modell: SST-ST75F
  • Layout: 120 mm Single-Fan
  • Schallpegel: > 22 dB(A)
  • Standards: ATX 12V 2.2 / EPS 12 V
  • Blindstromkompensation (PFC): aktiv
  • Wirkungsgrad: > 80%
  • Kombinierte Leistung (+12V): 648 Watt
  • Gesamtleistung: 750 Watt
  • Größe: (B) 150 x (H) 86 x (T) 180 mm
  • Gewicht: 1.980 Gramm (ohne Kabel)
  • Verkaufspreis (EUR): ca. 149,00
  • Bezugsquelle: www.silverstonetek.de
Produktlabel - Spezifikationen
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Details:
Das Silverstone Strider Series SST-ST75F entspricht seinem kleineren Bruder - dem SST-ST60F - aus optischer Hinsicht bis ins Detail. Das hohe Gewicht von 2,9 kg sieht man dem solide gefertigten Boliden schon fast an. Ohne Verkabelung bringt er immer noch knapp 2,0 kg auf die Waage. Wie gewohnt ist farblich alles Ton in Ton abgestimmt. Durch seine matt-schwarze Lackierung wirkt das Power-Netzteil recht dezent und edel. Dazu passend die schwarzen Verschluss-Schrauben und das schwarze Lüfterschutzgitter. Sogar an schwarze Anschluss-Stecker und eine schwarze Kabelummantelung wurde gedacht. Mit einer Bautiefe von 180 mm kann es in kleinen Gehäusen durchaus etwas eng werden. Die Verarbeitung ist wie gewohnt sehr hochwertig. Der neugierige Betrachter findet nach dem Öffnen des Netzteildeckels ein sehr aufgeräumtes Platinenlayout vor. Auch hier sind kaum Unterschiede zum 600 Watt Pendant zu erkennen. Die Kühlkörper sind der Leistung entsprechend groß dimensioniert und die Premium-Komponenten sauber angeordnet und verlötet. Der 120 mm Lüfter aus dem Hause ADDA ( Typ: AD1212HB-A71GL) ist mittels 2-Pin Anschluss auf die Platine gesteckt und kann ohne große Mühe ausgetauscht werden. Das 750 Watt starke Silverstone Netzteil verfügt neben einer aktiven Leistungsfaktor-Korrektur (PFC) auch über 4 voneinander unabhängige +12V Kreisläufe und einer geballten Ladung an Schutzfunktionen (OPP, OCP, UVP, OVP, SCP, NLO). Für Overclocker und Perfektionisten befinden sich an der Seite des Netzteils erstmals auch von außen zugängliche (!) Trimmpotis, mit welchen die einzelnen Spannungen abgeglichen werden können. Hier gilt jedoch Finger weg! Die Feinjustage sollte ausnahmslos Profis vorbehalten bleiben, weil man hier viel Schaden anrichten kann und außerdem die Garantie erlischt. Eine sauber gegliederte Auflistung aller Features befindet sich in der Produktbeschreibung des Herstellers, auf welche wir an dieser Stelle verweisen möchten. Als Schmankerl kann das Kabelmanagement (100% Cable-Free) bezeichnet werden. Im Gegensatz zu vielen anderen "Cable-Free" Netzteilen, sind hier wirklich alle Kabel steckbar. Ausstattungsseitig wartet das Netzteil mit einem ausreichend lang bemessenen Kabelstrangsatz - auch für Big Tower - auf. Die komplett ummantelten und einzeln steckbaren Kabelstränge sind sauber mit schwarzen Anschluss-Steckern konfektioniert. Insgesamt stehen dem Anwender folgende Anschlussleitungen zur Verfügung: 1 x Kabelstrang 55 cm (24-Pin ATX Stecker), 1 x Kabelstrang 55 cm (4-Pin 12 Volt Mainboard Stecker), 1 x Kabelstrang 55 cm (8-Pin 12 Volt Mainboard Stecker),1 x Kabelstrang 55 cm (6-Pin AUX), 2 x Kabelstrang 75 cm (je 2 x S-ATA Stecker), 2 x Kabelstrang 80 cm (2 x 5 ¼“ Stecker), 2 x Kabelstrang 90 cm (2 x 5 ¼“ Stecker, 1 x 3 ½“ Stecker) und 4 x Kabelstrang 55 cm (je 1 x PCI-Express).

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Leistungsaufnahme:
Um zu ermitteln wie sich die Testkandidaten aus ökonomischer Sicht verhalten, wird deren Leistungsaufnahme in allen drei Betriebsarten ermittelt: Im Standby-Betrieb (herunter gefahrenes System), im Leerlauf (hochgefahrenes Betriebsystem, keine Aktivitäten) und unter Volllast (volle Systembelastung). Die maximale Auslastung des Systems wird durch den gleichzeitigen Betrieb der beiden Programme Prime95 und 3DMark2003 erreicht. Als Messmittel kommt der bekannte Energy Monitor 3000 von Voltcraft zum Einsatz (EUR 39,95). Für den Hausgebrauch kann auch der deutlich günstigere Energy Check 3000 (EUR 19,95) bei Conrad erworben werden. Es wird der Stromverbrauch des gesamten Systems, bestehend aus Prozessor, Mainboard, Arbeitsspeicher, Grafikkarte, Festplatte und DVD-Laufwerk ermittelt. Da den Prüflingen in der Regel unterschiedliche (Querschnitt, Qualität) Kaltgeräteanschlusskabel beigelegt werden, verwenden wir als Referenz das aus dem HiFi-Bereich bekannte Serie 3 Kabel (EUR 50,00) aus dem Hause Groneberg.

Die aus der Tabelle hervorgehenden Differenzen stellen sich relativ gravierend dar. Durch das hohe Einsparungspotential erscheint diese Rubrik äußerst sinnvoll und zeitgemäß. Nehmen wir einmal an, wir betreiben ein ganzes Jahr lang (8760h) ein Netzteil mit einer durchschnittlichen Leistungsaufnahme von 150W (Volllast). Dieses wird dann durch ein hoch effizientes Modell mit einer durchschnittlichen Leistungsaufnahme von 100W (Volllast) ersetzt. Bei einem Strompreis von 0,17 EUR/KWh entspräche dies einer Ersparnis von EUR 74,46/Jahr. In der Praxis dürften so große Differenzen (50W) bei Netzteilen aber kaum auftreten. Realistischer hingegen sind Unterschiede von ca. 25W, wodurch die Ersparnis immer noch EUR 37,23/Jahr beträgt. Es macht also durchaus Sinn, etwas mehr Geld für ein sparsameres Modell auszugeben. Ein Mehrpreis von EUR 10,00 wäre bei 25W geringerem Verbrauch bereits nach gut 3 Monaten amortisiert. Wer mehr als einen Rechner betreibt sollte sich genau überlegen, welches Netzteil er verwendet.

Die Kategorie Leistungsaufnahme absolviert das Silverstone SST-ST75F mit einem insgesamt betrachtet durchschnittlichem Ergebnis. Für ein Netzteil der 750W-Klasse liegen die im Idle- und Load-Betrieb ermittelten Werte mit 79,7 bzw. 126,0W noch im grünen Bereich. Dass der Stromverbrauch des herunter gefahrenen Systems kernige 5,1W beträgt ist allerdings zu hoch. Wir empfehlen das Netzteil auszuschalten bzw. eine abschaltbare Netzleiste zu verwenden. Unterm Strich reicht es dennoch für den goldenen Platz in der Mitte der Charts.

Spannungsstabilität:
Wenn sich die Hersteller von Computer-Hardware nicht an eng tolerierte Normen halten müssten, wäre an ein stabiles System kaum zu denken. Dies leuchtet ein, wenn man bedenkt aus wie vielen Komponenten ein herkömmliches PC-System besteht. Deshalb wird geprüft, ob sich alle relevanten Spannungen innerhalb der Toleranzen nach ATX-Spezifikation bewegen. Dazu läuft der komplette Testrechner jeweils mehrere Stunden im Leerlauf und unter simulierter Volllast mittels Prime 95. Gleichzeitig werden alle Spannungswerte in Abständen von 5 Sekunden in einem Logfile gespeichert, welcher anschließend ausgewertet wird. Mit Hilfe des Logfiles lässt sich schnell feststellen, ob Schwankungen während des gesamten Betriebs aufgetreten sind. In der Tabelle wurde der jeweils dominanteste bzw. bei Spannungseinbrüchen kritischste Wert hinterlegt. Um die Richtigkeit der offerierten Messergebnisse zu überprüfen, wurden während des Betriebes sporadisch Messungen mit einem Multimeter direkt am ATX Stecker des Mainboards vorgenommen.

Was die Spannungswerte und Spannungsstabilität betrifft, hinterlässt das Silverstone SST-ST75F einen gemischten Eindruck. Nachdem der +12V-Wert mit gemessenen +12,89V deutlich den Sollwert von +12,0V verfehlt hat, wurde das Netzteil anhand des von außen zugänglichen Trimm-Poti auf das Testsystem abgestimmt. Da sich analog dazu auch der +5,0V-Wert herab setzt, wurde die +12V-Leitung auf genau +12,50V (Leerlauf) eingestellt. Sobald das System mittels Prime 95 und 3DMark2003 ausgelastet wird, reduziert sich die Spannung der +12V-Leitung sprungartig auf +12,24V, was auch akustisch deutlich wahrgenommen wird. Eine derartige Abnormität wurde damals beim in der Basis identischen SST-ST60F nicht festgestellt. Die +12V-Werte waren von Haus aus in Ordnung und änderten sich auch durch den Lastwechseln nicht. Ein Szenario welches den Betrieb des Netzteils zwar in keiner Weise beeinträchtigt, aber nicht wirklich den Optimalfall darstellt.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die hier gemessenen Werte je nach verwendeter Plattform und Leistungsforderungen der jeweilig verbauten Komponenten hiervon abweichen können. Messtoleranzen sind wie allgemein gegeben obligatorisch.

Kühlleistung:
Das allgemein bekannte Problem von Silent Netzteilen ist deren vermeintlich schwache Kühlleistung. In der Regel gilt, je leiser das Netzteil ist, desto weniger Luft wird gefördert. Die laut ATX-Spezifikation empfohlene Fördermenge von 25 bis 35 CFM, wird hierbei oftmals deutlich unterschritten. Man sollte sich daher vor dem Kauf eines Netzteils im Klaren sein, welche Ergebnisse man erzielen will. Das leiseste Ultra-Silent Netzteil kann sich als Fehlkauf heraus stellen, wenn zusätzliche Gehäuselüfter benötigt werden, um einen stabilen Betrieb des Komplettsystems zu gewährleisten.

Um die Kühlleistung des Netzteils zu ermitteln, wird dieses in einem geschlossenen Silent-System betrieben. Entgegen der ATX Norm und zwar ohne jegliche Gehäuselüfter. Die hinteren Lüftungsöffnungen wurden außerdem verschlossen, damit das Netzteil nur die Luft aus dem Frontbereich ansaugen kann. Verschärfte Bedingungen werden dem Netzteil auch durch die zu kühlenden Passivkühler des Prozessors und der Grafikkarte gestellt. Bei exakt 20°C Zimmertemperatur läuft der Testrechner jeweils mehrere Stunde lang im Windows Leerlauf - keine Auslastung - und im simulierten Volllastbetrieb durch die Programme Prime95 und 3DMark2003. Die zum Test verwendete Plattform liest über die interne Prozessordiode eine sehr realistische Kerntemperatur aus und offeriert somit erst jenseits von 75°C ernsthafte Instabilitäten.

Neben der Prozessortemperatur und der weniger aussagekräftigen Systemtemperatur wird zusätzlich die Temperatur der aus dem Netzteil austretenden Abluft gemessen. Hierzu kommt ein Beckmann & Egle Labormessfühler und ein Lutron Digital Thermometer zum Einsatz. Dieser Wert soll aufzeigen wie es um die Eigentemperaturentwicklung und Effizienz des Netzteils bestellt ist. Zudem lässt er spekulativ eine Tendenz in Punkto Lebensdauer erkennen. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer langen Lebensdauer bei niedrigeren Ablufttemperaturen theoretisch höher sein müsste, kann sich diese These unter Umständen bei manchen Modellen anders darstellen. Denn eine hohe Ablufttemperatur kann auch ein Indiz dafür sein, dass die Wärme der Bauteile besonders effektiv abgeführt wird und sich nicht durch undichte Stellen wieder ins Gehäuseinnere bewegt. Daher wird dieser Temperaturwert neben der Systemtemperatur in der Tabelle weniger hoch gewichtet als die Prozessortemperatur.

Das Silverstone Strider Series SST-ST75F wartet mit einer guten Kühlleistung auf, welcher in etwa der des LC-Power Scorpio 460 Watt entspricht. Der bedeutende Unterschied liegt darin, dass das Scorpio mit max. 33,4 dB(A) dabei gut 5 dB(A) lauter zu Werke geht.

Die subjektive Bewertung der Kühlleistung bezieht sich auf ein ohne Gehäuselüfter betriebenes Komplettsystem.

Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.

Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquelle lediglich eine entkoppelte und gedämmte Silent Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Netzteils nicht beeinflusst. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen, Arbeitsplatz konformen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.

Als zusätzlicher Punkt wurde die Elektronik des Netzteils auf etwaige Störgeräusche überprüft. Das Netzteil wird hierzu im ausgebauten Zustand, sowohl im Leerlauf als auch unter Last betrieben. Die Aufnahme der Störgeräusche erfolgt mit geöffneten Deckel und abgeklemmten Lüfter/n. Die aus einem Abstand von ca. 10 cm erfassten Geräusche werden rein subjektiv beurteilt dargestellt.

Was die Kategorie Betriebsgeräusch betrifft, hat das Silverstone SST-ST75F überrascht. Trotz 150 Watt mehr an Leistungsreserven gegenüber dem kleineren Bruder SST-ST60F, wartet der Prüfling mit einem deutlich leiseren Betriebsgeräusch auf. Was etwas störend wirkt ist der akustisch vernehmbare Spannungsunterschied der +12V-Leitung zwischen Leerlauf und Volllast, auch wenn dieser nur sehr minimal ist.

Für eine positive Überraschung sorgte das Netzteil im Bezug auf mögliche Störgeräusche der Elektronik. Im Leerlauf waren absolut keine Nebengeräusche feststellbar. Unter Last sind nur extrem leise Nebengeräusche vernehmbar. Definitiv in dieser Kategorie neben dem SST-ST60F eines der besten Netzteile, dass bisher diesem Test unterzogen wurde.

Je nach Systemzusammenstellung - insbesondere in schlecht ventilierten Gehäusen - kann der Schallpegel bei temperaturgeregelten Netzteilen hiervon abweichen. Der jeweilig beschriebene Subjektiveindruck bezüglich der Geräuschcharakteristik versteht sich nach arbeitsplatzkonformen Abstand zum im Test verwendeten Komplettsystem.

Testrechner:

  • Mainboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (passiv)
  • Prozessor: AMD Athlon 64 3000+ Winchester (Standardtakt)
  • Kühler: Scythe NCU-2005 (passiv)
  • Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
  • Arbeitsspeicher: 2 x 512MB Geil DDR400 PC-3200 CL2.5
  • Grafikkarte: Hercules Prophet Radeon 9700 Pro (passiv @ Aerocool VM-101)
  • Festplatte: Samsung SV0802N (ichbinleise® HDD 20)
  • Gehäuse: Chieftec CS-601 (Aluminium, geschlossen)
  • Gehäuseventilation: passiv (keine Gehäuselüfter)
  • Laufwerke: NEC ND-1300A DVD-Brenner
  • Datenträgerverbindung: Rounded Silver Cable
  • Betriebssystem: MS Windows XP Professional SP2
  • Software: Motherboard Monitor, Prime 95, Asus PC Probe, 3DMark2003
  • Zimmertemperatur: 20,0°C (Abweichung < 0,5°C)

Fazit:
Der taiwanesische Hersteller Silverstone präsentiert mit dem 750 Watt starken Strider Series ST75F ein außerordentlich leistungsstarkes und gut ausgestattetes Netzteil mit 120 mm Single-Fan Layout. In erster Linie wurde es wohl als High-End Netzteil für Gamer entwickelt. Optisch betrachtet wirkt es durch die matt-schwarze Oberfläche und den farblich darauf abgestimmten Anbauteilen, wie aus einem Guß. Sogar die Anschluss-Stecker und die Ummantelung wurden in schwarz gehalten. Die Verarbeitung des Netzteils ist genauso beispielhaft, wie die des etwas schwächeren SST-ST60F. Die 750 Watt starke Elektronik ist dank 4 unabhängigen +12V Kreisläufen, aktiver Leistungsfaktor-Korrektur, umfangreichen Schutzschaltungen und SLI-Option up to date. Ausstattungsseitig wartet das Netzteil mit einem Kabelmanagement (100% Cable-Free) und von außen im geschlossenen Zustand zugänglichen Spannungstrimmpotis auf. Für das verhältnismäßig leistungsschwache Silent-Testsystem, musste die Spannung der +12V-Leitung (standardmäßig 12,89V) zunächst reduziert werden. Des Weiteren fiel der deutliche Spannungsunterschied zwischen Idle- und Load-Betrieb auf, welcher auch akustisch - wenn auch nur leise - zu vernehmen war. Beide Kritikpunkte waren beim Test des SST-ST60F nicht zu bemerken. Dafür wartete das SST-ST75F im Vergleich zu selbigem Netzteil mit einem deutlich leiseren Betriebsgeräusch auf. Wurden beim SST-ST60F noch 31,7 - 33,1 dB(A) gemessen, verhielt sich das SST-ST75F mit 25,8 - 26,0 dB(A) überraschend leise. Aber auch hier gilt: Wird das Netzteil deutlich stärker auslastet, muss auch mit einem höheren Betriebsgeräusch gerechnet werden. Analog zum leiseren Betriebsgeräusch, schnitt das SST-ST75F in Sachen Kühlleistung 2-3°C schlechter ab, was aber immer noch für ein subjektives "gut" ausreichte. Die Elektronik - welche der des 600 Watt Pendants sehr ähnlich ist - verhielt sich ebenfalls sehr neutral und wartete nur mit sehr filigranen Störgeräuschen auf. In Punkto Leistungsaufnahme kann sich der Prüfling leider nur im Mittelfeld positionieren. Für ein aktuelles Netzteil dieser Preisklasse (ca. EUR 149,00) hätten wir uns einen etwas höheren Wirkungsgrad erhofft (wie z.B. SST-ST40EF). Für jeden Anwender der ein leistungsfähiges und vor allem leises Netzteil der 750 Watt-Klasse mit üppiger Ausstattung sucht, gibt es derzeit wenige Alternativen zum Silverstone SST-ST75F.

Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Stefan Galow von Silverstone Deutschland.

Links zum Thema:
Silverstone [ Hersteller ]

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03.01.2007 [dl]