Silverstone PP02 Acoustic Cover Review

Silverstone PP02 Acoustic Cover

Silverstone PP02 Acoustic Cover Großansicht

Vorwort:
Mit dem Power Supply Acoustic Cover - einer gedämmten Kunststoffhaube aus ABS - möchte der Hersteller Silverstone lautstarken Netzteilen das Flüstern beibringen. Das Thema Netzteilschalldämpfung ist alten Hasen der Silentszene längst bekannt. Den komplexen Magic Vent aus dem Hause A Conto stellten wir bereits am 29. Dezember 2001 im Silent Project vor. Mit der schallgedämmten Abdeckung war es möglich, das Betriebsgeräusch des Netzteils und der hinteren Gehäuselüfter spürbar zu senken. Einziges Manko waren die analog dazu leicht angestiegenen Gehäusetemperaturen. Für das Review der etwas später erschienenen Chieftec CS-601 Variante wurde sogar ein aussagekräftiges Video erstellt. Denn subjektiv wurde die Geräuschminderung intensiver wahrgenommen als mit Messwerten belegbar (Filtereffekt). Im Laufe der Zeit folgten dem Magic Vent diverse Ableger wie zum Beispiel die Muffler aus Kalifornien oder die ichbinleise® Box NT/80 aus dem Schwabenland. Die etwas kompakteren Lösungen machten sich ebenfalls das Prellblechprinzip zu Nutze und brachten ähnliche Resultate zu Tage. Im Vergleich dazu ist der Silverstone PP02 vom Layout her etwas einfacher gestrickt. Dafür ist er aber universell einsetzbar und mit einem voraussichtlichen Verkaufspreis von EUR 7,50 auch relativ preiswert. Mit der innen mittels Akustik-Schaumstoff ausgekleideten Kunststoffhaube soll auch ohne integrierte Schikanen bzw. Prellbleche der direkte Schall gebrochen und so der Geräuschpegel gesenkt werden. Der Vorteil des einfacheren Aufbaus soll sich vor allem in einem nahezu unveränderten Temperaturverhalten widerspiegeln. Inwiefern sich die angepriesenen Vorzüge in der Praxis reproduzieren lassen, ist nachfolgend zu lesen.

Lieferumfang:
Der Hersteller liefert den Netzteilschalldämpfer (Power Supply Acoustic Cover) in einer zweckmäßigen Kartonage mit integriertem Sichtfenster aus. Auf der farbig bedruckten Schachtel findet man neben den Spezifikationen und Features auch einen kleinen Installation Guide. Dem eigentlichen Produkt liegen lediglich vier längere Gehäuseschrauben bei, welche zur Montage des PP02 benötigt werden.

Technische Daten:

  • Hersteller: Silverstone
  • Modell: PP02 Acoustic Cover
  • Bauart: Netzteilschalldämpfer
  • Material: ABS, Schaumstoff
  • Farbe: schwarz
  • Größe: (B) 142 x (H) 90 x (T) 77 mm
  • Gewicht: 79 Gramm
  • Verkaufspreis: ca. EUR 7,50
  • Bezugsquelle: www.silverstonetek.com

Details:
Der Silverstone PP02 Netzteilschalldämpfer macht auf den ersten Blick einen soliden Eindruck, hinterlässt aber gleichzeitig eine gewisse Skepsis bezüglich der Wirksamkeit. Die schwarze Abdeckhaube wird in Taiwan professionell im Spritzgußverfahren aus ABS-Kunststoff hergestellt. Die Verarbeitungsqualität ist dementsprechend hoch. Ein weißer Silverstone Schriftzug schmückt die Rückseite des Produkts. Im Inneren ist die Haube mit Akustik-Schaumstoff ausgekleidet. Dadurch soll der direkte Schall reflektiert und gebrochen werden. Es entsteht eine Art Filtereffekt. Im direkten Vergleich zu diversen Konkurrenzprodukten - wie beispielsweise der ichbinleise® BOX NT/80 - ist das Layout des Power Supply Acoustic Cover schlichter aufgebaut und soll sich dadurch weniger nachteilig auf die Gehäusetemperaturen auswirken. Preislich ist das Silverstone Produkt verglichen mit der Konkurrenz ein Schnäppchen. Ein Preis von ca. EUR 7,50 ist aber erst dann wirklich günstig, wenn sich der angepriesene Effekt einstellt. Die Montage des Schalldämpfers gestaltet sich sehr einfach. Eine diesbezügliche Anbauskizze befindet sich seitlich auf der Produktverpackung und auch auf der Webseite des Herstellers. Die serienmäßig vorhandenen Schrauben des Netzteils werden einfach entfernt und die Abdeckung mittels den im Lieferumfang enthaltenen längeren Schrauben montiert. Die vier entsprechenden Aussparungen sind im Außenrand des Silverstone PP02 eingelassen. Nach einigen Versuchen an verschiedenen Gehäusemodellen, konnten keine Inkompatibilitäten festgestellt werden. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn ein vom Standard abweichendes Gehäuse oder ein nicht der ATX Baugröße entsprechendes Netzteil verwendet wird.

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Kühlleistung:
Um feststellen zu können ob der Netzteilschalldämpfer den Luftstrom und somit das Temperaturverhalten der Systemkomponenten negativ beeinflusst, muss auf die Kategorie Kühlleistung ebenso großer Wert gelegt werden wie auf das Betriebsgeräusch. Als Basis wurde das Testsystem für Netzteiltests herangezogen und nacheinander mit dem leistungsstarken und unter Volllast deutlich wahrnehmbaren Silverstone ST46F 460 Watt und LC-Power Scorpio 480 Watt Netzteil betrieben. Das Netzteil stellt in diesem System die einzige Abfuhrquelle der erwärmten Luft im Inneren des Systems dar, denn die rückseitig vorhandenen Gehäuselüfteröffnungen wurden verschlossen (siehe Bild unten). Sollte sich der Schalldämpfer als "Airflow-Bremse" herausstellen, dürfte es mit dieser Konfiguration am leichtesten aufzuzeigen sein.

Das System wird mit jedem der beiden Netzteile erst mehrere Stunden mittels Prime95 aufgeheizt, bis sich die Temperaturen stabil eingependelt haben. Dann erfolgt zuerst die Messung der Temperaturen und des Schallpegels. Anschließend wird der Silverstone Netzteilschalldämpfer montiert. Nach einer Stunde werden dann ebenfalls die Temperaturen und der Schallpegel ermittelt.

Bei der Verwendung des Silverstone PP02 konnte kein Temperaturanstieg festgestellt werden. Dies ist in so fern eine kleine Überraschung, da die bereits auf dem Markt erhältlichen Netzteilschalldämpfern durchaus zu einem messbaren Temperaturanstieg im Inneren des Rechners führten. Negative Auswirkungen auf den Airflow scheinen also nicht vorhanden zu sein. Die beiden verwendeten Modelle liefen jedenfalls mit uneingeschränkter Kühlleistung. Ob sich die Messergebnisse allerdings auch auf andere Netzteiltypen übertragen lassen, kann anhand dieses Tests nicht bestätigt werden.

Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.

Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquelle lediglich eine entkoppelte und gedämmte Silent Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Netzteils nicht beeinflusst. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen, arbeitsplatzkonformen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.

Bereits beim Aufsetzten des Silverstone PP02 lässt sich subjektiv ein merklicher Unterschied in der Geräuschcharakteristik des Rechners ausmachen. Das Betriebsgeräusch wird als dumpfer und sonorer aufgefasst. Dieser Eindruck wird auch anhand der Messwerte bestätigt. Allerdings fallen die Unterschiede mit 0,4 dB(A) beim LC-Power und 0,3 dB(A) beim Silverstone deutlich geringer aus als es der subjektive Eindruck zuerst vermuten lässt. Wahrscheinlich wird durch die Reflektion der Schallwellen in Verbindung mit dem verbauten Dämmstoff der Frequenzbereich des austretenden Schalls so verlagert, dass die als störender empfundenen hohen Frequenzbereiche stärker reduziert werden und somit die Geräuschkulisse als dumpfer und angenehmer wahrgenommen wird. Letztendlich kann der Acoustic Cover aber leider kein lautes Netzteil in ein leises verwandeln. Der Effekt ist eben ähnlich filigran wie beim Dämmen von Gehäusen.

Testrechner:

  • Mainboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (passiv)
  • Prozessor: AMD Athlon 64 3000+ Winchester (Standardtakt)
  • Kühler: Scythe NCU-2005 (passiv)
  • Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
  • Netzteil: Silverstone ST46F / LC-Power Scorpio
  • Arbeitsspeicher: 2 x 512MB Geil DDR400 PC-3200 CL2.5
  • Grafikkarte: Hercules Prophet Radeon 9700 Pro (passiv @ Aerocool VM-101)
  • Festplatte: Samsung SV0802N (ichbinleise® HDD 20)
  • Gehäuse: Chieftec CS-601 (Aluminium, geschlossen)
  • Gehäuseventilation: passiv (keine Gehäuselüfter)
  • Laufwerke: NEC ND-1300A DVD-Brenner
  • Datenträgerverbindung: Rounded Silver Cable
  • Betriebssystem: MS Windows XP Professional SP2
  • Software: Motherboard Monitor, Prime 95, Asus PC Probe, 3DMark2003
  • Zimmertemperatur: 20,0°C (Abweichung < 0,5°C)

Fazit:
Der Silverstone PP02 Netzteilschalldämpfer hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Die Verarbeitung des Produkts kann ohne Frage als sehr gut bezeichnet werden, denn die schwarze Abdeckhaube wird in Taiwan professionell im Spritzgußverfahren aus ABS-Kunststoff hergestellt. Auch optisch macht der PP02 einen ansprechenden Eindruck. Er wirkt wie ein Großserienprodukt. Seine Montage gestaltet sich kinderleicht. Mit wenigen Handgriffen ist die Abdeckhaube auch von ungeübten Personen montierbar. Diesbezügliche Inkompatibilitäten konnten keine festgestellt werden. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn ein vom Standard abweichendes Gehäuse oder ein nicht der ATX Baugröße entsprechendes Netzteil verwendet wird. Temperaturseitig hat sich das Produkt besser verhalten als erwartet. Kam es bei ähnlich konzipierten Konkurrenzprodukten stets zu erhöhten Systemtemperaturen, konnte beim Silverstone Pendant kein erkennbarer Anstieg der Temperaturen feststellt werden. Dies ist offensichtlich auf die einfachere Konstruktion - ohne Prellbleche - zurückzuführen. Geräuschseitig kehrt sich jedoch das Blatt. Das simplere Layout des PP02 hat hier das Nachsehen. Obwohl er das Geräuschniveau subjektiv merklich reduziert, konnten die Messwerte diesen Eindruck nicht 1:1 bestätigen. Vielmehr nimmt man den nahezu unveränderten Schallpegel durch eine Art Filtereffekt als sonorer und angenehmer war. Faktisch vermag die kleine Haube demnach die hohen Frequenzen aus dem Schallgeschehen umzulagern bzw. herauszufiltern. Letztendlich kann der Silverstone Netzteilschalldämpfer aber leider kein lautes Netzteil in ein leises verwandeln. Der Effekt ist eben ähnlich filigran wie beim Dämmen von Gehäusen. Trotz vieler positiver Aspekte und einem fair erscheinenden Verkaufspreis, kann das Produkt die Erwartungen in Hinblick auf eine deutliche Schallpegelabsenkung nicht vollends erfüllen.

Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Stefan Galow von Silverstone Deutschland.

Links zum Thema:
Silverstonetek [ Hersteller ]

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