Vorwort:
Trotz des relativ jungen Alters steht der Markenname Silverstone inzwischen für einen der renommiertesten Gehäusehersteller im Bereich der Aluminiumverarbeitung. Das Finish als auch die Verarbeitung der taiwanesischen PC- und HTPC-Gehäuse gelten als Beispielhaft. Aber nicht nur die ästhetischen sondern auch die praktischen Werte der Produkte können überzeugen. Inzwischen umfasst das Produktportfolio aber nicht nur Gehäuse, sondern auch Netzteile, Lüfter und auch Prozessor-Kühler. Der Einstieg in den Kühlermarkt erfolgte mit dem interessanten Heatpipekühler Nitrogon NT01. Auch hier liefert Silverstone wieder ein hervorragend verarbeitetes Produkt ab. Im speziell abgestimmten TJ06-Gehäuse waren die Ergebnisse durchaus beachtlich. Um die Layout bedingten Einschränkungen des NT01 für Gehäuse gemäß des ATX-Standards auszumerzen, folgt Silverstone den allgemeinen Trend im Kühlermarkt und offeriert jetzt einen neuen Kühler im Towerlayout. Wie schon beim NT01 erfolgt auch beim NT02 der Wärmeübergang vom Prozessor an das Kühlprofil mittels Powder-Heatpipes. Als interessantes Feature zur Erhöhung der Kühlleistung setzt Silverstone einen Lüfter ein, dessen 92 mm messendes Lüfterrad in einen 80 mm Käfig eingepasst wurde. Eine weitere Besonderheit des Lüfterkäfigs ist das Ring-Cage Design, was einerseits die Kühlleistung erhöhen gleichzeitig aber den Geräuschpegel reduzieren soll. Um auch die verschiedenen Geschmäcker der Kunden zufrieden zu stellen, wird eine Drehzahlregelung des Lüfters gleich mitgeliefert. Ob die Ideen der Silverstone Entwickler sich in der Praxis bewähren soll der folgende Testbericht aufzeigen.
Lieferumfang:
Wie viele Hersteller gibt sich auch Silverstone sehr viel Mühe seine Produkte ansprechend zu präsentieren. Die Verkaufsverpackung mit Sichtfenster und Tragegriff fällt bereits sehr üppig aus und gibt bereits einen Vorgeschmack auf den Inhalt. Auf der Kartonage selbst finden sich bereits interessante Details über Kühler und Lüfter. Im Karton finden sich der Kühlkörper und der Lüfter sorgfältig in Schaumstoff gebettet. Außerdem packt Silverstone eine Lüftersteuerung im 3,5“-Format und die für die Sockelmontage benötigten Einzelteile bei. Eine farbig bebilderte Montageeinleitung und Wärmeleitpaste sind ebenfalls im Lieferumfang enthalten und komplettieren das Gesamtpaket.
Spezifikationen:
- Hersteller: Silverstone
- Modell: Nitrogon NT02
- Lüftergröße: 80 x 80 x 25 mm
- Drehzahl: 1.800 - 3.800 U/min
- Schallpegel: 17,0 - 40,4 dB(A)
- Luftdurchsatz: 123 m³/h (72,48 cfm)
- Lagerung: Doppelkugellager
- Anschluss: 3-Pin Molex Stecker
- Anlaufspannung: 5V
- Nenndaten: 12V / 4,8W / 0,4A
- Kühlkörpermaterial: Kupfer / Aluminium
- Befestigung: Geschraubt
- Aufbau: 36 Lamellen / 3 x 6 mm Powder-Heatpipes
- Gesamtgröße: 115 x 88 x 71 mm
- Gesamtgewicht : ca. 880 Gramm
- Preis: ca. EUR 55,00
- Bezugsquelle:
http://www.caseking.de/
Details:
Wie bereits erwähnt, orientiert sich der Silverstone Nitrogon NT02 am inzwischen geläufigen Tower Design. Die Verbindung zwischen Grundplatte und Kühllamellen stellen drei Powder-Heatpipes mit einem Durchmesser von je 6 mm her. Diese sind allerdings nicht wie üblich so ausgeführt, dass beide Enden im Kühlprofil enden. Beim NT02 beginnen die Heatpipes an der Grundplatte und enden in den Kühllamellen. Auffällig ist auch ihre asymmetrische Aufteilung. So befindet sich auf einer Seite nur eine, auf der anderen hingegen gleich zwei der Heatpipes. Sie sind in den tiefen Nuten der Grundplatte eingelassen und werden durch einen großen Aluminiumkühlblock an der Oberseite fixiert. Die kupferne Grundplatte selbst besitzt eine Stärke von 7 mm. Die
Unterseite ist sauber verarbeitet, lediglich leichte Riefen zeugen noch von der Herstellung. Über dem Kühlprofil sitzen die auf die Heatpipes gepressten Kupferlamellen. Die Kühloberfläche wird von den 42 Lamellen mit den Abmessungen 78 x 61 x 0,3 mm gebildet. Der Abstand zwischen diesen ist mit 1,5 mm relativ knapp bemessen. Umhüllt werden diese von einem schwarzen Aluminiumkorpus. Ein nettes Detail ist der silberne "Nitrogon" Schriftzug auf dessen Oberseite. Zur Stabilisierung ist der Korpus zusätzlich am Aluminiumkühlkörper fixiert. An beiden Seiten bietet er Montagebohrungen für Lüfter des 80 mm Formats. Der mitgelieferte Lüfter stellt mit seiner einzigartigen Konstruktion eines 92 mm Lüfterrades in einem 80 mm Käfig eine echte Besonderheit dar. Der Lüfterkorpus verjüngt sich konisch von 92 mm auf 80 mm Außendurchmesser. Ein weiteres Merkmal des Lüfters ist der geschlitzte Lüfterkäfig der bisher nur bei Panaflo unter dem Begriff "Ringcage" zur Anwendung kam. Die Verarbeitung des Lüfters kann als sehr gut gelten. Das Design mit dem weißen Lüfterrad ist sicherlich Geschmacksache. Die Lüfterdrehzahl wird mittels der durchgestylten Regelung für die 3,5" Blende angepasst. Laut Herstellerangaben zwischen 1.800 und 3.600 U/min. Der Anschluss erfolgt über einen 4-Pin Stecker mit zusätzlichem Anschluss für die Drehzahlregelung. Die Lüfterdrehzahl kann über einen 3-Pin Molex Stecker ausgelesen werden. Der Gesamteindruck des Kühlers kann mehr als überzeugen. Wie schon von den Gehäusen bekannt, gefällt auch der Silverstone Nitrogon NT02 durch sein perfektes Finish.
Montage:
Die Montage des Silverstone NT02 auf dem im Test verwendeten Asus A8V Deluxe gestaltet sich relativ einfach. Zunächst wird der serienmäßige Sockel 939 Retention-Rahmen des Asus Mainboards entfernt. Nachdem der Prozessor mit Wärmeleitpaste benetzt wurde, kann der Kühler mittig darauf platziert werden. Nun werden die beiden Kunststoffbeilagscheiben auf die Lochbohrungen des Kühlers platziert. Anschließend werden die Feder-Schrauben angefädelt und wechselseitig angezogen bis ein straffer Anpressdruck erreicht ist. Im Gegensatz zum Aerocool GT-1000 kann der Lüfter bei der Montage des Kühlers am Kühlkörper befestigt bleiben. Ein Manko ist uns bei der Montage des Silverstone NT02 aufgefallen. Der Lüfter touchierte auf unserer Plattform minimal den Speicherriegel des ersten Slots. Dies war aber glücklicherweise so minimal, dass es als unbedenklich eingestuft werden konnte.
Kühlleistung:
Um die Leistung des Kühlers zu ermitteln, wird dieser nicht einfach nur auf einer offenen Kühlerprüfstation getestet, sondern praxisnah in einem speziell für Silent-Kühler zusammengestellten Testsystem. Ohne zusätzliche Gehäuselüfter und lediglich mit einem modifizierten Ultra-Silent Netzteil bestückt, werden alle Kühler in diesem System unter absolut gleichen Bedingungen betrieben. Der im Erdgeschoss befindliche Messraum bietet Sommer wie Winter optimale Testbedingungen bei nahezu gleichbleibender Umgebungstemperatur. Damit die teils filigranen Temperaturunterschiede aufgezeigt werden können, wird stets die gleiche Wärmeleitpaste verwendet. Ebenso wird großer Wert auf eine exakte Betriebsspannung des Lüfters gelegt. Daher wird diese nicht über das Mainboard selbst, sondern von einem externen Labornetzteil bezogen. Nur die Drehzahl des Lüfters wird über ein spezielles Adapterkabel vom Mainboard ausgelesen. Bei den angegebenen Temperaturwerten handelt es sich um Prozessorkerntemperaturen. Der kritische Bereich bei der im Test verwendeten Mainboard/Prozessor Kombination beginnt bei ca. 75°C. Bei der Verwendung von Gehäuselüftern nach ATX Spezifikation, stellt sich die Kühlleistung des getesteten Kühlers theoretisch um 7 bis 9°C besser dar.
Im entfesselten 12,0 Volt Betrieb offeriert der neue Silverstone NT02 eine überragende Kühlleistung und lässt sogar die beiden zum Vergleich herangezogenen Überflieger hinter sich zurück. Nach einem Blick auf die Lüfter-Drehzahlen relativiert sich der Vorsprung jedoch wieder ein wenig. Mit 3.750 U/min dreht der exotische Everflow Lüfter des NT02 deutlich höher als die der Konkurrenz, welche mit 2.200 U/min (GT-1000) bzw. 1.500 U/min (Shogun) nur minimal schlechtere Temperaturwerte erzielen. Unterm Strich kühlt der Silverstone NT02 zwar am besten, ist dafür aber deutlich lauter als die beiden Vergleichskandidaten.
Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.
Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse und arbeitsplatzkonformen Abstand - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquellen lediglich ein modifiziertes Ultra-Silent Netzteil und eine entkoppelt und gedämmte Silent-Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Kühlers nicht beeinflussen. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.
Der einzig erwähnenswerte Kritikpunkt ist das Betriebsgeräusch des exotischen Everflow Lüfters. Das eine potente Kühler/Lüfter-Combo im 12,0 Volt Betrieb meist nicht als leise einzustufen ist, ist eine Sache, aber knapp 44,0 dB(A) bei 3.750 U/min sind definitiv zu viel. Die Zeiten in der die Kühlleistung eines Kühlers mit der Drehzahl des Lüfters kompensiert wurde sind längst vorbei und der NT02 hat dies auch gar nicht nötig. Abhilfe schafft das Herunterregeln des Lüfters mit beiliegender Steuerung. Auf niedrigster Stufe (ca. 5,0 Volt) werkelt der Lüfter mit 1.600 U/min deutlich angenehmer. Erst jetzt kann man das Betriebsgeräusch mit gemessenen 26,9 dB(A) als angenehm bezeichnen. Mit etwas mehr Spielraum nach unten und weniger nach oben, wäre der Kühler optimal abgestimmt. Der sowieso herausragenden Kühlleistung hätte dies keinen Abbruch getan.
Testrechner:
- Motherboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (Chipsatz passiv)
- Prozessor: AMD Athlon 64 Winchester 3000+ (1.8 GHz / 1.4 Volt)
- Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
- Speicher: 1 GB Geil Dual Channel PC-3200 400 MHz DDR
- Grafikkarte: ATI Radeon 9700 Pro 128 MB (Aerocool VM-101)
- Festplatte: Samsung SV0802N (ichbinleise® Box HDD 10)
- Laufwerke: NEC DVD Brenner, LiteOn CD Brenner
- Gehäuse: Chieftec CS-601 (Stahlblech/geschlossen)
- Netzteil: NoiseMagic Enermax 1500 NMT-2 (Ultrasilent)
- Gehäuseventilation: keine Gehäuselüfter
- Datenträgerverbindung: Rounded-Silver-Cable
- Betriebssystem: Microsoft Windows XP Professional SP2
- Software: Motherboard Monitor, Prime 95
- Zimmertemperatur: 20°C +/- 0,5°C
Symbolphoto
Fazit:
Nach dem doch relativ spezifisch ausgelegten NT01 offeriert der taiwanesische Hersteller Silverstone mit den NT02 nun ein sehr flexibel einsetzbares Modell. Der Heatpipe unterstützte Tower-Kühler lässt sich sowohl auf aktuellen AMD als auch Intel Plattformen montieren. Das optische Erscheinungsbild kann ohne schmeicheln zu wollen als überaus gelungen bezeichnet werden. Das liegt wohl zum einen an der harmonischen Farb- und Materialwahl und zum anderen an der überragenden Verarbeitung aller Bestandteile. Das zur Zeit relativ häufig verwendete Kühlkörperlayout weicht vor allem durch die etwas andere Anordnung der 3 Heatpipes vom Standard ab. Der neuartige Lüfter aus dem Hause Everflow kann hingegen als echter Exote bezeichnet werden. Im Endeffekt ein 80 mm Lüfter mit 92 mm Lüfterblatt und Ringcage Korpus. Kombiniert sorgte das Gespann für eine herausragende Kühlleistung. Je nach Mainboardlayout fördert der Kühler die Warmluft entweder in Richtung Netzteil oder ausblasende Gehäuselüfter. Die Montage auf der im Test verwendeten Sockel 939 Plattform gestaltete sich kinderleicht. Lediglich der Speicherriegel des ersten Slots wurde leicht vom Lüfterkorpus touchiert. Mit der beiliegenden Lüftersteuerung im 3,5“-Format kann der Anwender die Drehzahl bequem von außen regeln. Der Regelbereich entspricht in etwa 5,0 bis 12,0 Volt bzw. 1.800 bis 3.800 U/min. Für unseren doch sehr kritischen Geschmack ist der Lüfter allerdings einen Tick zu laut. Für die bezüglich der Lautstärke immer kritischer denkende Anwenderschaft hätte es ruhig ein etwas leiseres bzw. leistungsschwächeres Modell sein dürfen. Der ohnehin potenten Kühlleistung hätte dies keinen Abbruch getan. In diesem Punkt ist der GT-1000 aus dem Hause Aerocool etwas ausgewogener. Letztendlich ist Silverstone mit dem zweiten Kühlermodell ein bravouröser Einstieg gelungen und man darf gespannt auf das nächste Modell sein, welches wahrscheinlich den Namen NT03 tragen wird. Schluss-Fazit: Für einen moderaten Kaufpreis von EUR 55,00 erhält der Käufer einen überragend verarbeiteten und zu dem optisch ansprechenden Towerkühler mit enormer Kühlleistung. Lediglich das insgesamt etwas zu hoch geratene Betriebsgeräusch schmälert den sonst positiven Eindruck.
Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Stefan Galow von Silverstone Deutschland.
Links zum Thema:
Silverstone [ Hersteller ]
Caseking [ Vertrieb ]
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