Vorwort:
Waren externe Festplatten vor einigen Jahren noch relativ selten auf dem Markt zu finden, so lässt sich das umfangreiche Produktspektrum neuerdings kaum mehr überblicken. In extrem kurzer Zeit gewannen die praktischen Datenspeicher eine große Anhängerschaft. Vor allem im Heimanwenderbereich finden sich unzählige Einsatzmöglichkeiten, bei denen die Vorzüge dieser Speichertechnologie zum Zuge kommen. Die kompakten Außenmaße und das geringe Gewicht laden dazu ein, auch mal größere Datenmengen zu transportieren ohne diese vorher umständlich brennen zu müssen. Die schnelle Verfügbarkeit ermöglicht es außerdem Daten die keinen unnötigen Platz auf der Hauptplatte im Rechner verbrauchen sollen - wie z.B. Bildarchive oder Datensicherungen - mal eben extern abzulegen. Da die integrierten Festplatten normalerweise auch nicht ständig in Betrieb sind, können diese so durchaus längere Betriebszeiten erreichen als die fest verbauten Datenträger im Rechner. Um einen kurzen Einblick in diesen Markt zu ermöglichen durchlaufen zwei interessante Modelle einen Praxistest. In diesem sollen ein Modell von Raidsonic - die ICY Box IB-J351UE-B-BL - und die MS01 von Silverstone ihre Fähigkeiten unter Beweis stellen. Auf dem ersten Blick ein Duell ähnlich wie zwischen einem Volkswagen und einem Alfa. Auf der einen Seite ein schlichtes zurückhaltendes Design auf der anderen Seite ein von oben bis unten durchgestylter Gegner. Aber nicht nur die Form entscheidet über Sieg oder Niederlage, auch die inneren Werte steuern hier einen großen Anteil mit bei. So verfügt die ICY Box im Gegensatz zum taiwanesischen Pendant von Silverstone neben den standardmäßigen USB 2.0 Anschluss auch über einen schnellen Firewire Anschluss. Außerdem wurde eine leuchtkräftige Rundumbeleuchtung in das unscheinbare Gehäuse integriert. Wie sich die beiden Testkandidaten geschlagen haben steht in folgendem Testbericht.
Lieferumfang:
Der Lieferumfang beider Testprobanden ist nahezu identisch. So werden beide in einer ansprechenden Kartonage mit Haltegriff geliefert. Der Aufdruck verrät neben dem Äußeren auch noch die wichtigsten Produktdetails. Im inneren finden sich die zusätzlich in Folie eingeschlagenen Festplattengehäuse. Zusätzlich liegen die benötigten Anschlusskabel, sprich USB, und im Falle der ICY Box auch Firewire, mit bei. Das zugehörige Netzteil - bei beiden identisch - darf natürlich ebenfalls nicht fehlen. Das benötige Montagematerial und -anleitung sowie eine Treiber CD komplettiert den Lieferumfang.
Raidsonic ICY Box IB-J351UE-B-BL:
Dezent in mattschwarz gehalten macht die ICY Box bereits nach dem Auspacken einen sympathischen Eindruck. Lediglich der Schriftzug und die vier mit Plexiglas verkleideten Ecken setzten zusammen mit der Verschraubung des Deckels gefällige Akzente. Die vier Seitenwände sind mit einem Lochgitter verkleidet wodurch die gesamte Konstruktion sehr luftig erscheint. Mit diesem schlichten Gewand fühlt sich das Gehäuse sowohl im Arbeitszimmer als auch im Wohnzimmer heimisch. Unauffällig fügt es sich in die jeweilige Umgebung ein. Ausstattungsseitig verfügt die ICY Box an der
Rückseite sowohl über einen USB 2.0 als auch über einen schnellen Firewire Anschluss und sollte somit alle Wünsche erfüllen können. Zusätzlich spendiert der Hersteller eine
Rundum LED Beleuchtung. Diese wird über drei blaue LEDs verwirklicht, die in Plexiglasröhren eingeklebt sind. Verstärkt wird die Leuchtwirkung über zusätzliche Umlenkspiegel die sich direkt hinter den Plexiglasröhren befinden. Die Beleuchtung ist nach dem Anschalten der externen Festplatte sofort aktiviert. Zugriffen auf die Festplatte werden durch das flackern der Beleuchtung visualisiert. Mag dieses Feuerwerk zu Beginn noch ganz witzig erscheinen, so vermisst man mit zunehmender Betriebsdauer einen separaten Schalter um diese vielleicht doch zu deaktivieren. Besonders in abgedunkelten Räumen kann das fortlaufende flackern schnell störend auffallen. Zu lösen ist dies nur in dem man den für die Stromzufuhr zuständigen Stecker von der Platine abzieht. Die Festplattenmontage bereitet keinerlei Schwierigkeiten. Aufgrund der Platzverhältnisse und der leichtgängigen Stecker läuft der Einbau sehr entspannt ab. Nach dem Anschließen des
Strom- und Datenkabels wird der Datenträger von außen mit vier Schrauben an der Unterseite der Box befestigt. Anschließend den Deckel mit den vier großen Rändelschrauben befestigen, und schon ist die ICY Box betriebsbereit. Mit dem mitgelieferten
transparenten Standfuß lässt sich die Festplatte nicht nur liegend sondern auch Platz sparend hochkant betreiben. Bei der Ermittlung der
Transferraten konnte sich der Firewire-Anschluss deutlich vom USB 2.0 absetzten. Zumal die
Transferraten beim Test des USB-Anschlusses reproduzierbar einbrachen.
Silverstone MS01:
Ganz anders als die eher unauffällige ICY Box kommt das neue externe Festplattengehäuse von Silverstone daher. Wie schon von den Computergehäusen her bekannt legen die Taiwanesen auch hier sehr großen Wert auf ein ansprechendes Äußeres. Der gebürstete Aluminiumkorpus mit den beiden verschraubten Abdeckungen an Vorder- und Hinterseite ist ein echter optischer Leckerbissen. In der Mitte des Hauptkörpers prangt ein eingelassenes
Silverstone-Logo das links und rechts von langen Entlüftungsöffnungen eingefasst wird. Die Vorderseite verfügt über einen großen mit Meshgitter verkleideten Lufteinlass. Darüber und darunter sitzt je eine LED die zum einen den Betriebszustand und zum anderen die Festplattenaktivität anzeigen. An der
Rückseite findet sich der USB 2.0 sowie der Stromanschluss. Eine umlaufende Fase an der Vorder- und Rückseite unterstreicht den Designanspruch der gesamten Box zusätzlich. Um an die Eingeweide des Festplattengehäuses zu gelangen muss kurz zum Werkzeug gegriffen werden. Nach dem Entfernen der beiden Schrauben an der Front lässt sich die MS01 in zwei Teile auseinander ziehen. Ein Teil besteht aus dem Aluminiumkorpus inklusive der rückwärtigen Abdeckung, der andere Teil ist die Frontplatte mit einem daran befestigten Aluminiumchassis. Dieses dient zum einen als Festplattenaufnahme und zum anderen als Aufnahme für die Controllerplatine. Hinter der Frontplatte sitzt auch der Grund für die als Lufteinlass ausgelegt Front. Ein kleiner
30mm Lüfter soll die Festplatte im Betrieb mit Frischluft versorgen. Die beiden großen Einzelteile werden spielfrei über Nut und Feder ineinander geführt. Das Anstecken der Festplatte geschieht genauso unkompliziert wie bei der ICY Box. Nur das Befestigen des Datenträgers ist mit sechs Schrauben etwas aufwändiger. Was beim anschleißend Zusammenbau auffällt ist, dass sich die Aluminiumaufnahme aufgrund der etwas
mangelnden Passgenauigkeit leicht verzeiht und somit das einfädeln der Nut in die Feder nicht mehr ganz so einfach fällt. Zusätzlich erschwerend kommt hinzu, dass das IDE-Kabel leicht am Aluminiumkorpus anliegt und den Kraftaufwand beim Zusammenschieben zusätzlich erhöht. Nach dem Zusammenschrauben ist das Festplattengehäuse einsatzbereit. Leider hat es Silverstone versäumt eine passende Halterung zu entwerfen, weshalb die Box nur liegend betrieben werden kann. Im
Transferratentest kann sich die MS01 knapp vor die ICY Box setzten. Natürlich nur beim direkten Vergleich USB gegen USB. Dem Firewire-Port hat die Silverstonebox nichts entgegen zu setzten.
Kühlleistung:
Um eine vergleichbare Auslastung und somit analoge Temperaturen zu ermitteln, wurden beiden Festplattenboxen mit der selben Festplatte bestückt. Die Samsung SP2014N stellt mit ihren 7.200 U/min und 200GB Kapazität eine durchaus gängige Platte für den externen Einsatz dar. Bei beiden Kontrahenten wurden sowohl die Temperaturen im Leerlauf als auch nach mehrstündiger Auslastung aufgenommen. Die ermittelten Temperaturen bestätigen beiden Festplattengehäusen eine angemessene Abfuhr der durch die Festplatte entwickelten Wärme. In keiner der beiden Boxen erreichte die Platte bedenkliche Temperaturen. Aufgrund des Zusatzlüfters liegt die Silverstone MS01 erwartungsgemäß mit 35°C vorne. Selbst nach dem Lasttest hatte sich die Platte nur unmerklich auf 36°C erwärmt. In der ICY Box geht es etwas wärmer zu. Die 40°C im Leerlauf und 42°C nach mehrstündigen Schreibvorgängen sind aber alles andere als kritisch. Das Silverstone Produkt erreicht ohne den Zusatzlüfter ähnliche Temperaturen die nur knapp 1°C über denen der ICY Box liegen. Beide Gehäuse profitieren hierbei sicherlich vom offenen Design auf der einen Seite und vom großzugigen Einsatz von Aluminium auf der anderen Seite. Des Weiteren wirkt sich hier eine geschickte Wahl der Festplatte ebenfalls positiv auf die zu erwartenden Temperaturen aus. So können Platten mit einer höheren Leistungsaufnahme deutlich wärmer werden als die von Haus aus relativ kühle Samsung. Ebenso wirkt sich die Raumtemperatur auf die Temperatur des internen Datenträgers aus. Ganz abgesehen davon, was z.B. eine Platzierung in der prallen Sonne für Folgen hätte.
Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.
Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel der Festplattengehäuse im arbeitsplatzkonformen Abstand bewertet. Dazu werden diese an einen speziellen Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers angeschlossen, dessen andere Schallquellen lediglich ein modifiziertes Ultra-Silent Netzteil und eine entkoppelt und gedämmte Silent-Harddisk sind, welche das Schallgeschehen der Festplattenboxen nicht beeinflussen. Die in der Tabelle "idle" und "load" genannten Messwerte entsprechen dem Leerlauf- und Zugriffsgeräusch der Testplatte.
Beim direkten Vergleich der ICY Box und der Silverstone MS01 geht das Produkt von Raidsonic als Sieger hervor. Sowohl im Leerlauf aus auch beim Zugriff auf die Festplatte ist die ICY Box dem Kontrahenten deutlich überlegen. Hier trennen die beiden jeweils knappe 3,5 dB(A). Das Blatt wendet sich allerdings etwas, wenn der Lüfter der Silverstonebox deaktiviert wird. Nun kann sich die MS01 mit 27,7 dB(A) knapp vor die mit 28,4 dB(A) gemessene ICY Box schieben. Was subjektiv auffällt ist, dass sich beide Gehäuse im Leerlauf nur geringfügig von einander unterscheiden. Vorausgesetzt der Lüfter der MS01 dreht sich nicht. Die Zugriffsgeräusche fallen im Silverstonegehäuse jedoch immer deutlich stärker aus als in der die ICY Box, die durch die mitgelieferten Schaumstoffaufkleber einen Teil der Festplattenschwingungen verpuffen lassen kann. Das Aluminiumgehäuse der MS01 Resonanzen scheint diese stärker an die Umwelt abzugeben. Leider geht der integrierte 30 mm Lüfter nicht ganz so unauffällig zu Werke wie es die Silverstonewerbung verspricht. Zwar ist hier kein extrem störendes Exemplar verbaut, dennoch lässt sich der Nachteile des hohen Betriebsgeräusches nur schwer verbergen.
Testrechner:
- Motherboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (Chipsatz passiv)
- Prozessor: AMD Athlon 64 Venice 3000+ (2.2GHz/1.65V)
- Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
- Speicher: 1 GB MDT Dual Channel PC-3200 400 MHz DDR
- Grafikkarte: Gigabyte GV-N68128DH GeForce 6800 128MB
- Festplatte: Samsung SP1204N (ichbinleise® Box HDD 10)
- Laufwerk: NEC ND-3540A DVD-Brenner
- Gehäuse: Chieftec CS-601 (Stahlblech/geschlossen)
- Netzteil: 353 Watt Enermax 120 mm Yate Loon (Ultra-Silent Mod)
- Gehäuseventilation: keine Gehäuselüfter
- Datenträgerverbindung: Rounded-Cable
- Betriebssystem: Microsoft Windows XP Professional SP2
- Software: Motherboard Monitor, Prime 95
- Zimmertemperatur: 20°C +/- 0,5°C
Fazit:
In diesem Test begegnen sich zwei sehr unterschiedliche Kandidaten. Auf der einen Seite die eher unscheinbare ICY Box, die im eingeschalteten Zustand nur mit ihrer blauen Beleuchtung auf sich aufmerksam macht, und auf der anderen Seite die durchgestylte Silverstone MS01, die aus ihren optischen Reizen keinen Hehl macht und sie offen zur Schau stellt. Erscheint die ICY Box auf dem ersten Blick vielleicht der MS01 unterlegen, so zeigt sie dieser doch aufgrund ihres Firewire-Anschlusses wo der Bartel den Most holt. Und auch die Montage geht hier etwas leichter, da mit weniger Werkzeugaufwand verbunden, von der Hand. Zumal die Silverstonebox hier mit leichten Passungenauigkeiten patzt. Auch bei der Geräuschmessung kann sich das Festplattengehäuse von Raidsonic vor der asiatischen Konkurrenz platzieren. Zwar ist der verbaute Zusatzlüfter in der MS01 nicht übermäßig laut, jedoch bietet diese auch keinerlei Möglichkeit die Festplattenvibrationen zu dämpfen. Aber bevor hier der Anschein entsteht, die MS01 wäre der ICY Box in jeder Hinsicht unterlegen, sollen auch deren Qualitäten nicht ungenannt bleiben. So muss zu allererst natürlich das fantastische Design des Festplattengehäuses erwähnt werden. Die Silverstonedesigner beweisen in dieser Hinsicht immer wieder ein perfektes Händchen. Auch kann die MS01 die ICY Box im USB-Transferratentest schlagen. Zu guter letzt sorgt der kleine Zusatzlüfter für bestes Klima im Inneren des Festplattengehäuses ohne dabei übermäßig Lärm zu verursachen. Schnellere und heißere Festplatten sollten also in der Silverstonebox weniger Sorgen bereiten als in der ICY Box. Aufgrund des besseren Preisleistungsverhältnisses geht der Redaktionstipp jedoch an die ICY Box. Der mit EUR 44,90 annehmbare Preis verschafft dem Gehäuse einen deutlichen Punktevorsprung im Vergleich zum EUR 54,90 teuren Silverstone Pendant.
Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung der Testsample gilt Herrn Stefan Galow von Silverstone Deutschland, sowie Herrn Richard Lerch von MR Computertechnik.
Links zum Thema:
ichbinleise [ Vertrieb ]
Silverstone [ Hersteller ]
|