Silent Case Roundup

Silent Case Roundup

Vorwort:
Obwohl die mechanische Festplatte im Laufe der Zeit immer leiser geworden ist, stellt sie sich meist als lauteste Schallquelle im leisen Komplett-System heraus. Ihre Geräuschcharakteristik hängt stark von der Geschwindigkeit und der implementierten Technologie ab. Bei Festplatten mit 5400 Upm reicht eine herkömmliche Entkopplungen in der Regel noch aus, um ein angenehmes Geräuschniveau zu realisieren. Das hochfrequente Laufgeräusch von Festplatten mit 7200 Upm kann leider auch durch diese Beruhigungsmaßnahme kaum gemindert werden. Aber auch bei dieser Problemstellung versprechen einige Hersteller wirkungsvoll Abhilfe. Das Zauberwort heißt Festplatten-Dämmgehäuse. Dabei wird die Festplatte in ein abgekapseltes Gehäuse separiert und - je nach Modell - zusätzlich durch Schalldämmung und Schwingungsdämpfung geräuschoptimiert. Das allgemeine Problem dieser Festplatten-Dämmgehäuse besteht darin, dass ein 5 1/4" Schacht bei deren Verwendung verloren geht und die Festplatte nicht mehr im optimalen Luftstrom des Gehäuses liegt. Diese Nachteile umgeht der Hersteller Deltatronic geschickt mit einem speziellen Festplattenkäfig. Mit dieser recht einfachen aber wirkungsvollen Konstruktion ist man in der Lage gleich zwei Festplatten-Dämmgehäuse im optimalen Luftstrom zu betreiben ohne auf einen 5 1/4" Laufwerksschacht verzichten zu müssen. Leider lässt sich der Festplattenkäfig nicht einzeln erwerben und dient daher nur als Anregung für den ambitionierten Hobbyisten. Ob sich der Kauf eines recht kostspieligen Festplatten-Dämmgehäuses lohnt, soll der Test dreier vergleichbarer Produkte für Festplatten im 3 1/2" x 1" Format aufzeigen.

SilentDrive:
Das SilentDrive wurde mir freundlicherweise von PCSilent zur Verfügung gestellt. Es besteht aus einem schwarzen Kunststoffgehäuse und ist im Inneren mit einer speziellen 2-Komponenten-Schalldämmung ausgekleidet. Um die Abwärme der Festplatte aus dem komplett gekapselten Gehäuse zu führen, kommen zwei große Aluminiumplatten zum Einsatz. Eine direkte Verbindung zum Gehäuse ist daher aus kühlleistungstechnischer Hinsicht von Vorteil. Silent Systems verzichtet aufgrund der umfangreichen Beruhigungsmaßnahmen auf eine zusätzliche Entkopplung mittels Gummi-Schwingungsdämpfern, wodurch kaum mit einer Minderung der Zugriffszeit zu rechnen ist. Alle Festplatten mit 5400 Upm können laut Hersteller bedenkenlos eingesetzt werden. Bei den schnelleren Festplatten mit 7200 Upm handelt es sich immer um eine Einzelfallentscheidung. Deshalb sollte man sich vor dem Kauf anhand der Kompatibilitätsliste vergewissern, ob die eigene Festplatte für den Betrieb im SilentDrive freigegeben ist. Ein im Lieferumfang enthaltener Teststreifen ermöglicht auch ohne Smart-fähige Hardware die Kontrolle der Temperatur. Die Montage der Festplatte bzw. des SilentDrive kann auch ohne fachmännische Kenntnisse problemlos durchgeführt werden. Lediglich das Verschließen des Kunststoffdeckels gestaltet sich durch die herausragenden Kabel etwas knifflig und erfordert allerhand Geduld. Der Einsatz von Rundkabeln ist durch diesen Umstand leider nur bedingt möglich. Die ausführlich gehaltene und zu dem bebilderte Installationsanleitung kann direkt bei PCSilent als PDF-Dokument heruntergeladen werden. Die Verarbeitungsqualität kann man im Allgemeinen als recht ordentlich bezeichnen. Das SilentDrive wird von Silent Systems Inc. in Burlington hergestellt und von PCSilent zu einem derzeitigen Preis von EUR 38,95 vertrieben.

Spezifikationen:
  • Hersteller: Silent Systems Inc.
  • Modell: SilentDrive
  • Material: Kunststoff / Aluminium
  • Farbe: schwarz / silber
  • Schalldämmung: ja
  • Geruch: neutral
  • Gesamtgröße: ca. 175 x 147 x 42 mm
  • Gesamtgewicht: ca. 550 g
  • Preis: EUR 38,95
  • Vertrieb: PCSilent

Silentium HDDC 01:
Der für leise Komplett-Systeme mit Heatpipe-Technologie bekannte Hersteller Deltatronic, offeriert mit dem Festplatten-Dämmgehäuse Silentium HDDC 01 seine erste einzeln erhältliche Komponente. Der Bausatz besteht im wesentlichen aus zwei große Rippenprofil-Kühlkörpern und zwei ebenfalls aus Aluminium gefertigten Seitenteilen. Auf der Innenseite dieser Bauteile befindet sich eine geruchsneutrale Dämmfilzbeschichtung. Für eine effektive Entkopplung vom Gehäuse sorgen jeweils zwei Gummi-Schwingungsdämpfer zwischen Seitenwand und Montageschiene. Lediglich an der Anschluss-Seite bleibt die Festplatte ungedämmt. Anhand beiliegender Montageanleitung ist der Bausatz auch vom penibelsten Anwender binnen weniger Minuten erfolgreich zusammengesetzt. Optisch betrachtet, macht das Produkt einen sehr ansprechenden Eindruck, was unter anderem der hohen Bauteile-Qualität zu verdanken ist. Die Rippenprofil-Oberfläche erweckt beim Betrachter den Eindruck, dass die Verwendung des Silentium HDDC 01 zu einer niedrigeren Temperaturentwicklung gegenüber der serienmäßig belassenen Festplatte führt. Diese optische Einschätzung dürfte sich allerdings als Trugschluss entpuppen. Denn trotz geringer Stärke von zirka einem Millimeter wirkt die Dämmfilzbeschichtung leicht isolierend und hemmt die optimale Wärmeübertragung von Festplatte zu Gehäusekorpus. Unterm Strich macht das Produkt einen gelungenen Eindruck, der durch die Verwendung des leider nicht einzeln erhältlichen Festplattenkäfigs aus eigenem Hause noch an Bedeutung gewinnen würde. Das Silentium HDDC 01 Festplatten-Dämmgehäuse wird von Deltatronic hergestellt und zu einem derzeitigen Kaufpreis von EUR 57.- vertrieben.

Spezifikationen:
  • Hersteller: Deltatronic
  • Modell: Silentium HDDC 01
  • Material: Aluminium / Dämmfilz
  • Farbe: schwarz
  • Schalldämmung: ja
  • Geruch: neutral
  • Gesamtgröße: ca. 155 x 146 x 42 mm
  • Gesamtgewicht: ca. 600 g
  • Preis: EUR 59.-
  • Vertrieb: Deltatronic

FEK-I:
Zuerst möchte ich mich bei Frozen-Silicon für die Bereitstellung des FEK-I aus dem Hause LEY bedanken. Wolfram Ley beschäftigt sich bereits seit vielen Jahren intensiv und erfolgreich mit der Umsetzung innovativer Ideen, die zu einer deutlichen Senkung der Geräuschemission von Computern führen. Durch den seit 1997 in ähnlicher Bauart erhältlichen Festplatten-Entkopplungs-Kühlkörper - kurz FEK - gilt er als Pionier in diesem Segment. Auf den ersten Blick macht das Produkt einen sehr ausgereiften und durchdachten Eindruck. Der überragend verarbeitete Gehäusekorpus aus Aluminium lässt Parallelen zum Design einer Auto-Endstufe erkennen. Wie beim Signalverstärker sorgt auch hier die große Oberfläche mit Rippenprofil-Struktur für die nötige Kühlung. Für eine wirkungsvolle Entkopplung vom Gehäuse sorgen Gummi-Schwingungselemente an den Seitenteilen, sowie eine Schaumstoffunterlage zwischen Festplatte und Korpus. Damit ausreichend viel Luft um die Festplattenelektronik zirkulieren kann, lassen sich individuell vorperforierte Fenster der Schaumstoffunterlage heraus trennen. Für den sicheren Sitz der Festplatte sorgt eine Fixierspange, die hinter der Festplatte in den Korpus einrastet. Die Montage geht kinderleicht von der Hand und ist in weniger als zehn Minuten erfolgreich vollbracht. Die vorbildliche Anleitung enthält neben ausführlichen Montagehinweisen und Bildern auch einige interessante Tipps. Ein optischer Leckerbissen, der den Jäger und Sammler Instinkt auf eine harte Probe stellt. Die Verarbeitungsqualität ist State-of-Art! Der FEK-I wird von LEY hergestellt und kann zu einem derzeitigen Kaufpreis von EUR 57.- bei Frozen-Silicon erworben werden.

Spezifikationen:
  • Hersteller: LEY
  • Modell: FEK-I
  • Material: Aluminium / Schaumstoff
  • Farbe: schwarz
  • Schalldämmung: ja
  • Geruch: neutral
  • Gesamtgröße: ca. 170 x 146 x 40 mm
  • Gesamtgewicht: ca. 600 g
  • Preis: EUR 57.-
  • Vertrieb: Frozen-Silicon

Performance:
Damit der Schreib-Lese-Kopf der Festplatte optimal arbeiten kann, benötigt er eine starre Aufhängung. Ansonsten kommt es zu Performanceverlust bedingt durch längere Zugriffszyklen. Hier muss der Hersteller den optimalen Kompromiss zwischen ausreichender Entkopplung und starrer Aufhängung finden. Die Zugriffszeiten der Festplatte werden mit dem Programm HD-Tach in der Version 2.61 ausgelesen. Als Prüfstein dieser Disziplin kommt eine 80 GByte IBM Deskstar 120GXP mit 7.200 Upm zum Einsatz. Als Erstes wird die Zugriffszeit der serienmäßig belassenen Festplatte - montiert im 3 1/2" Laufwerksschacht - ermittelt. Anschließend wird nacheinander die Performance unter Verwendung aller drei Testkandidaten im 5 1/4" Laufwerksschacht eruiert. Um aussagekräftige Werte offerieren zu können, werden alle Messungen jeweils 10 x durchgeführt und anschließend gemittelt.

Ein ebenfalls wichtiger Punkt dieser Kategorie ist die Temperaturentwicklung der Festplatte. Die teilweise isolierende Wirkung der verwendeten Materialen bzw. Konstruktionen, führt unweigerlich zu einem Anstieg der Festplattentemperatur. Aus diesem Grund wird die Temperaturentwicklung der Festplatte in Verbindung mit den einzelnen Dämmgehäusen bei durchschnittlicher Festplattenauslastung gemessen. Als Gehäuse kommt das weitverbreitete Chieftec CS-601 mit einer Silent-Anwender-typisch schwachen Gehäuseventilation zum Tragen. Dabei wird größter Wert auf eine gleichbleibende Gehäuse- und Zimmertemperatur gelegt. Dank Smart-fähiger Hardware können sehr exakte Werte über ein Software-Tool ermittelt werden.

Was die Zugriffszeiten betrifft, führte keines der getesteten Modelle zu Performanceverlust der Festplatte. In Punkto Festplattentemperatur wurde - bedingt durch die unterschiedlichen Konstruktionen - ein Temperaturanstieg von bis zu 15% gegenüber der serienmäßig belassenen Festplatte festgestellt. Die erhöhten Temperaturen liegen beim verwendeten Testrechner aber noch absolut im grünen Bereich und können als unbedenklich eingestuft werden. Der LEY FEK-I kann in dieser Kategorie die meisten Plus-Punkte sammeln.

IBM Deskstar 120GXP

Typ:

Temperatur:
Zugriffszeit:
Standard
36 ° C
10.5 ms
FEK-I
39 ° C
10.6 ms
Silentium HDDC 01
40 ° C
10.7 ms
SilentDrive
42 ° C
10.6 ms

Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfaßbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.

Um den Geräuschpegel der Festplatte ermitteln zu können, wird ein spezieller Testrechner aufgebaut. Dieses besteht lediglich aus einem offenen Standard-Stahlblech-Gehäuse und dem lüfterlosen Silentium Netzteil. Als Festplatte fungiert eine 30 GByte Maxtor Diamond Max 60 7.200 Upm mit einem unverschämt hochfrequenten Betriebsgeräusch. Ermittelt wird der Schallpegel mit dem Engelke Sweeper Revision 1.3 nach unten stehender Messanordnung. Als Vergleichswert dient der Schallpegel der Festplatte ohne Entkopplung - im 3 1/2" Schacht montiert. Messtechnisch - sowie subjektiv beurteilt - konnte eine deutliche Schallpegelreduktion durch die Verwendung aller Festplatten-Dämmgehäuse festgestellt werden. Das extrem hochfrequente Laufgeräusch der speziell für diesen Fall verwendeten Maxtor Festplatte wurde aber von keinem der getesteten Kandidaten auf das erhoffte Maß reduziert. Das SilentDrive kann in dieser Kategorie - wenn auch mit knappen Vorsprung - die meisten Plus-Punkte sammeln.

Maxtor Diamond Max 60

Typ:

Schallpegel:
SilentDrive
28,7 dB(A)
FEK-I
29,1 dB(A)
Silentium HDDC 01
29,5 dB(A)
Standard
31,9 dB(A)

Fazit:
Es war schon immer etwas teurer einen besonderen Geschmack zu haben. Die teils doppelt so teuren Anschaffungskosten der Festplatten-Dämmgehäuse gegenüber herkömmlichen Entkopplungen, sind auf den höheren Materialeinsatz zurück zu führen. In diesem Preis-Segment sind die Unterschiede aber nur noch von filigraner Art. Der allgemeine Vorteil von Festplatten-Dämmgehäusen gegenüber herkömmlichen Entkopplungen liegt daher mehr in der Reduktion des hochfrequenten Schallpegels. Auch wenn hier bei allen drei Kandidaten nur befriedigend bis gute Ergebnisse erzielt wurden. Eine leise Festplatte ist daher Grundvoraussetzung, um in Kombination mit einem Festplatten-Dämmgehäuse für ein kaum wahrnehmbares Betriebsgeräusch zu sorgen. Daher Augen auf beim Festplattenkauf. Ist erst mal ein lautes Drive gekauft, können die getesteten Beruhigungsmaßnahmen auch kein Wunder mehr vollbringen. Neben der optimalen Abkapselung und Entkopplung der Festplatte vom Gehäuse, spielt auch die Einstellung des Acoustic-Managements eine bedeutende Rolle. Erkundigen Sie sich daher beim Festplatten-Hersteller, ob er diesbezüglich Software-Tools zum Download anbietet. Wer höchsten Wert darauf legt, auch geringste Geräuschemissionen zu vermeiden, sollte nur eine Festplatte mit großer Kapazität anstatt zwei kleinerer verwenden. Inwiefern sich die elektronische und somit lautlose Festplatte im Laufe der Zeit am Markt positionieren wird, steht noch in den Sternen. Zum momentanen Zeitpunkt kann sie unter anderem wegen der hohen Anschaffungskosten und niedrigen Kapazität nicht als direkte Konkurrenz betrachtet werden.

Links zum Thema:
Deltatronic [ Hersteller ]
Frozen-Silicon [ Vertrieb ]
LEY-ECD GmbH [ Hersteller ]
PCSilent [ Vertrieb ]

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