Vorwort:
Die junge Firma
Sharkoon hat sich durch ihr stetig wachsendes Produktspektrum innerhalb kürzester Zeit einen hohen Bekanntheitsgrad erworben. So findet sich angefangen vom Acryl-Gehäuse über Multimedia- und Modding-Zubehör bis hin zu eigenen Netzteilen so ziemlich alles was das Herz eines jeden PC-Liebhabers höher schlagen lässt. Aber auch der Bereich "Silent PC" wird von den Taiwanesen bedient. Neben Festplatten-Entkoppler befindet sich auch eine umfassende Lüfter-Serie im Programm, von denen der Sharkoon SilentFan SL 3 Ultrasilent bereits im Lüftertest unserer Kollegen von Silenthardware.de überzeugen konnte. Als Neuheit wurde die Silent Eagle Lüfter Serie der Welt präsentiert. Getreu dem Firmenmotto „wir folgen keinen Trend, sondern setzen sie“ könnte die neue Lüftergeneration frischen Wind in die Lüfterindustrie bringen. Sharkoon experimentiert hier allerdings nicht im Bereich der Lüftermotoren, sondern stellt u.a. eine neue Oberflächenform der Lüfterblätter als die Innovation vor. Angelehnt an das Design von Golfbällen finden auch die so genannten "
Dimples" Anwendung und verleihen den Lüfter so eine unverwechselbare Gestalt. Von der neuen Oberflächenbeschaffenheit verspricht sich Sharkoon einen verbesserten Luftdurchsatz bei gleicher Drehzahl. Zusätzlich wurden die Lüfterblätter und der Lüfterkäfig strömungsgünstig abgerundet, wodurch Verwirbelungen minimiert werden sollen. Der Test des Modells mit 1000 U/min soll hier stellvertretend für die Silent Eagle Serie aufzeigen, ob die Versprechen Sharkoons nicht nur heiße Luft sind.
Lieferumfang:
Ansprechend in einer Blisterverpackung ausgeliefert, hinterlässt der Sharkoon Silent Eagle 1000 bereits auf Anhieb einen guten Eindruck. Aber auch beim Lieferumfang lässt sich Sharkoon nicht lumpen. So liegen dem eigentlichen Lüfter ein universelles Anschlußkabel mit 3- auf 4-Pin Adapter und zusätzlicher Tachosignalleitung, vier Lüfterschrauben und lobenswerterweise auch vier Gummislics zum entkoppeln bei. Die richtige Anwendung dieser ist zusätzlich in einer kleinen Anleitung erläutert. So sollte beim Einbau auch garantiert nichts schief gehen.
Technische Daten:
- Hersteller: Sharkoon
- Modell: Silent Eagle 1000
- Lüftergröße: 80 x 80 x 25 mm
- Drehzahl: 1000 U/min
- Schallpegel: 8,9 dB(A)
- Luftdurchsatz: 19,3 m³/h (11,35 CFM)
- Lagerung: Gleitlager
- Anschluss: 3-Pin Molex Stecker
- Nenndaten: 12V / 1,44W
- Preis: ca. EUR 9,90
- Bezugsquelle:
Hardware-Rogge
Details:
Die wichtigste technische Innovation des Lüfters springt einem bereits auf den ersten Blick ins Auge. Die Lüfter der Silent Eagle Serie können wohl als ein typischer Fall von „das Hobby zum Beruf gemacht“ gelten. So wurde die Idee, die sieben Lüfterblätter des Lüfterrades mit so genannten „Dimples“ zu versehen, wohl bei einer Runde Golf geboren. So ähneld die Oberflächenstruktur der Lüfterblätter der von Golfbällen, von welchen das Design adaptiert wurde. Bei Golfbällen reduzieren diese Grübchen den Druckwiderstand, so dass diese bis zu viermal weiter mit stabilisierter Flugbahn fliegen. Sharkoon verspricht sich einen verbesserten Luftdurchsatz bei gleicher Drehzahl. Durch den geringeren Luftwiderstand sollen Luftverwirbelungen geringer ausfallen und somit der Lüfter deutlich leiser rotieren. Die eigentliche Lüfterblattgeometrie erinnert stark an die eines bekannten deutschen Herstellers. Aber auch bei der Verbesserung des Lüfterkäfigs orientierte man sich wohl am deutschen Vorbild. Sowohl saug- als auch druckseitig wurden die Kanten des Käfigs verrundet. Luftverwirbelungen sollen so ebenfalls möglichst gering gehalten werden. Ein weiteres, nicht ganz alltägliches Detail stellt die Ummantelung der Anschlusskabel dar. Allgemein bewegt sich die gesamte Verarbeitung des Lüfters auf recht hohem Niveau.
Kühlleistung:
Um die Leistungsfähigkeit der Lüfter/Kühler-Combos zu ermitteln, werden diese nicht einfach nur auf einer offenen Kühlerprüfstation getestet, sondern praxisnah in einem speziell für Silent-Kühler aufgebauten System. Ohne zusätzliche Gehäuselüfter und lediglich mit einem Ultra-Silent Netzteil bestückt, werden alle Lüfter in diesem System unter exakt gleichen Bedingungen getestet. Der gut isolierte Messraum befindet sich im Erdgeschoss und bietet im Sommer sowie im Winter optimale Testbedingungen bei gleich bleibender Umgebungstemperatur. Damit die teils filigranen Temperaturunterschiede aufgezeigt werden können, wird stets die gleiche Wärmeleitpaste verwendet. Die angegeben Temperaturwerte wurden mittels eines neben der Prozessor-Die befestigten Temperaturfühler aufgenommen. So beginnt der kritische Bereich bei der im Test verwendeten Mainboard/Prozessor Kombination erst bei etwa 85°C.
Sharkoon verspricht in der Werbung für den Silent Eagle einen verbesserten Luftdurchsatz. Dies sollte sich eigentlich in Form einer verbesserten Kühlleistung auswirken. Um die Aussage zu überprüfen muss sich der Silent Eagle am Urgestein
Papst 8412 N/2GL und dem
ichbinleise®-Fan 1000 blue messen. Um vergleichbare Ergebnisse zu erhalten wurden die Konkurrenten in ihrer Drehzahl soweit reduziert, dass sie mit dem Sharkoon in einer Liga spielen. Neben einer Messung mit 1000 1/min wurden ebenfalls die Werte bei einer Drehzahl von lediglich 600 1/min aufgenommen. Als Kühlkörper für alle drei Kandidaten kam der
Thermalright AX-7 zum Einsatz.
Anhand der Messergebnisse zeigt sich deutlich, dass sich die drei Lüfter nicht viel geben. Der Sharkoon kann sich also trotz innovativer Technik nicht von seinen Mitstreitern absetzten. Sowohl mit 12 Volt als auch mit 7 Volt betrieben liegen die Differenzen eher im Bereich der Messgenauigkeit als dass ein wirklich klarer Sieger in der Kategorie Kühlleistung gekürt werden könnte. Aufgrund der niedrigen Drehzahlen und des recht betagten Kühlkörpers des AX-7 liegen die gemessen Temperaturen natürlich auf recht hohem Niveau. Der angeblich verbesserte Luftdurchsatz konnte also in der Praxis nicht wirklich bestätigt werden.
Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.
Für die Schallpegelmessung der Lüfter wurde nicht die sonst übliche, genormte Messanordnung angewandt. Um auch die geringen Unterschiede der einzelnen Lüfter zu einander aufzunehmen, wurde der Abstand zwischen Lüfternabe und Mikrofon auf 5 cm festgelegt. Natürlich verursachen so bereits sehr geringe Unterschiede in der Lautstärke zu ungewohnt großen Ausschlägen auf der Messskala. Um störende Resonanzen die durch Vibrationen der Lüfter auf einer harten Unterlage entstehen zu vermeiden, wurden diese für diese Messung auf einer weichen Unterlage platziert. Messwerte sind daher nicht mit den Ergebnissen älterer Tests zu vergleichen. Die Werte dienen daher lediglich zum Vergleich der einzelnen Kandidaten untereinander.
Sharkoon scheint geräuschtechnisch mit dem Silent Eagle einen echten Glücksgriff getätigt zu haben. Bereits auf 12 Volt ist der Lüfter subjektiv tatsächlich kaum zu hören, um bei einer Drehzahlreduzierung auf 600 U/min schon fast in den Hintergrundgeräuschen der Testumgebung unterzugehen. Der Lüftermotor überzeugt durch seine Unauffälligkeit. Kein Klackern, kein Brummen war dem Motor zu entlocken. Die vom Hersteller versprochenen Angaben von lediglich 8,9 dB(A) können wir uns allerdings bei einer praxisorientierten Messanordnung nicht wirklich erklären. Obwohl der Papst 8412 N/2GL aus Sicht der Messwerte dem Silent Eagle kaum nachsteht, ist er doch subjektiv deutlicher wahrzunehmen. Dies liegt vor allem an den vom Motor stammenden Klackern und Brummen. Durch die Entkopplung aufgrund der untergelegten Schaumstoffmatte treten diese aber nur noch stark gedämpft auf. Der ichbinleise®-Fan 1000 blue fällt zu seinen beiden Mitstreitern etwas ab. Der große Abstand lässt sich zum großen Teil durch den geringen Messabstand erklären. Subjektiv tritt der blaue Lüfter in diesem Vergleich am deutlichsten auf. Aber auch trotz der leisen, vom Motor stammenden Schleifgeräusche wirkt der ichbinleise®-Fan 1000 blue nicht störend oder gar laut.
Testrechner:
- Mainboard: Shuttle AN35N Ultra (passiv)
- Prozessor: AMD Athlon XP 2500+ Barton @ 1.35 Volt
- Kühler: Thermalright AX-7
- Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
- Arbeitsspeicher: 2 x 512MB MDT DDR400 PC-3200 CL2.5
- Grafikkarte: Radeon 9500 Pro 128MB (passiv @ Aerocool VM-101)
- Festplatte: Samsung SP1203N (ichbinleise® HDD 20)
- Gehäuse: Compucase 6920 (Stahlblech, geschlossen)
- Gehäuseventilation: keine (Gehäuselüfter nicht angeschlossen)
- Laufwerke: NEC ND-1300A DVD-Brenner
- Datenträgerverbindung: Rounded Silver Cable
- Betriebssystem: MS Windows XP Professional SP2
- Software: Motherboard Monitor, Prime 95
- Zimmertemperatur: 20,0°C (Abweichung < 0,5°C)
Symbolfoto
Fazit:
Auch wenn der 80er Lüfter im Silent Bereich kaum mehr Anwendung findet, bringt Sharkoon mit dem Silent Eagle 1000 einen Neuentwurf dieses Themas auf den Markt. Eine neuartige, an Golfbällen angelehnte Oberflächenstruktur soll den Lüftern dieser Baureihe einen Vorteil verschaffen. Zusätzlich ist von einem Schallpegel von sagenhaften 8,9 dB(A) die Rede. Auch wenn der Sharkoon-Lüfter es nicht schafft, alle Versprechen einzulösen, so wurde hier doch ein außergewöhnlich gutes Produkt geschaffen. Die Kühlleistung ist zwar nur auf dem Niveau der Konkurrenz, aber hinsichtlich der Geräuschentwicklung spielt der Silent Eagle 1000 in der Top-Liga ganz vorne mit. Die Kombination von Golfballstruktur, abgerundeten Lüfterkäfig und einen sehr leise laufenden Motor, bildet ein rundum zufrieden stellendes Produkt. Die beiden Vergleichskandidaten hatten hier kaum eine Chance. Hinzu kommt der bis auf ein fehlendes Lüftergitter vollständige Lieferumfang, bei dem auch an eine Entkopplung des Lüfters gedacht wurde. Man merkt, bei manchem Hersteller erfreut sich der Bereich Silent-PC immer größerer Beliebtheit, so dass auch auf die kleinen, feinen Details geachtet wird. Eine Drehzahlregelung, wie man sie bei stärkeren Lüftern des Öfteren vermisst, wäre hier fast schon fehl am Platz. Die Drehzahl nochmals zu reduzieren, verringert den Schallpegel nur unwesentlich, dafür bricht die Kühlleistung deutlich ein. Als Gehäuselüfter aber auch als Lüfter für Leistungsstarke Prozessorkühlkörper gibt es derzeit wohl im Bereich der 80 mm Lüfter kaum eine bessere Alternative. Alles in allem hat Sharkoon sozusagen ein Rund um Sorglos Paket abgeliefert. Da auch der verlangte Preis von EUR 9,90 bei Hardware-Rogge nicht zu hoch erscheint erhält der Silent Eagle den Kauftipp der Redaktion. Die Ankündigung des Herstellers, demnächst die Silent Eagle Reihe auch auf Lüfter größerer Bauformen auszudehnen, sollte außerdem bei so manchen Silencer Fan mehr als nur ein Kribbeln und schwitzende Finger auslösen. Wenn diese Modelle mit ebenso überzeugenden Motoren ausgestattet werden, sollte im sensiblen Bereich der Silent-Lüfter neue ernst zu nehmende Konkurrenz erwachsen.
Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Thorsten Steinbach von Sharkoon Deutschland.
Links zum Thema:
Hardware-Rogge [ Vertrieb ]
Sharkoon [ Hersteller ]
© www.dirkvader.de
|