Seasonic X-400FL Review

Seasonic X-400FL

Netzteil Grossansicht

Vorwort:
Seasonic präsentiert mit dem X-400FL (SS-400FL) sein erstes lüfterloses Netzteil. Warum die Taiwanesen erst so spät auf diese Marktnische abzielen, hat sicherlich gute Gründe. Die Bedarfe dürften sich in letzter Zeit mehr und mehr zum Positiven geändert haben. Die Zielgruppen konnten bereits Erfahrungen sammeln bzw. von den Erfahrungen anderer profitieren. Letztendlich wird es aber am technologischen Fortschritt liegen. Die Fertigung von hocheffizienten Netzteilen ist mittlerweile einfach rentabler geworden. So wartet das X-400FL nicht nur mit einen 80Plus Gold Zertifikat auf, sondern mit einer Reihe weiterer interessanter Features, die vor nicht allzu langer Zeit zu diesem Preis einfach nicht möglich gewesen wären. Das voll modulare Kabeldesign zum Beispiel, dürfte besonders die ordnungsverliebte Kundschaft ansprechen, die nur so viel Kabel wie nötig im System verlegen will. Des Weiteren ist Seasonic durch die Vollmodularität für die Zukunft gerüstet, weil jeder neue Kabel-/Anschluss-Standard durch die Verwendung eines neuen Kabels sichergestellt werden kann. Der Blick ins Innere wird die Herzen der Technikfreaks höher schlagen lassen. Unter anderem sind hier ein doppelseitiges PCB bestückt mit japanischen 105°C Premium-Kondensatoren, sowie zahlreichen Aluminium-Solid-Capacitors zu sehen. Natürlich wird der Prüfling artgerecht in unserem vielfach bewährten - völlig lüfterlosen - Testrechner betrieben. Wie bei allen lüfterlosen Netzteilen, ist auch ein 48-stündiger Lastbetrieb vorgesehen. Der Vergleich mit anderen, bereits getesteten Passivnetzteilen dürfte ebenfalls interessant werden. Mit einem empfohlenen Verkaufspreis von ca. EUR 149,90 ist das Seasonic X-400FL sicherlich kein Produkt für Schnäppchenjäger. Verglichen mit dem Wettbewerb liegt man mit einem derzeitigen Straßenpreis von ca. EUR 125,00 aber etwa gleichauf - jedoch mit aktueller Technologie. Inwiefern es Seasonic gelingt, die Marktnische mit dem X-400FL aufzumischen ist nachfolgend zu lesen.

Lieferumfang:
Seasonic liefert das X-400FL in einer äußerst schick gestalteten Verpackung an seine Kunden aus. Bei der Farbwahl hielt man sich hauptsächlich an Schwarz-, Gold- und Bronzetöne. Das Honigwabenmuster auf dem Deckel ist sogar spürbar. Auf den Seiten und auf dem Rücken befinden sich alle notwendigen Produktinformationen 8-sprachig aufgedruckt. Mit einer Verpackungsgröße von ca. (B) 330 x (H) 135 x (T) 200mm liegt man etwas über dem Durchschnitt. Ebenso verhält es sich mit dem Gesamtgewicht von ca. 3.042 Gramm. Das Netzteil selbst bringt ohne Verkabelung immer noch respektable 1.666 Gramm auf die Waage. Es befindet sich in einem Samt-Täschchen mit Kordelzug, welches zum Schutz gegen äußere Einwirkungen zusätzlich in zwei Schaumstoffschalen eingebettet wurde. Als Zubehör liegt dem Netzteil folgendes bei: Eine schicke zweigeteilte Tasche mit allen Kabelsträngen, ein Kaltgeräte-Anschlusskabel, drei Kabelklettverbinder, vier Gehäuseschrauben, fünf Kabelbinder, ein Seasonic Casebadge, eine 59-seitige Bedienungsanleitung und zwei Warnhinweise: Das Netzteil soll nur in einem ausreichend gut ventilierten Gehäuse betrieben werden und beim Einbau soll man darauf achten, dass die Seite mit den Bienenwabenöffnungen nach oben zeigt. Das Datenblatt steht als pdf-Datei zur Verfügung. Ein insgesamt betrachtet sehr ordentlicher und für die Preisklasse angemessener Lieferumfang.

Technische Daten:

  • Hersteller: Seasonic
  • Modell: X-400FL (SS-400FL)
  • Layout: Fanless
  • Standards: ATX12V 2.3
  • Blindstromkompensation (PFC): aktiv
  • Wirkungsgrad / 80Plus: >90% / gold
  • Gesamtleistung: 400W (Peak: 496W)
  • Größe: (B) 150 x (H) 86 x (T) 160mm
  • Gewicht: 1.666 Gramm (ohne Kabel)
  • UVP inkl. MwSt. (EUR): 149,90
  • Bezugsquelle: www.Amazon.de
Produktlabel - Spezifikationen
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Details:
Das Seasonic X-400FL tritt optisch betrachtet rein gar nicht in die Fußstapfen der meisten lüfterlosen Mitbewerber. Denn durch seine supereffiziente (80Plus Gold) Elektronik konnte auf den Einsatz monströser Kühlkörper verzichtet werden. Obwohl es vom Erscheinungsbild her eher luftig wirkt, bringt es unter anderem durch seine grundsolide Bauweise knapp 1,7kg auf die Waage. Komplett in mattem schwarz lackiert und mit dezentem Gold-Dekor, wirkt es unverblümt und edel. Die hervorragende Verarbeitung des Netzteils ist sofort nach dem ersten Kontakt spürbar. Zum Layout: Damit die Wärme im Inneren ungehemmt ausströmen kann, ist der Deckel nahezu komplett mit 5mm großen Bienenwabenöffnungen versehen. Auch die Rückseite des Netzteils ist nahezu komplett mit 3mm großen "Honeycombs" ausgestanzt. An den Seiten und an der Front sind jeweils nur kleine Bereiche ausgestanzt, welche eher dazu dienen, Luftpolsterbildungen zu vermeiden. Der Blick ins Innere zeigt einen blitzsauberen Aufbau mit relativ enger Packdichte. Bei den verwendeten Premium-Bauteilen dürfte selbst den Laien sofort ein Unterschied zu herkömmlichen Netzteilen erkennen. An der Kaltgeräteanschlussbuchse befindet sich ein Netzfilter, wie er beispielsweise bei leistungsstarken Industrienetzteilen zum Einsatz kommt. Der 390µF Primärkondensator stammt von Nippon Chemi-Con aus Japan und ist 105°C spezifiziert. Weitere kleinere Kondensatoren gleicher Güte, sowie Aluminium-Solid-Capacitors prägen das innere Erscheinungsbild des X-400FL. Die drei aufwändigeren Kühlkörper (gold) sind mit Bauteilen auf der oberen Seite und die drei einfacheren Kühlkörper (silber) mit Bauteilen auf der unteren Seite des PCB‘s verbunden. Der DC-DC Wandler ist direkt mit der Kabelmanagment-Platine verbunden und moduliert auf kürzestem Wege die von der Hauptplatine bereitgestellte +12V-Spannung. Dadurch wird vermieden, viele Kabel mit hoher Stromstärke durch das Gehäuse zu führen. Im Gegensatz zu anderen aktuelle Netzteilen, stellt das X-400FL fast seine komplette Leistung (396W) auf +12V zur Verfügung. Hierbei kommt nur ein einzelner, bis 33A belastbarer Schaltkreis zum Einsatz. In puncto Schutzschaltungen wartet das Seasonic mit allem auf, was das Herz begehrt: Unterspannungsschutz (UVP), Überspannungsschutz (OVP), Kurzschlusssicherung (SCP), Überlastschutz (OPP), Überstromschutz (OCP), Überhitzungsschutz (OTP) und Schutz vor lastfreiem Betrieb (NLP). Laut dem Test-Report von Plug-Load-Solutions erzielt das Seasonic X-400FL im Durchschnitt einen Wirkungsgrad von 90,12%. Ausstattungsseitig wartet das Netzteil mit einem ausreichend lang bemessenen Kabelstrangsatz - auch für Big Tower - auf. Die komplett ummantelten und einzeln steckbaren Kabelstränge sind sauber mit schwarzen Easy-Swap Anschluss-Steckern konfektioniert. Insgesamt stehen dem Anwender folgende Anschlussleitungen zur Verfügung: 1 Kabelstrang 60cm (20/24-Pin ATX Stecker), 1 Kabelstrang 65cm (2x 4-Pin 12 Volt Mainboard Stecker), 1 Kabelstrang 60cm (1x 6/2-Pin PCI Express), 1 Kabelstrang 85cm (3x 5 1/4" Stecker), 1 Kabelstrang 50cm (2x 5 1/4" Stecker), 1 Kabelstrang 85cm (3x S-ATA Stecker), 1 Kabelstrang 50cm (2x S-ATA Stecker und ein 15cm langer Kabeladapter, der einen 5 1/4" Stecker ind zwei 3 1/2" Stecker aufdröselt.

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Leistungsaufnahme:
Um zu ermitteln wie sich die Testkandidaten aus ökonomischer Sicht verhalten, wird deren Leistungsaufnahme in allen drei Betriebsarten ermittelt: Im Standby-Betrieb (herunter gefahrenes System), im Leerlauf (hochgefahrenes Betriebsystem, keine Aktivitäten) und unter Volllast (volle Systembelastung). Die maximale Auslastung des Systems wird durch den gleichzeitigen Betrieb der beiden Programme Prime95 und 3DMark2003 erreicht. Als Messmittel kommt der bekannte Energy Monitor 3000 von Voltcraft zum Einsatz (EUR 39,95). Für den Hausgebrauch kann auch der deutlich günstigere Energy Check 3000 (EUR 19,95) bei Conrad erworben werden. Es wird der Stromverbrauch des gesamten Systems, bestehend aus Prozessor, Mainboard, Arbeitsspeicher, Grafikkarte, Festplatte und DVD-Laufwerk ermittelt. Da den Prüflingen in der Regel unterschiedliche (Querschnitt, Qualität) Kaltgeräteanschlusskabel beigelegt werden, verwenden wir als Referenz das aus dem HiFi-Bereich bekannte Serie 3 Kabel (EUR 50,00) aus dem Hause Groneberg. Bei den unten aufgeführten Werten handelt es sich um Bruttowerte. Der Stromverbrauch des Energie Monitor (ca. 0,8W) muss noch heraus gerechnet werden.

Die unten ersichtlichen Differenzen der Leistungsaufnahme verschiedener Netzteile sind teils enorm und unterstreichen die Notwendigkeit dieser Kategorie. Nehmen wir einmal an, wir betreiben ein ganzes Jahr lang (8760h) ein Netzteil mit einer durchschnittlichen Leistungsaufnahme von 150W. Dieses wird dann durch ein effizienteres Modell mit einer durchschnittlichen Leistungsaufnahme von 100W ersetzt. Bei einem Strompreis von 0,24 EUR/KWh (Stand: Januar 2011) entspräche dies einer Ersparnis von EUR 105,12/Jahr. In der Praxis dürften so große Differenzen (50W) bei Netzteilen aber kaum auftreten. Realistischer hingegen sind Unterschiede von ca. 25W, wodurch die Ersparnis immer noch EUR 52,56/Jahr beträgt. Es macht also durchaus Sinn, etwas mehr Geld für ein sparsameres Modell auszugeben, besonders dann, wenn mehrere Rechner im Haushalt betrieben werden. Bei der Auswahl des richtigen Netzteils hilft die 80PLUS Klassifizierung. Außerdem sollte die richtige Leistungsstärke gewählt werden. Hier ist weniger meist mehr, denn ein überdimensioniertes Netzteil arbeitet größtenteils in einem Leistungsbereich, in dem es die niedrigste Effizienz erzielt.

Den hohen Erwartungen entspricht das Seasonic X-400FL gerne mit einer entsprechenden Chartplatzierung. Ein dritter Platz mit geringem Abstand zur Spitze ist ein sehr gutes, aber auch erwartetes Ergebnis. Unter Volllast (kombinierte CPU- und VGA-Last) zeigt unser Energy Monitor 3000 einen sehr guten Verbrauchswert von 109,0W an. Noch besser sieht es im Leerlauf (hochgefahrenes System/keine Aktivitäten) aus. Hier begnügt sich das System mit einem Verbrauch von 66,5W. Einen weiteren Top-Messwert erzielt das X-400FL bei heruntergefahrenem System. Hier wird ein sehr guter Wert von 1,2W angezeigt. Abzüglich der 0,8W Stromverbrauch des Messgerätes, wird das Stromnetz mit lediglich 0,4W belastet - der bislang zweitbeste Wert im Testfeld.

Leistungsaufnahme

Spannungsstabilität:
Wenn sich die Hersteller von Computer-Hardware nicht an eng tolerierte Normen halten müssten, wäre an ein stabiles System kaum zu denken. Dies leuchtet ein, wenn man bedenkt aus wie vielen Komponenten ein herkömmliches PC-System besteht. Deshalb wird geprüft, ob sich alle relevanten Spannungen innerhalb der Toleranzen nach ATX-Spezifikation bewegen. Dazu läuft der komplette Testrechner jeweils mehrere Stunden im Leerlauf und unter simulierter Volllast mittels Prime 95. Gleichzeitig werden alle Spannungswerte in Abständen von 5 Sekunden in einem Logfile gespeichert, welcher anschließend ausgewertet wird. Mit Hilfe des Logfiles lässt sich schnell feststellen, ob Schwankungen während des gesamten Betriebs aufgetreten sind. In der Tabelle wurde der jeweils dominanteste bzw. bei Spannungseinbrüchen kritischste Wert hinterlegt. Um die Richtigkeit der offerierten Messergebnisse zu überprüfen, wurden während des Betriebes sporadisch Messungen mit einem Multimeter direkt am ATX Stecker des Mainboards vorgenommen.

Das Seasonic X-400FL leistet sich auch in Punkto Spannungsstabilität keine Schnitzer. Die Auswertung der Logfiles offeriert linear verlaufende Spannungswerte ohne nennenswerter Unregelmäßigkeiten. Ob 24h Dauerlasttest oder frequentierter Lastwechsel, das Netzteil verhielt sich stets stabil. Die Spannungswerte lagen - mit Ausnahme der +12V-Leitung - zudem relativ nahe am Sollwert. Die typischen bzw. durchschnittlichen Werte der relevanten Spannungsleitungen im Idle- und Load-Betrieb finden sich in der unten stehenden Tabelle aufgeführt. Die Extremwerte (Minimum/Maximum) verhielten sich mit 3.30 - 3.33V, 5.00 - 5.05V und 12.37 - 12.44V deutlich in der zulässigen Toleranz.

Als "Power good"- bzw. "PWR_OK"-Wert versteht man die Zeitspanne, die das Netzteil vom Einschalten bis zum Erreichen der Nominalwerte der +12V, +5V und +3.3V Leitungen benötigt. Dieser Wert sollte idealerweise zwischen 100 und 500 Millisekunden liegen, da sonst Probleme beim Systemstart auftreten können. Das Seasonic X-400FL benötigte 320ms und liegt damit in der goldenen Mitte des geforderten Toleranzbereiches.

Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die hier gemessenen Werte je nach verwendeter Plattform und Leistungsforderungen der jeweilig verbauten Komponenten hiervon abweichen können. Messtoleranzen sind wie allgemein gegeben obligatorisch.

Spannungswerte

Kühlleistung:
Das allgemein bekannte Problem von Silent Netzteilen ist deren vermeintlich schwache Kühlleistung. In der Regel gilt, je leiser das Netzteil ist, desto weniger Luft wird gefördert. Die laut ATX-Spezifikation empfohlene Fördermenge von 25 bis 35 CFM, wird hierbei oftmals deutlich unterschritten. Man sollte sich daher vor dem Kauf eines Netzteils im Klaren sein, welche Ergebnisse man erzielen will. Das leiseste Ultra-Silent Netzteil kann sich als Fehlkauf heraus stellen, wenn zusätzliche Gehäuselüfter benötigt werden, um einen stabilen Betrieb des Komplettsystems zu gewährleisten.

Um die Kühlleistung des Netzteils zu ermitteln, wird dieses in einem geschlossenen Silent-System betrieben. Entgegen der ATX Norm und zwar ohne jegliche Gehäuselüfter. Die hinteren Lüftungsöffnungen wurden außerdem verschlossen, damit das Netzteil nur die Luft aus dem Frontbereich ansaugen kann. Verschärfte Bedingungen werden dem Netzteil auch durch die zu kühlenden Passivkühler des Prozessors und der Grafikkarte gestellt. Bei exakt 20°C Zimmertemperatur läuft der Testrechner jeweils mehrere Stunde lang im Windows Leerlauf - keine Auslastung - und im simulierten Volllastbetrieb durch die Programme Prime95 und 3DMark2003. Die zum Test verwendete Plattform liest über die interne Prozessordiode eine sehr realistische Kerntemperatur aus und offeriert somit erst jenseits von 75°C ernsthafte Instabilitäten.

Neben der Prozessortemperatur und der weniger aussagekräftigen Systemtemperatur wird zusätzlich die Temperatur der aus dem Netzteil austretenden Abluft gemessen. Hierzu kommt ein Beckmann & Egle Labormessfühler und ein Lutron Digital Thermometer zum Einsatz. Dieser Wert soll aufzeigen wie es um die Eigentemperaturentwicklung und Effizienz des Netzteils bestellt ist. Zudem lässt er spekulativ eine Tendenz in Punkto Lebensdauer erkennen. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer langen Lebensdauer bei niedrigeren Ablufttemperaturen theoretisch höher sein müsste, kann sich diese These unter Umständen bei manchen Modellen anders darstellen. Denn eine hohe Ablufttemperatur kann auch ein Indiz dafür sein, dass die Wärme der Bauteile besonders effektiv abgeführt wird und sich nicht durch undichte Stellen wieder ins Gehäuseinnere bewegt. Daher wird dieser Temperaturwert neben der Systemtemperatur in der Tabelle weniger hoch gewichtet als die Prozessortemperatur.

Von Kühlleistung kann man bei Fanless-Netzteilen im Allgemeinen nicht sprechen. Hier sollte die Kategorieüberschrift vielmehr Temperaturverhalten lauten. Denn lüfterlose Netzteile wie das Seasonic X-400FL tragen eher zur Erwärmung als zur Kühlung des Systems bei und können in Normgehäusen gerade mal einen Teil der selbst erzeugten Wärme abführen. Dies wird durch die hohen Prozessor- und Gehäusetemperaturen deutlich. Letztere stellen sich in Wirklichkeit sogar als deutlich höher heraus, als über das Mainboard selbst messbar ist. Dadurch, dass die erwärmte Luft nach oben steigt und nicht entweichen kann, sind die Temperaturen im oberen Gehäusebereich deutlich höher als dort, wo der Messfühler des Mainboards sitzt. Aber auch wenn der Prüfling recht weit hinten in den Charts zu finden ist, hat er doch einen absolut stabilen 48-Stunden-Betrieb in einem Gehäuse ohne jegliche Lüfter ermöglicht. Von allen Fanless-Netzteilen zeigte das X-400FL das beste Temperaturverhalten. Nur die zweitstufigen Netzteile (außenliegender AC-DC Wandler) liegen durch deren vorteilhafteres Layout eine Nasenlänge vorne. Die ermittelten Temperaturwerte stellen sich folgendermaßen dar: Die aus dem Netzteil entweichende Luft wird je nach Auslastung 44 bis 50°C warm. Das Chassis wird nicht viel wärmer als ca. 50°C, da keiner der Kühlkörper mit ihm verbunden ist. Für einen dauerhaften Betrieb einer ähnlichen Hardwarekonstellation empfehlen wir jedoch zusätzliche Lüftungsschlitze über dem Netzteil, welche zu einer besseren Gehäuseentlüftung beitragen.

Die subjektive Bewertung der Kühlleistung bezieht sich auf ein ohne Gehäuselüfter betriebenes Komplettsystem.

Temperaturwerte

Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.

Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquelle lediglich eine entkoppelte und gedämmte Silent Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Netzteils nicht beeinflusst. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen, Arbeitsplatz konformen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.

Als zusätzlicher Punkt wurde die Elektronik des Netzteils auf etwaige Störgeräusche überprüft. Das Netzteil wird hierzu im ausgebauten Zustand, sowohl im Leerlauf als auch unter Last betrieben. Die Aufnahme der Störgeräusche erfolgt mit geöffneten Deckel und abgeklemmten Lüfter/n. Die aus einem Abstand von ca. 10 cm erfassten Geräusche werden rein subjektiv beurteilt dargestellt. Weil einem das menschliche Gehör zuweilen einen Streich spielt, wird eine zweite Messung mittels Spektralanalyse (SpectraRTA) durchgeführt. Hier werden hochfrequente Schallanteile durch Visualisierung schnell erkannt.

Nicht immer geht eine lüfterlose Bauweise mit einem lautlosen Betrieb einher. Es gibt kaum ein elektronisches Gerät, welches nicht irgendein Geräusch von sich gibt. Bei nahezu jedem Computer-Netzteil (auch im Monitor oder TV) sind aus nächster Nähe mehr oder weniger stark ausgeprägte Störgeräusche zu vernehmen. Je nach Modell nimmt man diese nach Arbeitsplatz konformem Abstand allerdings nicht mehr wahr. Das Seasonic X-400FL wurde entsprechend subjektiv beurteilt und mit "nicht hörbar" und "keine Störgeräusche" eingestuft. Es gehört damit zu den leisesten Netzteilen die den Praxistest durchlaufen sind.

Je nach Systemzusammenstellung - insbesondere in schlecht ventilierten Gehäusen - kann der Schallpegel bei temperaturgeregelten Netzteilen hiervon abweichen. Der jeweilig beschriebene Subjektiveindruck bezüglich der Geräuschcharakteristik versteht sich nach arbeitsplatzkonformen Abstand zum im Test verwendeten Komplettsystem.

Engelke Sweeper

Schallpegel

Messanordnung

Testrechner:

  • Mainboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (passiv)
  • Prozessor: AMD Athlon 64 3000+ Winchester (Standardtakt)
  • Kühler: Scythe NCU-2005 (passiv)
  • Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
  • Arbeitsspeicher: 2 x 512MB Geil DDR400 PC-3200 CL2.5
  • Grafikkarte: Hercules Prophet Radeon 9700 Pro (passiv @ Aerocool VM-101)
  • Festplatte: Samsung SV0802N (ichbinleise® HDD 20)
  • Gehä;use: Chieftec CS-601 (Aluminium, geschlossen)
  • Gehäuseventilation: passiv (keine Gehäuselüfter)
  • Laufwerke: NEC ND-1300A DVD-Brenner
  • Datenträgerverbindung: Rounded Silver Cable
  • Betriebssystem: MS Windows XP Professional SP2
  • Software: Motherboard Monitor, Prime 95, Asus PC Probe, 3DMark2003
  • Zimmertemperatur: 20,0°C (Abweichung < 0,5°C)

Fazit:
Erleben wir eine Renaissance des Fanless-Netzteils? Auf jeden Fall bringt Seasonic gehörigen Schwung in die müde gewordenen Marktnische. Die Taiwanesen zeigen mit dem X-400FL eindrucksvoll auf, wie ein lüfterloses Netzteil heutzutage auszusehen hat. Lautlos, supereffizient und betriebssicher. Das sprichwörtliche Haar in der Suppe konnten wir nicht finden. Das vorbildlich verarbeitete Netzteil konnte in allen Disziplinen mit überdurchschnittlich guten Ergebnissen glänzen. Dass es in puncto Kühlleistung nicht mit einem aktiv gekühlten Netzteil verglichen werden darf, versteht sich von selbst. Im direkten Vergleich mit anderen zuvor getesteten Passivnetzteilen machte das X-400FL bezogen auf das Temperaturverhalten aber eine sehr gute Figur. Auch der 48-stündige Dauerlasttest in einem komplett ohne Lüfter betriebenen und geschlossenen System, konnte dem Prüfling keine Instabilitäten oder Auffälligkeiten entlocken. Der Hersteller empfiehlt jedoch das Netzteil in einem geeigneten und aktiv ventilierten Gehäuse zu betreiben. Wir empfehlen dem versierten Silencer zumindest ein Gehäuse mit großzügigen, direkt über dem Netzteil platzierten Lüftungsschlitzen und einer entsprechend großen Öffnung im Gehäuseboden. Dass ein Premium-Hersteller wie Seasonic sein Produktportfolio mit Fanless-Netzteilen erweitert, weckt seitens der Enduser unbezahlbares Vertrauen. Etwaige Restzweifel werden durch die erweiterte Herstellergarantie von 5 Jahren aus der Welt geräumt. Seasonic macht hier einen mutigen Schritt. Es bleibt abzuwarten, wie der Wettbewerb darauf reagieren wird. Letztendlich kann etwas Bewegung im Fanless-Produktsegment aber nicht schaden. Zum Kaufpreis sei angemerkt, dass dieser mit herstellerseitig angegebenen ca. EUR 149,90 typisch und nicht zu hoch gegriffen erscheint. Der zahlungskräftige Kunde erhält einen fairen Gegenwert für den Kaufpreis. Geizhälse werden sich freuen, dass der Straßenpreis mit ca. EUR 125,00 deutlich unterhalb der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers liegt. Zusammenfassend darf man das Seasonic X-400FL wohl als das derzeit ausgereifteste Fanless-Netzteil bezeichnen. Ein klarer Redaktionskauftipp!

Dirkvader Kauftipp Award

Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Nils Stallmach von Seasonic Europe.

Links zum Thema:
Seasonic [ Hersteller ]
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04.03.2011 [dl]