Vorwort:
Vor knapp einem halben Jahr präsentierte der japanische Kühlerbauer Scythe ein brandneues Kühlermodell. Der Katana sollte als kleiner, leichter Kühler mit extravagantem Styling in der Mittelklasse überzeugen. Nach einigem Anlauf konnte das Modell auch mit angemessener Kühlleistung glänzen. Ganz abgesehen von der Geräuschentwicklung des leisen 92 mm Lüfters die sich bereits auf sehr hohem Niveau bewegte. Nun erachtet Scythe den Zeitpunkt als angemessen die Produktpalette um ein verbessertes Katana Modell zu erweitern. Um der Kühlleistung noch einen deutlichen Schub nach vorn zu verpassen wurden die Aluminiumlamellen des Katanas gegen kupferne Finnen ausgetauscht. Daher trägt der Nachfolger auch den Zusatz Cu im Namen. Zusätzlich wurde der Lüfter gegen ein stärkeres Modell ausgetauscht dass bis zu 2.500 U/min dreht. Um jedoch die Flüstereignung des Katanas nicht zu verlieren wurde dem Katana Cu zugleich eine Lüfterregelung spendiert, mit der sich die Drehzahl auf bis zu 1.200 U/min reduzieren lässt. Beibehalten hat Scythe das außergewöhnliche Layout des Urmodells. So sind die Heatpipes weiterhin um 20° geneigt und führen so den Luftstrom des Lüfters über benachbarte elektronische Bauteile. Besitzer von Sockel A Plattformen werden auch mit Freude vernehmen, dass die Japaner auch das Multisockelkonzept des Katanas in die neue Serie übernommen haben. So lässt sich der Kühler nicht nur auf die aktuellen Sockel 478, 775, 939 sondern auch auf ältere Sockeln 370 und 462 befestigen. Zu guter Letzt ist auch der Katana Cu in 90° Schritten auf dem Sockel ausrichtbar und lässt so ein Anpassung des Luftstroms unabhängig von der Sockelausrichtung auf dem Mainboard zu. Wie sich der Nachfolger des Katanas im der Praxis bewährt soll der folgende Test aufzeigen.
Lieferumfang:
Die Verpackung des Katana Cu ist von ihren Abmessungen identisch zu der des Vorgängermodells aus Aluminium. Nur das Styling und der Aufdruck wurde dem Modell angepasst. So ist der Inhalt immer noch recht beengt aber gut sortiert Untergebracht. Neben dem Kühlkörper und dem 92 mm Lüfter befindet sich als Erweiterung zum Standardmodell eine Lüfterregelung für die PCI-Blende im Karton. Außerdem ist natürlich das Montagematerial für die Multisockelmontage und Wärmeleitpaste im Softpack enthalten. Die Montageanleitungen für die diversen Sockel runden das Paket ab.
Spezifikationen:
- Hersteller: Scythe
- Modell: Katana Cu
- Lüftergröße: 92 x 92 x 25 mm
- Drehzahl: 1.200 - 2.500 U/min +/- 10%
- Luftdurchsatz: 40,4 - 85 m³/h (23,9 - 50,3 CFM)
- Schallpegel: 15,0 - 31,7 dB(A)
- Lagerung: Gleitlager
- Anschluss: 3-Pin Molex Stecker
- Kühlkörpermaterial: Kupfer
- Befestigung: 6-Punkt Halteklammer / geschraubt
- Aufbau: 41 Lamellen / 2 x 6 mm Heatpipes
- Lamellenabstand: 2 mm
- Gesamtgröße: 98 x 96 x 138 mm
- Gesamtgewicht: ca. 590 Gramm (inkl. Lüfter)
- Preis (EUR): ca. 29,00
- Bezugsquelle:
Mix-Computer
Details:
Der Aufbau des Katana Cu ist mit dem des Katana vollkommen identisch. Als Material der
Kühlfins kommt allerdings nun Kupfer anstatt Aluminium zum Einsatz. Somit ist der Katana Cu auch weiterhin ein klassischer Tower-Kühler. Die charakteristische Neigung der Heatpipes um 20° wurde auch bei diesem Modell beibehalten und verleit dem Katana so eine Sonderstellung unter den Tower-Kühlern. Durch diesen Kniff verringert Scythe das Risiko eine mögliche Überhitzung der in Sockelnähe positionierten elektronischen Bauteile. Der weitere Aufbau des Kühlers folgt den üblichen Regeln der Tower-Kühler. Die beiden Heatpipes sind zwischen der 2 mm starken kupfernen Grundplatte und der darüber liegenden Aluminiumplatte
eingelötet. Die Aluminiumplatte dient hierbei als Montageplattform für die diversen Sockelmontagen und weist daher Gewindebohrungen und ein definiertes Profil für die Halteklammern auf. Durch dieses Design kann im späteren Zustand die Montagerichtung des Kühlers in Abhängigkeit zur Sockelausrichtung variiert werden. Die dünne Grundplatte ist
sauber poliert und Fertigungsspuren sind nicht zu erkennen. Bei der Überprüfung der Ebenheit lässt sich feststellen, dass Scythe wohl aus den Problemen der ersten Baureihe gelernt hat. Bei diesem Modell kann die
Ebenheit vollkommen überzeugen. Leider kann die Fertigungsqualität des Testsample nicht mit dem von Scythe gewohnten Standard mithalten. So zeigen sich bereits nach dem Auspacken deutliche Verfärbungen an den Kühlfinnen. Offensichtlich haben Verunreinigungen zu einer Oxidation des Kupfers geführt. Aber auch an den Randbereichen der Kühllamellen finden sich noch Fertigungsrückstände. Diese 41 Lamellen sind sauber auf die Heatpipes aufgepresst und weisen keine scharfen Kanten auf. Während beim Aluminium Katana nur die oberste Lamelle das Scythe-Logo tragen durfte verfügen nun alle Kupferfinnen über diese Prägung. Ähnlich wie bereits beim Ninja klebt Scythe Hutmuttern auf die Heatpipeenden. Zwar nicht von praktischen Nutzen, so schaut dieses Feature doch wesentlich besser aus als die üblichen hässlichen Heatpipeenden. Der mitgelieferte Lüfter ist als Scythe-Lüfter gelabelt, dessen Bezeichnung
DFS922512M lautet. Von außen wirkt der Lüfter sehr sauber verarbeitet. Über einen in eine PCI-Blende integrierte Potentiometer kann die Drehzahl des Lüfters zwischen den Stellungen High und Low angepasst werden. Dies kann durch einen formschönen Aluminiumknopf von außen vorgenommen werden. Die Stromversorgung geschieht über einen 3-Pin Molexstecker inklusive Tachosignal. Die Inneren Werte werden sich bei der Geräuschmessung zeigen. Der Lüfter wird wie schon bei den Modellen Ninja, Shogun und NCU 2005 mittels
Drahtklammern an den Kühlkörper geklemmt was leider die Übertragung der Lüfterschwingung auf den Kühlkörper zur Folge hat. Insgesamt ein weitere interessanter Kühler seiner Art. Leider hat Scythe hier erstmals in der Fertigungsqualität etwas geschlampt sonst könnte der Kühler durchweg durch seine äußeren Werte gefallen.
Montage:
Die Montage des Scythe Katana Cu ist mit der des Ur-Katanas identisch. So ist es zusätzlich zur Multi-Sockelauslegung aufgrund des Befestigungsprinzips den Scythe Katana Cu in unterschiedlicher Ausrichtung auf dem Prozessorsockel zu befestigen. So ist der Katana zwar universell einsetzbar, jedoch erfordert die Anpassung des Kühlers an den jeweiligen Sockel etwas Arbeit. So müssen vor der eigentlichen Montage die entsprechenden Adapterplatten anhand der Montageanleitung ausgewählt werden. An welchen zwei weitere Aufnahmebleche zu befestigen sind. Erst jetzt ist es möglich die Adapter an die Montageplatte des Kühlers anzuschrauben. Nach dem Auftragen der Wärmeleitpaste auf den Prozessor-Heatspreader kann der Kühler aufgesetzt werden. Das Anschrauben an der Backplate stellt eine weitere Hürde dar. Aufgrund des außergewöhnlichen Kühlerlayouts werden die Befestigungsschrauben je nach Kühlerausrichtung von den Lamellen verdeckt. So müssen die Schrauben umständlich mit dem Mini-Maulschlüssel befestigt werden. Je nach verbauter Hardware und den zur Verfügung stehenden Platzverhältnissen ist es hierbei erforderlich die Grafikkarte auszubauen. Nach dem anschließenden Einstecken des Lüfterkabels kann der Rechner wieder in Betrieb genommen werden. Insgesamt betrachtet konnte der Montage keine Freude abgewonnen werden. Die entsprechende Montageanleitung kann auf der Scythe-Webseite als
pdf-Dokument heruntergeladen werden.
Kühlleistung:
Um die Leistung des Kühlers zu ermitteln, wird dieser nicht einfach nur auf einer offenen Kühlerprüfstation getestet, sondern praxisnah in einem speziell für Silent-Kühler zusammengestellten Testsystem. Ohne zusätzliche Gehäuselüfter und lediglich mit einem modifizierten Ultra-Silent Netzteil bestückt, werden alle Kühler in diesem System unter absolut gleichen Bedingungen betrieben. Der im Erdgeschoss befindliche Messraum bietet Sommer wie Winter optimale Testbedingungen bei nahezu gleich bleibender Umgebungstemperatur. Damit die teils filigranen Temperaturunterschiede aufgezeigt werden können, wird stets die gleiche Wärmeleitpaste verwendet. Ebenso wird großer Wert auf eine exakte Betriebsspannung des Lüfters gelegt. Daher wird diese nicht über das Mainboard selbst, sondern von einem externen Labornetzteil bezogen. Nur die Drehzahl des Lüfters wird über ein spezielles Adapterkabel vom Mainboard ausgelesen. Bei den angegebenen Temperaturwerten handelt es sich um Prozessorkerntemperaturen. Der kritische Bereich bei der im Test verwendeten Mainboard/Prozessor Kombination beginnt bei ca. 75°C. Bei der Verwendung von Gehäuselüftern nach ATX Spezifikation, stellt sich die Kühlleistung des getesteten Kühlers theoretisch um 7 bis 9°C besser dar.
Wie bereits beim Aluminiumpendant, so erreicht der Katana Cu bei einer waagerechten Ausrichtung auf dem Mainboard seine maximale Kühlleistung. Im Vergleich zum Urmodell verbessert der Einsatz der Kupferlamellen die Kühlleistung bei voller Lüfterleistung um 3°C. Der Katana Cu kann sich mit den ermittelten 47°C somit mit Modellen wie dem
Aerocool
GT-1000 auf eine Stufe stellen. Aber auch mit reduzierter Drehzahl auf der Stellung low kann sich die Kupferne Katana Version vor dem Aluminium Katana in den Charts platzieren. Die Verbesserungen aufgrund es Materials und auch der Ebenheit der Grundplatte führen letztendlich zu einem guten Abschneiden in dieser Disziplin.
Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.
Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse und arbeitsplatzkonformen Abstand - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquellen lediglich ein modifiziertes Ultra-Silent Netzteil und eine entkoppelt und gedämmte Silent-Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Kühlers nicht beeinflussen. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.
Bei der Geräuschmessung kann der Katana Cu in die Fußstapfen seines Vorgängers treten. Durch die PCI-Lüfterregelung lassen sich beide Modelle zwar nur schlecht direkt mit einander vergleichen, dennoch liefert die Kupferversion hier ein sehr überzeugendes Bild. Bei voller Drehzahl kann der Kühler mit den gemessenen 29,7 dB(A) zwar den anspruchsvollen Nutzer nicht mehr ganz zufrieden stellen. Doch als Laut kann er auch in dieser Einstellung nicht gelten. Auf der Stellung low kann sich der Nachfolger mit 24,8 dB(A) sogar noch vor den leisen Aluminiumkatana setzten und rangiert so in den Charts auf dem zweiten Platz. Positiv auch dass der verwendete 92 mm Lüfter sich mit auffallenden Nebengeräuschen sehr zurück hält. Weder Klacker- noch Schleifgeräuschen waren über den gesamten Drehzahlbereich festzustellen.
Testrechner:
- Motherboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (Chipsatz passiv)
- Prozessor: AMD Athlon 64 Venice 3000+ (2.2GHz/1.65V)
- Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
- Speicher: 1 GB MDT Dual Channel PC-3200 400 MHz DDR
- Grafikkarte: Gigabyte GV-N68128DH GeForce 6800 128MB
- Festplatte: Samsung SP1204N (ichbinleise® Box HDD 10)
- Laufwerk: NEC ND-3540A DVD-Brenner
- Gehäuse: Chieftec CS-601 (Stahlblech/geschlossen)
- Netzteil: 353 Watt Enermax 120 mm Yate Loon (Ultra-Silent Mod)
- Gehäuseventilation: keine Gehäuselüfter
- Datenträgerverbindung: Rounded-Cable
- Betriebssystem: Microsoft Windows XP Professional SP2
- Software: Motherboard Monitor, Prime 95
- Zimmertemperatur: 20°C +/- 0,5°C
Fazit:
Mit dem Katana Cu bereichert Scythe den Markt um einen weiteren preislich auf dem Boden gebliebenen Kühler. Einen Vollkupferkühler der zusätzlich über zwei Heatppipes verfügt ist in diesem Preissegment noch lange nicht selbstverständlich. Zumal die Japaner auch nicht mit interessanten Features geizen. Diese sind zwar zum Großteil vom Aluminiumpendant übernommen was jedoch deren Wert nicht im Geringsten mindert. So sorgt das geneigte Layout für eine zusätzliche Kühlung der elektronischen Bauteile rund um den Prozessorsockel. Die Multisockeleignung für so ziemlich jeden sich noch im Umlauf befindlichen Sockel lässt den Katana Cu auch für Besitzer älterer Plattformen interessant erscheinen. Zumal er sich durch die kompakte Baugröße auch für ein Einsatz in relativ beengten Gehäusen anbietet. Leider erfuhr das Montagekonzept keiner prinzipiellen Überarbeitung, so dass das dem Einsatz des Kühlers einige fummlige Minuten vorangehen. Zusätzlich bekam der Cu einen neuen Lüfter verpasst, der mit seiner Lüfterregelung sowohl Leistungs- als auch Geräuschbewusste Anwender überzeugen kann. Selbst das bereits sehr gute Vorgängermodell kann hier nur teilweise mithalten. Den Vorteil des geringen Gewichts hat das neue Modell jedoch aufgrund des exzessiven Kupfereinsatzes inzwischen verloren. Auch konnte die Fertigungsqualität unseres Testsamples nicht ganz den von Scythe gewohnten Standard erfüllen. Oxidiertes Kupfer und Fertigungsrückstände sorgten hier für Überraschungen. Jedoch kann man Scythe zugute halten, dass die Ebenheitsprobleme der ersten Serie wohl der Vergangenheit angehören. Der aktuelle Katana Cu überzeugt durch eine nahezu mustergültige Ebenheit der Bodenplatte. Aber auch die ermittelten Ergebnisse zeugen von einer erfolgreichen Überarbeitung. So kann das Kupfermodell der alten Version aus Aluminium deutlich den Rang ablaufen und liegt nun auf einer Ebene mit Kühlern wie dem Aerocool GT-1000, der eigentlich eine Klasse über dem Katana Cu einzuordnen ist. Bis auf die nicht ganz angenehme Montage kann das neue Kühlermodell jedoch restlos überzeugen. In Verbindung mit dem sehr guten Preis-/Leisungsverhältnis verdient der Scythe Katana Cu den Kauftipp der Redaktion.
Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Andreas Bunen - Vertriebsleiter der Scythe EU GmbH.
Links zum Thema:
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Scythe [ Hersteller ]
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