Vorwort:
Das noch junge Schweizer Label Cooltek ist inzwischen auch auf dem deutschen Markt kein Unbekannter mehr. Durch den Deutschlandvertrieb über das Shopsystem des Szenen-Urgesteins PC-Cooling sind die innovativen Produkte mit ihren günstigen Preisen bereits auf dem Markt etabliert. So finden sich im Portfolio Produkte aus den Bereichen Geräuschreduzierung, PC-Modding, Kühlung, Storage und Netzteile. Nun hat sich der Hersteller mit Sitz in der Nähe von Bern der ehrenvollen Aufgabe gewidmet ein als "Volkskühler" umworbenes Produkt auf dem Markt zu platzieren. So soll diese Neuentwicklung alle positiven Aspekte eines Prozessorkühlers in sich vereinen und dennoch für jedermann erschwinglich sein. Eine etwas genauere Definition des Begriffs "Volkskühler" findet sich auf der Webseite des Herstellers wieder. So soll der Auras 92 genannte Kühler ein "leistungstarker und zugleich geräuscharmer Heatpipe-Kühler zu einem hervorragenden Preis/Leistungsverhältnis" sein. Also gleich drei Sachen auf einmal, das geht ja bekanntermaßen nun wirklich nicht. Oder doch? Cooltek präsentiert sein Überraschungs-Ei tatsächlich mit einigen interessanten Features. So sollen drei Heatpipes die für bestes Klima und eine serienmäßige Entkopplung in Verbindung mit langsam drehenden 92 mm Lüfter für wohlige Stille sorgen. Zudem soll trotz des geringen Preises von EUR 29,90 die Verarbeitung auf hohem Niveau liegen. Und auch eine einfache, werkzeugfreie Montage dürfte jedermann erfreuen. Ob es Cooltek mit dem Auras 92 tatsächlich schafft alle drei Wünsche zu erfüllen soll der folgende Praxistest aufzeigen.
Lieferumfang:
Die ansprechend gestylte
Verpackung erfreut das Auge bereits bevor man einen Blick auf das Innere werfen konnte. Sehr schön zu sehen, dass sich die Hersteller immer mehr Mühe geben ihre Produkte ansprechende zu gestalten. Die Verpackung liefert über ihren Aufdruck bereits einige interessante Details des Kühlers. Beim Blick in die Verpackung fällt einem zuerst das Montagematerial in Form der beiden Halteklammern, der Spritze Shin Etsu Wärmeleitpaste und der mehrsprachigen Montageanleitung entgegen. Zusätzlich abgedeckt findet sich schließlich auch der Kühler mit vormontierten Lüfter und zusätzlichen Retentionmodul. Zusätzliche Extras sucht man vergebens, aber sonst ist der Lieferumfang vollständig.
Spezifikationen:
- Hersteller: Cooltek
- Modell: Auras 92
- Lüftergröße: 92 x 92 x 25 mm
- Drehzahl: 1.850 U/min
- Luftdurchsatz: 68 m³/h (40 CFM)
- Schallpegel: 21 dB(A)
- Lagerung: Doppel-Kugellager
- Anschluss: 3-Pin Molex Stecker
- Kühlkörpermaterial: Kupfer / Aluminium
- Befestigung: Halteklammer
- Aufbau: 51 Lamellen / 3 x 6 mm Heatpipes
- Lamellenabstand: 1,5 mm
- Gesamtgröße: 95 x 83 x 140 mm
- Gesamtgewicht: ca. 500 Gramm (inkl. Lüfter)
- Preis (EUR): 29,90
- Bezugsquelle:
PC-Cooling
Details:
Wie die meisten aktuellen Kühler-Neuentwicklungen basiert auch der Auras 92 genannte Kühler auf dem bekannten Tower-Layout. Spekulativ entstand das erste Luftkühlermodell des Labels Cooltek in Zusammenarbeit mit dem japanischen Unternehmen
Widework. Dieses bietet ein fast baugleiches Modell und der Bezeichnung
Zerocool 2 auf dem asiatischen Markt an. Die Wärmeeinleitung in die 0,3 mm starken Aluminiumlamellen übernehmen drei Vakuum-Heatpipes mit 6 mm Durchmesser. Die Verarbeitung der in ein Aluminiumkorsett eingelassenen Kupfer-Grundplatte kann sich durchaus sehen lassen. Zwar ist diese nicht nachträglich poliert, doch auch so sind kaum Bearbeitungsspuren zu erfühlen. Beim Überprüfen der
Ebenheit zeigt sich ein inzwischen gewohntes Bild. Auch bei diesem Kühler ist die 2 mm starke Bodenplatte nicht 100%ig plan, sondern in diesem Fall leicht nach außen gewölbt. Der Aluminiumträger - in dem die Grundplatte sitzt - stellt zugleich die Montageplattform des Kühlers dar. Mittig verstärkte Auskragungen an dieser Platte nehmen die Kräfte der Halteklammern auf. Zwischen Aluminiumkorpus und der Kupferplatte sind die drei Heatpipes des Kühlers eingelassen. Von den Vakuum-Heatpipes verspricht sich der Hersteller eine besonders leistungsstarke Wärmeableitung vom Prozessor direkt zu den Kühllamellen. Mit 51 Lamellen mit 1,5mm Abstand zueinander bietet der Auras jedenfalls eine ausreichend groß bemessene Kühloberfläche. Ebenso fest wie die Heatpipes wurde auch die Lüfterhaube um die Lamellen zwischen den beiden Grundelementen des Kühlers eingelassen. Demontage ausgeschlossen. Das recht filigrane in mattem schwarz gehaltene Aluminiumblech stützt sich über ein Silikonpolster an der obersten Lamelle ab und wird so zusätzlich stabilisiert. Leider scheint dieses feine Detail ein kleiner Schwachpunkt der Konstruktion zu sein, denn diese Verbindung war beim ersten Testsample gerissen. Kleiner Defekt, große Wirkung. So führten die vom Lüfter verursachten Vibrationen dazu, dass die Heatpipeenden des Öfteren mit den Durchgangsbohrungen in der Lüfterhaube kollidierten was ein heftiges Klappern des gesamten Kühlers zur Folge hatte. Soviel auch zur suggerierten Entkopplung des Y.S. Tech Lüfters. Diese kann nur als nicht existent bezeichnet werden. Der Lüfter ist zwar nicht mit der Lüfteraufnahme verschraubt, jedoch ist die
Push-Pin Befestigung nicht in der Lage Schwingungen zu reduzieren oder zu dämpfen. Lediglich die weiche Silikonverbindung verhilft - gewollt oder ungewollt - zu einer minimalen Entkopplung. Der verwendete
Y.S. Tech Lüfter FD129225LB-N stellt eine Spezialversion der Crystal Clear Serie dar und ist doppelt Kugelgelagert. Ein Detail, das den Silentfan wohl etwas weniger als eine Gleitlagerung schmecken dürfte. Jedoch lässt die geringe Drehzahl von 1.850 U/min doch eine angenehme Geräuschkulisse erahnen. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Verarbeitung trotz des geringen Preises auf recht hohem Niveau liegt.
Montage:
Als Volkskühler wird der Auras gerne angepriesen. Nun, diese Bezeichnung sollte auch für eine mehr als problemlose und einfache Montage gelten. So beginnt die Montage mit dem Austausch des originalen Retentionrahmens, was auch für die Mehrheit des Volkes durchaus ohne größere Probleme machbar sein sollte. Zumal die bebilderte Anleitung auch hier weiterhilft. Nächster Schritt, das Säubern des Prozessors und das Auftragen der neuen Wärmeleitpaste. Darauf folgend kann der Kühler auf den Prozessor aufgesetzt werden. Anschließend werden die beiden Halteklammern in die vorgesehenen Befestigungspunkte im Retentionmodul eingehakt. Doch was nun folgt kann nicht wirklich als volksfreundlich bezeichnet werden. Die störrischen Halteklammern neigen auf der mit Hebel versehenen Seite des Öfteren dazu, aus dem Retentionrahmen zu rutschen. Nur wenn diese tatsächlich nach Anwendung leichter körperlicher Gewalt hör- und fühlbar einrasten kann die Montage als geglückt bezeichnet werden. Bei genauem Betrachten fällt auf, das Halteklammer und Retentionrahmen
nicht perfekt aufeinander angepasst sind. So ist der Biegeradius der Klammer zu klein und auch die Länge der Blechklammer etwas zu kurz ausgefallen. Hier sollte der Hersteller doch nachbessern. Nach erfolgter Montage kann nun der Lüfterstecker angesteckt und den Rechner wieder in Betrieb genommen werden. Die Montage verlief durch oben benanntes Manko leider etwas enttäuschend.
Kühlleistung:
Um die Leistung des Kühlers zu ermitteln, wird dieser nicht einfach nur auf einer offenen Kühlerprüfstation getestet, sondern praxisnah in einem speziell für Silent-Kühler zusammengestellten Testsystem. Ohne zusätzliche Gehäuselüfter und lediglich mit einem modifizierten Ultra-Silent Netzteil bestückt, werden alle Kühler in diesem System unter absolut gleichen Bedingungen betrieben. Der im Erdgeschoss befindliche Messraum bietet Sommer wie Winter optimale Testbedingungen bei nahezu gleich bleibender Umgebungstemperatur. Damit die teils filigranen Temperaturunterschiede aufgezeigt werden können, wird stets die gleiche Wärmeleitpaste verwendet. Ebenso wird großer Wert auf eine exakte Betriebsspannung des Lüfters gelegt. Daher wird diese nicht über das Mainboard selbst, sondern von einem externen Labornetzteil bezogen. Nur die Drehzahl des Lüfters wird über ein spezielles Adapterkabel vom Mainboard ausgelesen. Bei den angegebenen Temperaturwerten handelt es sich um Prozessorkerntemperaturen. Der kritische Bereich bei der im Test verwendeten Mainboard/Prozessor Kombination beginnt bei ca. 75°C. Bei der Verwendung von Gehäuselüftern nach ATX Spezifikation, stellt sich die Kühlleistung des getesteten Kühlers theoretisch um 7 bis 9°C besser dar.
Mit seinem sieben Lüfterblättern wild um sich schlagend treiben die 1.850 U/min des Y.S. Tech Lüfters den Cooltek Auras 92 auf den sechsten Platz der aktuellen Charts. Die erreichten 49°C sind für einen Kühler dieser Preisklasse durchaus ein respektables Ergebnis. Alle besser platzierten Kühler liegen hier eine Preisklasse über den Auras 92. Jedoch klafft doch noch eine merkliche Lücke zu den oberen Spitzenplätzen. Der Aerocool HT-102 erreicht eine fast identische Kühlleistung bei lediglich 7 Volt Betriebsspannung. Jedoch mit einem deutlich stärkeren Lüfter. Reduziert auf 7 Volt sinkt die Kühlleistung auf 54°C, womit sich der Cooltek Kühler auf klassenüblichem Niveau in Nahe des Scythe Katana platziert. Für Coolteks ersten Wurf kein wirklich schlechtes Ergebnis.
Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.
Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse und arbeitsplatzkonformen Abstand - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquellen lediglich ein modifiziertes Ultra-Silent Netzteil und eine entkoppelt und gedämmte Silent-Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Kühlers nicht beeinflussen. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.
Die Messwerte können das Versprechen des Herstellers - einen geräuscharmen Kühler anzubieten - bestätigen. Selbst bei voller Drehzahl liegt der Schallpegel bei angenehmen 28,9 dB(A). Auf 7 Volt hätte sich der Auras 92 fast an die Spitze der Charts setzen können. Nur der Scythe Samurai Z liegt um 0,1 dB(A) vor den gemessenen 25,2 dB(A). Nur leider kann das subjektive Geräuschempfinden hier nicht ganz mithalten. Hier sorgen leichte Rasselgeräusche des Lüfters, besonders bei geringer Drehzahl für leichten Verdruss. Zwar sind diese nicht sehr laut aber auf einem sehr leisen System doch hörbar. Ein Grund warum Silentjünger trotz geringerer Lebensdauer bei Lüftern doch auf Gleitlager setzen.
Testrechner:
- Motherboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (Chipsatz passiv)
- Prozessor: AMD Athlon 64 Venice 3000+ (2.2GHz/1.65V)
- Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
- Speicher: 1 GB MDT Dual Channel PC-3200 400 MHz DDR
- Grafikkarte: Gigabyte GV-N68128DH GeForce 6800 128MB
- Festplatte: Samsung SP1204N (ichbinleise® Box HDD 10)
- Laufwerk: NEC ND-3540A DVD-Brenner
- Gehäuse: Chieftec CS-601 (Stahlblech/geschlossen)
- Netzteil: 353 Watt Enermax 120 mm Yate Loon (Ultra-Silent Mod)
- Gehäuseventilation: keine Gehäuselüfter
- Datenträgerverbindung: Rounded-Cable
- Betriebssystem: Microsoft Windows XP Professional SP2
- Software: Motherboard Monitor, Prime 95
- Zimmertemperatur: 20°C +/- 0,5°C
Fazit:
Bereits der erste Kühler aus dem Hause Cooltek sorgt für einen unerwarteten Aha-Effekt. Obwohl der Auras 92 mit seinem Design nicht so recht aus dem Heatpipe-Tower-Einheitsbrei heraussticht, so sorgen doch seine inneren Werte für einen bleibenden Eindruck. Auch wenn unser erstes Testsample mit einem ärgerlichen Defekt behaftet war, kann die Fertigungsqualität insgesamt betrachtet als sehr gut bezeichnet werden. Lediglich die Montage fiel etwas schwerer aus als erwartet. Die mitgelieferten Halteklammern konnten aufgrund mangelnder Passgenauigkeit bzw. eines Konstruktionsfehlers nur mühsam in den Retention-Rahmen eingehakt werden. Eine leichte Modifikation der Blechklammern (Verschluss-Haken) sollte aber ohne großen Aufwand zu realisieren sein. Bleibt zu hoffen, dass der Hersteller diese in der laufenden Fertigung noch optimiert. Überzeugender war das Auftreten des Kühlers in den Bereichen Kühlleistung und Geräuschmessung. Zwar kann sich der Auras 92 keinen Spitzenplatz erkämpfen, doch schlägt er sich tapfer und reiht sich im oberen Mittelfeld ein. Die Ergebnisse der Geräuschmessung können dies nur weiter bekräftigen. Bereits der Serienlüfter sorgt sowohl auf 12 Volt als auch auf 7 Volt für wohlige Stille im Wohnzimmer. Frei von Nebengeräuschen und Vibrationen war der transparent/schwarze Y.S. Tech Lüfter jedoch nicht. Durch seine relativ kompakten Abmessungen, sollten keinerlei Platzprobleme beim Einbau auftreten. Auch die Beigabe einer hochwertigen Wärmeleitpaste ist in diesem Preissegment keinesfalls üblich. Allerdings wird auch eine Lüfterentkopplung angepriesen, die schlicht und einfach nicht vorhanden ist. Auch wenn der Cooltek Auras 92 in einigen Punkten Kritik einstecken muss, überzeugt er letztendlich durch ein ausgewogenes Preis/Leistungsverhältnis und erhält einen Kauftipp.
Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Do-Woon Kim von PC-Cooling.
Links zum Thema:
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