Arctic Cooling Freezer 64 Pro Review

Arctic Cooling Freezer 64 Pro

Arctic Cooling Freezer 64 Pro Großansicht

Vorwort:
Um die immer höheren Verlustleistungen moderner Prozessorgenerationen im Zaum halten zu können, sind die Kühlerhersteller gezwungen stets leistungsfähigere Produkte zu entwickeln. Doch nicht jeder Kühlerhersteller konzentriert sich nur auf die Kühlleistung seiner Entwicklungen. So hat sich das Schweizer Unternehmen Arctic Cooling der Konzipierung von preisgünstigen, aber dennoch leisen Prozessorkühlern verschrieben. Vor kurzem präsentierte das Unternehmen seine beiden neusten Kühler. Der Freezer 7 Pro wurde für den Intel Pentium 4 entwickelt. Der Freezer 64 Pro - wie der Name bereits vermuten lässt - ist hingegen speziell für AMD Athlon 64 Prozessoren ausgelegt. Als Nachfolger des ersten Freezer Modells verspricht Arctic Cooling aufgrund der erhöhten Heatpipeanzahl und einem verbesserten Tower-Design eine deutlich gestiegene Kühlleistung. Die drei verbauten Heatpipes sollen bis zu 200 Watt Abwärme zuverlässig vom Prozessor abführen können. Zusätzlich spendieren die Schweizer ihren neuesten Kreationen einige interessante Features. So sollen speziell geformte Kühllamellen den Luftstrom des verbauten 92 mm Lüfters auf die Spannungswandler des Mainboards umlenken und somit die Systemstabilität erhöhen. Die von den bisherigen Freezer Modellen bekannte proprietäre Entkopplung des Lüfters wurde ebenfalls überarbeitet. Zweiaxiale Gummielemente sorgen nun für eine besonders effektive schwingende Lagerung des Lüfters. Zusätzlich verspricht Arctic Cooling ein besonders geringes Betriebsgeräusch. Eine Eigenschaft die zusammen mit den günstigen Anschaffungspreisen den Ruf von Arctic Cooling in der Computerbranche begründen. Der Verkaufspreis von EUR 19,90 (Frozen-Silicon) ist definitiv eine Kampfansage an die Konkurrenz. Ob der Freezer 64 Pro die Versprechungen des Herstellers erfüllen kann zeigt der folgende Praxistest auf.

Lieferumfang:
Das Testsample des Freezers 64 Pro erreichte die Redaktion direkt aus Hong Kong, der Produktionsstätte Arctic Coolings. Der Kühler ist sehr sauber in einer ansprechenden Kartonage verpackt. Auf dieser finden sich bereits die wichtigsten Details des Inhalts. Neben dem Kühler befindet sich lediglich ein Arctic Cooling Case Badge im Inneren der Verpackung. Warum der Lieferumfang so schmal ausfällt, lässt sich mit einem kurzen Blick auf den Kühler erklären. Da der Freezer 64 Pro speziell an die Sockel 754 / 940 / 939 angepasst wurde, fällt bereits im Voraus zusätzliches Montagematerial weg. Die einzige benötigte Haltevorrichtung ist bereits am Kühler vorhanden. Auch Wärmeleitpaste sucht man im Paket vergebens denn diese ist ab Werk auf der Bodenplatte des Kühlers aufgebracht. So lässt sich der Kühler zwar nur einmal montieren, andererseits lassen sich die niedrigen Preise wohl nur durch solche Rationalisierungsmaßnahmen erreichen. Netterweise findet sich auf der Arctic Cooling Homepage eine Empfehlung für eine Wärmeleitpaste, falls der Kühler doch mehrmals montiert werden sollte. Eine  ausführliche deutsch / englische Montageanleitung mit wertvollen Detailinformationen wird glücklicherweise mitgeliefert und ist notfalls auch Online erhältlich.

Spezifikationen:

  • Hersteller: Arctic Cooling
  • Modell: Freezer 64 Pro
  • Lüftergröße: 107 x 43,5 x 96 mm
  • Drehzahl: 2.200 U/min
  • Luftdurchsatz: 68 m³/h (40 CFM)
  • Schallpegel: 0,8 Sone
  • Lagerung: Keramik-Lager
  • Anschluss: 3-Pin Molex Stecker
  • Kühlkörpermaterial: Kupfer/Aluminium
  • Befestigung: 6-Punkt Halteklammer
  • Aufbau: 42 Lamellen / 3 x 6 mm Heatpipes
  • Lamellenabstand: 1,5 mm
  • Kühloberfläche: 4.700 cm²
  • Gesamtgröße: 104 x 58 x 126,5 mm
  • Gesamtgewicht: 528 Gramm (inkl. Lüfter)
  • Preis: ca. EUR 19,90
  • Bezugsquelle: Frozen-Silicon

Details:
Der Grundaufbau des Arctic Coolings Freezer 64 Pro folgt dem inzwischen weit verbreiteten Tower-Layout. Die sehr einfach gehaltene Bodenplatte zeugt nicht gerade von Liebe zum Detail. Wahrscheinlicher ist, dass Arctic Cooling Jason Vorhees für den Zuschnitt des Materials angestellt hat. So zeigen die Kanten der aus zwei Hälften bestehenden Grundplatte noch deutliche Bearbeitungsspuren. Immerhin ist die Grundfläche sauber überfräst, weist jedoch auch keine perfekte Ebenheit auf. Das Verlöten der drei eingelassenen Heatpipes mit 6mm Durchmesser verursacht möglicherweise diesen Verzug der Grundplatte. Ein bereits bekanntes Problem bei vielen Heatpipekühlern. Die Verarbeitung im Bereich der Lötstelle könnte außerdem etwas sorgfältiger ausfallen. An allen drei Heatpipes finden sich Überreste des verwendeten Lotes. Auch an den Nahtstellen zwischen den beiden Teilen der Grundplatte finden sich deutliche Fertigungsrückstände. Beides sicherlich nicht wirklich förderlich für das optische Erscheinungsbild des Kühlers, aber der Funktion sollte dies keinen Abbruch tun. Auf der Grundplatte sitzt ein kleiner Kunststoffrahmen, an dem vier kleine Nasen angespritzt sind. Über kleine Bohrungen in der Halteklammer lässt sich diese so in ihrer Position fixieren. Um eine optimale Einbauposition mit horizontal ausgerichteten Heatpipes zu gewährleisten lässt sich die Haltklammer über eine kleine Schraube demontieren und in 90°-Schritten gedreht wieder anbringen. Auf den Heatpipes sitzen die aufgepressten 42 Lamellen die mit einer Stärke von 0,4 mm recht Massiv ausfallen. Beim weiteren Betrachten fallen die untersten drei Lamellen auf. Zum einen wurde hier der Abstand zu den Nachbarlamellen deutlich vergrößert und zum anderen sind die Lamellen im hinteren Bereich in Richtung Mainboard gebogen. Der Luftstrom soll so auf das Mainboard umgeleitet werden und Spannungswandler und andere elektronischen Bauteile zusätzlich kühlen. Die restlichen Lamellen weisen hingegen keine weitere Besonderheit auf. Der Abstand mit 1,5 mm ist allerdings sehr gering gewählt. Die optisch auffälligste Erscheinung stellt allerdings der verbaute Lüfter dar. Zwar ist man von Arctic Cooling bereits einiges in Sachen Innovatives Lüfterdesign gewohnt, doch hier hatten die Ingenieure wohl mal wieder etwas mehr Zeit sich auch um Details zu kümmern. Die sinnvolle Kabelummantelung macht nur den Anfang. So weißt auch dieser Lüfter keine Standart Abmessungen mehr auf. Für den Fall eines Defektes sicherlich weniger schön. Jedoch war es Arctic Cooling so möglich ein interessantes und eigentlich selbstverständliches Feature zu integrieren. Über vier weiche Gummielemente ist der Lüfter schwingend aufgehängt und so wirkungsvoll entkoppelt. Bleibt nur zu hoffen, dass diese kleine Tüpfelchen auf dem i doch auch bei anderen Herstellern endlich auch in die Serienproduktion übernommen wird. Insgesamt kann die Verarbeitungsqualität nicht wirklich mit den High-End Produkten im Bereich Prozessorkühler mithalten, ist jedoch dem Preis mehr als Angemessen. Solide Großserienqualität eben.

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Montage:
Wie von einem durchdachtem Stück Schweizer Ingenieurskunst zu erwarten lässt die Montage des Arctic Cooling Freezer 64 Pro keine Fragen aufkommen. Da der Kühler speziell für den Sockel 939 konstruiert wurde, muss dieser vor der Montage nicht erst dem Unterbau angepasst werden. Also, Prozessor von alten Wärmeleitpastenrückständen säubern und Freezer auf den Heatspreader setzen. Da sich die Wärmeleitpaste bereits auf der Bodenplatte befindet erübrigt sich auch das Erneuern der Paste. Nach dem Einhaken der 6-Punkt Halteklammer am Retention-Modul wird die Klammer über einen Exzenterhebel gespannt und der Kühler auf dem Prozessor befestigt. Jetzt noch den Lüfter anschließen und schon ist der Kühler einsatzbereit.

Kühlleistung:
Um die Leistung des Kühlers zu ermitteln, wird dieser nicht einfach nur auf einer offenen Kühlerprüfstation getestet, sondern praxisnah in einem speziell für Silent-Kühler zusammengestellten Testsystem. Ohne zusätzliche Gehäuselüfter und lediglich mit einem modifizierten Ultra-Silent Netzteil bestückt, werden alle Kühler in diesem System unter absolut gleichen Bedingungen betrieben. Der im Erdgeschoss befindliche Messraum bietet Sommer wie Winter optimale Testbedingungen bei nahezu gleich bleibender Umgebungstemperatur. Damit die teils filigranen Temperaturunterschiede aufgezeigt werden können, wird stets die gleiche Wärmeleitpaste verwendet. Ebenso wird großer Wert auf eine exakte Betriebsspannung des Lüfters gelegt. Daher wird diese nicht über das Mainboard selbst, sondern von einem externen Labornetzteil bezogen. Nur die Drehzahl des Lüfters wird über ein spezielles Adapterkabel vom Mainboard ausgelesen. Bei den angegebenen Temperaturwerten handelt es sich um Prozessorkerntemperaturen. Der kritische Bereich bei der im Test verwendeten Mainboard/Prozessor Kombination beginnt bei ca. 75°C. Bei der Verwendung von Gehäuselüftern nach ATX Spezifikation, stellt sich die Kühlleistung des getesteten Kühlers theoretisch um 7 bis 9°C besser dar.

Die Messwerte bleiben leider hinter den anhand der Pressemitteilung von Arctic Cooling gesetzten Erwartungen zurück. Zwar kann der Arctic Cooling Freezer 64 Pro den deutlich außerhalb der Spezifikationen betrieben Prozessor auf 12 Volt noch auf recht ordentliche 50°C kühlen. Doch mit reduzierter Lüfterversorgungsspannung sackt die Kühlleistung sehr stark ein. So erreicht der Freezer mit 7 Volt betrieben mit gemessenen 58,5 °C lediglich das Leistungsniveau des AMD Boxed Kühlers. Als Gründe lassen sich hier der viel zu geringe Lamellenabstand nennen. Außerdem verfügt der Kühler, im Gegensatz zur Konkurrenz wie z.B. HT-102, über keinerlei Luftführung. So strömt die Luft, auch begünstigt durch das sehr offene Lüfterlayout, nicht nur durch die Lamellen, sondern vielmehr an diesen vorbei. So verschenkt der Kühler eventuell vorhandenes Potential. Die negativen Einflüsse auf die Kühlleistung einer unebenen Grundplatte wurden ebenfalls schon mehrfach nachgewiesen.  Eine um 90° gedrehte Anordnung des Kühlers hatte keinen messbaren Einfluss auf die Kühlleistung.

Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.

Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse und arbeitsplatzkonformen Abstand - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquellen lediglich ein modifiziertes Ultra-Silent Netzteil und eine entkoppelt und gedämmte Silent-Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Kühlers nicht beeinflussen. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.

Das Flüsterimage der Schweizer Firma Arctic Cooling kann der neue Freezer 64 Pro nicht so ganz erfüllen. Zwar ist der verbaute 92 mm Lüfter nicht wirklich als laut zu bezeichnen, doch die gemessenen 31,2 dB(A) sind deutlich hörbar und entsprechen so gar nicht den Versprechen der Marketing Abteilung. Auf 7 Volt gedrosselt surrt der Lüfter mit angenehmen 26 dB(A) vor sich hin und kann in dieser Konfiguration als leise eingestuft werden. Das Betriebsgeräusch kann jedoch zu jeder Zeit als sehr angenehm bezeichnet werden. Weder Klackern noch sonstige Nebengeräusche stören die Stille. Zum einen ein Verdienst des gewählten Motors sowie der gewählten Entkopplung des Lüfters.

Testrechner:

  • Motherboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (Chipsatz passiv)
  • Prozessor: AMD Athlon 64 Venice 3000+ (2.2GHz/1.65V)
  • Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
  • Speicher: 1 GB MDT Dual Channel PC-3200 400 MHz DDR
  • Grafikkarte: Gigabyte GV-N68128DH GeForce 6800 128MB
  • Festplatte: Samsung SP1204N (ichbinleise® Box HDD 10)
  • Laufwerk: NEC ND-3540A DVD-Brenner
  • Gehäuse: Chieftec CS-601 (Stahlblech/geschlossen)
  • Netzteil: 353 Watt Enermax 120 mm Yate Loon (Ultra-Silent Mod)
  • Gehäuseventilation: keine Gehäuselüfter
  • Datenträgerverbindung: Rounded-Cable
  • Betriebssystem: Microsoft Windows XP Professional SP2
  • Software: Motherboard Monitor, Prime 95
  • Zimmertemperatur: 20°C +/- 0,5°C

Fazit:
Mit dem Arctic Cooling Freezer 64 Pro schicken die Schweizer ihre neuste Kreation in den heiss umkämpften Kühlermarkt. Wie von den Eidgenossen gewohnt soll auch dieses Modell durch ein geringes Betriebsgeräusch und konkurrenzlos niedrigen Anschaffungspreis Marktanteile für sich gewinnen. Als innovatives Unternehmen spendierte Arctic Cooling dem neuen Spross auch einige interessante Details. Hier wäre unter anderem die ausgeklügelte Lüfterentkopplung zu nennen. Auch an der beispielhaften Montage dank der herausragende Halteklammer können sich andere Hersteller durchaus die eine oder andere Scheibe abschneiden. Auch die Verarbeitungsqualität konnte durchaus überzeugen. Im Praxistest sorgte der neue Kühler zwar für keine weiteren Überraschungen, konnte sich aber dennoch wacker schlagen. So liegt der Freezer 64 Pro im Kapitel Kühlleistung mit 12 Volt betrieben im hinteren Mittelfeld unserer bisher getesteten Probanden. Die dabei gemessenen 31,2 dB(A) erscheinen für einen als "Silent" angepriesenen Kühler jedoch etwas zu hoch. Mit auf 7 Volt reduzierter Betriebsspannung sinkt  der Schallpegel zwar auf respektable 26 dB(A), doch dafür fällt gleichzeitig die Kühlleistung überdurchschnittlich stark ab. Der offene Lüfterkäfig und der sehr eng gewählte Lamellenabstand müssen wohl hierfür verantwortlich gemacht werden. Durchaus gefallen konnte der verwendete Lüfter. Wohl auch durch die wirkungsvolle Entkopplung sind störende Nebengeräusche kein Thema. Alles in allem kann der Freezer 64 Pro zwar nicht ganz mit der Spitze des Feldes mithalten, jedoch hat er gezeigt, dass er auch in der Lage ist, deutlich übertaktete Prozessoren wie auf der Testplattform stabil zu kühlen. Diese Tatsache spielt auch bei der der Vergabe des Kauftipps eine maßgebliche Rolle. So fließt hierbei neben der puren Leistung auch das Preisniveau des getesteten Probanden mit ein. Der Arctic Cooling Freezer 64 Pro erhält aufgrund des stimmigen Preis/Leistungsverhältnis den Kauftipp der Redaktion. Zwar mag die Performance nicht auf oberste Niveau liegen, so wird dies doch durch die wirklich günstigen EUR 19,90 mehr als wett gemacht.

Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Van Can Tran - Marketing Manager von Arctic-Cooling.

Links zum Thema:
Arctic-Cooling [ Hersteller ]
Frozen-Silicon [ Vertrieb ]

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