Aerocool HT-102 Review

Aerocool HT-102

Aerocool HT-102 Großansicht

Vorwort:
Heimlich, still und leise präsentierten Aerocool auf der diesjährigen Computex auf Taiwan ihren neuesten High-End Prozessorkühler. Der High-Tower HT-102 ist im Gegensatz zum GT-1000 der legitime Nachfolger des HT-101, mit dem sich Aerocool nach dem DP-101 und DP-102 endgültig in die Liga der Top-Kühler Hersteller katapultierte. Mit der Einführung des Tower-Designs und der Heatpipe-Technologie konnten die Taiwanesen ein neues Kühlerlayout auf dem Markt etablieren, das inzwischen von vielen Konkurrenten aufgenommen und kopiert wurde. Aber Aerocool wäre nicht Aerocool, wenn man nicht auch den HT-102 ein paar Innovationen mitgegeben hätte. So verpassten die Asiaten ihrem neuen Topmodell drei Heatpipes deren Durchmesser von 8 mm die sonst zur Anwendung kommenden 6 mm Heatpipes der Konkurrenz in den Schatten stellen sollen. Interessant ist ebenfalls das so genannte Wave-Fin Design der Kühlrippen. Durch eine Wellenstruktur wird die Kühloberfläche bei identischen Abmessungen vergrößert und soll dadurch die Kühlleistung deutlich erhöhen.  Ob sich die Versprechungen des Hersteller bewahrheiten und ob sich der HT-102 von der hauseigenen Konkurrenz in Gestalt des GT-1000 absetzten kann soll der der folgende Praxistest aufzeigen.

Lieferumfang:
Bis auf das äußere Design unterscheiden sich die Verpackungen von GT-1000 und HT-102 nur geringfügig. So erreicht auch der HT-102 sehr sorgfältig in einem gepolsterten Karton verpackt den Kunden. Sowohl Kühlkörper als auch Lüfter sind zusätzlich in Folie eingeschweißt und somit zusätzlich geschützt. Unter dem Lüfter findet sich der zugehörige Lieferumfang. Dieser fällt aufgrund der Multisockeleignung des Kühlers recht umfangreich aus. Mit dem passenden Montagematerial für die Sockel A/462, 754, 478 und 775 nebst zugehörigem Montagematerial in Form von diversen Schrauben, Adapterplatten, Wärmeleitpaste und einen CPU-Shim wurde an alles gedacht. Die beiliegende zweiseitige farbig bebilderte Montageanleitung kann alternativ auch online eingesehen werden. Zwar ist diese nur in Englisch gehalten, was aber aufgrund der abgedruckten Fotostory kein Hindernis für den Anwender darstellen sollte.

Spezifikationen:

  • Hersteller: Aerocool
  • Modell: HT-102
  • Lüftergröße: 92 x 92 x 25 mm
  • Drehzahl: 1800 U/min +/- 6%
  • Schallpegel: 20,6 dB(A)
  • Luftdurchsatz: 63,8 m³/h (37 CFM)
  • Lagerung: Gleitlager
  • Anschluss: 3-Pin Molex Stecker
  • Kühlkörpermaterial: Kupfer / Aluminium
  • Befestigung: 6-Punkt Halteklammer / geschraubt
  • Aufbau: 35 Lamellen / 3 x 8 mm Heatpipes
  • Gesamtgröße: 132 x 105 x 58 mm
  • Gesamtgewicht: ca. 680 Gramm (inkl. Lüfter)
  • Preis: ca. EUR 44,90
  • Bezugsquelle: tune2max

Details:
Auf dem ersten Blick wirkt der HT-102 wie eine etwas vergrößerte Kopie des HT-101. Zumindest lassen Material und Farbe des Lüfters und der Abdeckhaube aus blau-transparentem Kunststoff dies vermuten. Details im Bereich der Bodenplatte und der dort verlaufenden Heatpipes lassen wiederum auf eine enge Verwandtschaft zum GT-1000 schließen. Aerocool geht also den nahe liegenden Weg und sucht sich die besten Eigenschaften aus dem eigenen Gen-Pool heraus und lässt sie zum HT-102 verschmelzen. So besteht die sauber bearbeitet Grundplatte weiterhin aus zwei Einzelteilen, zwischen denen die drei Super-Conductor Heatpipes eingelassen wurden. Um noch mehr Hitze der CPU abführen zu können, wurden beim HT-102 stärkere Heatpipes mit einem Durchmesser von 8 mm verwendet. Im Vergleich dazu waren es beim HT-101 lediglich 6 mm. Bei näherer Betrachtung der sonst sauber verarbeiteten Bodenplatte fällt allerdings ein Kritikpunkt auf. Die Oberfläche der nur 2 mm starken Kupferplatte ist nicht plan sondern verzogen. An den Stellen, an denen die Bodenplatte mit dem darüber liegenden Kühlkörper verschraubt ist, wölbt sich das Material nach oben. Dies hat zur Folge, dass der Kühler nicht zu 100% auf dem Heatspreader des Prozessors aufliegt. Spekulativ handelt es sich dabei um einen Fertigungsfehler, welcher auf die zu dünne Bodenplatte zurückzuführen ist. Inwiefern dies die Kühlleistung des Prozessors beeinträchtigt konnten wir leider nicht eruieren, da auch sämtliche beim Sponsor befindliche Modelle mit selbigem Manko behaftet waren. Die 35 rechteckigen Kupfer-Lamellen weisen Aerocools neuste Innovation im Bereich der CPU-Kühlung auf. Die 0,3 mm starken Kühlflächen halten einen Abstand von ca. 2 mm zueinander und sind in zwei Teilbereichen gewellt. Diese Wave-Fins ermöglichen es bei identischen Abmessungen die Kühloberfläche zusätzlich zu vergrößern. Um den Luftstrom des Lüfters möglichst vollständig auf die Lamellen zu konzentrieren setzt Aerocool auch beim HT-102 auf das bewährte Prinzip, den Lüfter an ein Chassis am Kühler anzubringen. Die vorhandenen Bohrungen lassen neben einer Montage des Werkseitigen 92 mm Lüfters auch die Montage von kleineren 80 mm Modellen zu. Unterhalb der Lamellen findet sich wieder ein kleiner Kühlkörper, in dem die Halteklammer der verschiedenen Sockelbefestigungen Platz findet. Die Lüfterdaten des verwendeten Lüfters sind identisch zu denen des beim GT-1000 verbauten Modells. Beim HT-102 wurde offensichtlich an die Case-Modder gedacht, so dass der Lüfter über vier UV-LEDs verfügt, deren emittiertes ultraviolettes Licht sowohl den Lüfter als auch das Lüfterchassis mit ihrem UV-aktiven Kunststoffen zum Leuchten anregt. Der Verarbeitung des Kühlers könnte als durchaus gelungen gelten wäre da nicht das Problem mit der Bodenplatte.

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Montage:
Die Montage auf dem Sockel 939 stellt mit dem HT-102 kein Problem dar. Zwar muss vor dem Aufsetzten auf den Prozessor der Schraubendreher geschwungen werden, aber der Zeitaufwand hält sich in Grenzen. Denn um die Halteklammer für die Montage anzubringen muss zunächst der kleine Kühlkörper mit zwei Schrauben demontiert werden. Erst jetzt lässt sich die Halteklammer einsetzten und durch die mittige Nut im Kühlkörper fixieren. Nach dem erneuten Befestigen des Kühlkörpers sind die Vorarbeiten abgeschlossen. Nun muss noch die Wärmeleitpaste auf dem Heatspreader des Prozessors aufgetragen werden und der Kühler kann auf den Prozessor aufgesetzt werden. Nach dem Verschrauben der Halteklammer mit der Backplate des Mainboards muss der Lüfter an das Lüfterchassis angebracht und am Mainboard angeschlossen werden. Der Montageaufwand hält sich also in Grenzen und sollte auch von ungeübten Personen anhand der Montageanleitung in wenigen Minuten erledigt sein.

Kühlleistung:
Um die Leistung des Kühlers zu ermitteln, wird dieser nicht einfach nur auf einer offenen Kühlerprüfstation getestet, sondern praxisnah in einem speziell für Silent-Kühler zusammengestellten Testsystem. Ohne zusätzliche Gehäuselüfter und lediglich mit einem modifizierten Ultra-Silent Netzteil bestückt, werden alle Kühler in diesem System unter absolut gleichen Bedingungen betrieben. Der im Erdgeschoss befindliche Messraum bietet Sommer wie Winter optimale Testbedingungen bei nahezu gleich bleibender Umgebungstemperatur. Damit die teils filigranen Temperaturunterschiede aufgezeigt werden können, wird stets die gleiche Wärmeleitpaste verwendet. Ebenso wird großer Wert auf eine exakte Betriebsspannung des Lüfters gelegt. Daher wird diese nicht über das Mainboard selbst, sondern von einem externen Labornetzteil bezogen. Nur die Drehzahl des Lüfters wird über ein spezielles Adapterkabel vom Mainboard ausgelesen. Bei den angegebenen Temperaturwerten handelt es sich um Prozessorkerntemperaturen. Der kritische Bereich bei der im Test verwendeten Mainboard/Prozessor Kombination beginnt bei ca. 75°C. Bei der Verwendung von Gehäuselüftern nach ATX Spezifikation, stellt sich die Kühlleistung des getesteten Kühlers theoretisch um 7 bis 9°C besser dar.

Was anhand der Messwerte auffällt ist, dass sich der neue Wurf von Aerocool nicht von der hauseigenen Konkurrenz absetzen kann. Als Ursache kann hier wohl die unebene Grundplatte genannt werden. Auch Variationen mit der Menge der verwendeten Wärmeleitpaste konnten das Ergebnis nicht verbessern. Entweder ist also die Kühlleistung des Kühlers an sich nicht besser als die des GT-1000, oder der schlechte Wärmeübergang zwischen Heatspreader und Kühler verhindern ein besseres Abschneiden des Kühlers im Vergleichstest.

Bei den ermittelten Messwerten ist zu beachten, dass die Testplattform seit dem letzten Test aktualisiert wurde so dass die Ergebnisse nicht mehr untereinander vergleichbar sind.

Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.

Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse und arbeitsplatzkonformen Abstand - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquellen lediglich ein modifiziertes Ultra-Silent Netzteil und eine entkoppelt und gedämmte Silent-Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Kühlers nicht beeinflussen. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.

Bei einer Versorgungsspannung von 7 Volt liegen die beiden Kontrahenten noch recht dicht zusammen. Mit 26,1 dB(A) ist der GT-1000 nur um 0,3 dB(A) leiser als der HT-102. Die 12 Volt Messung liefert ein deutlicheres Bild. Obwohl die verbauten Lüfter von ihren technischen Daten zueinander identisch sind, liegt der gemessene Schallpegel des HT-102 über 2,5 dB(A) über dem des GT-1000. Subjektiv unterscheiden sich die beiden Kühler noch fühlbarer als es die Messwerte ausdrücken. Während der Lüfter des GT-1000 über den gesamten Spannungsbereich angenehm klingt und auch störende Nebengeräusche vermissen lässt, kann der Lüfter des HT-102 nicht vollständig überzeugen. Auf 7 Volt noch relativ annehmbar fallen bei Erhöhung der Spannung  immer vernehmlichere Störgeräusche auf. Auf 12 Volt betrieben ist der Lüfter so auch bei geschlossenem System deutlich hörbar.

Testrechner:

  • Motherboard: Asus A8V Deluxe Rev. 2 (Chipsatz passiv)
  • Prozessor: AMD Athlon 64 Venice 3000+ (2.2GHz/1.65V)
  • Kontaktmittel: Silmore Wärmeleitpaste
  • Speicher: 1 GB MDT Dual Channel PC-3200 400 MHz DDR
  • Grafikkarte: Gigabyte GV-N68128DH GeForce 6800 128MB
  • Festplatte: Samsung SP1204N (ichbinleise® Box HDD 10)
  • Laufwerk: NEC ND-3540A DVD-Brenner
  • Gehäuse: Chieftec CS-601 (Stahlblech/geschlossen)
  • Netzteil: 353 Watt Enermax 120 mm Yate Loon (Ultra-Silent Mod)
  • Gehäuseventilation: keine Gehäuselüfter
  • Datenträgerverbindung: Rounded-Cable
  • Betriebssystem: Microsoft Windows XP Professional SP2
  • Software: Motherboard Monitor, Prime 95
  • Zimmertemperatur: 20°C +/- 0,5°C

Fazit:
Mit dem HT-102 erweitert der taiwanesische Hersteller Aerocool seine Produktpalette um einen weiteren leistungsfähigen Tower-Kühler. Mit seiner Multi-Sockel Auslegung dürfen sich auch Besitzer von Sockel A/462 und Intel Pentium 4 Plattformen den HT-102 auf den Prozessor schnallen. Die Kühlleistung kann sich durchaus sehen lassen, auch wenn sich der Kühler nicht vom älteren GT-1000 absetzen kann. Das der HT-102 trotz der spendierten Extras in Form von vergrößerten Heatpipequerschnitten und den sicherlich sinnvollen Wave-Fins seinen Vorgänger in Punkto Kühlleistung nicht schlagen kann, liegt wohl an der verzogenen Grundplatte. Diese verhindert, dass die Grundplatte mit ihrer gesamten Fläche auf dem Heatspreader des Prozessors aufliegt und so ein optimaler Wärmeübergang gewährleistet ist. Eine Überprüfung beim Händler ergab, dass dieser Fehler kein Einzelfall ist. Inwiefern der Hersteller in diesem Punkt nachbessert, ist noch nicht bekannt. Die Verarbeitungsqualität ist bis auf diese Ausnahme einwandfrei. Wie gewohnt liefert Aerocool auch hier wieder ein stimmiges Gesamtpaket. Geräuschseitig tritt der HT-102 trotz identischer Lüfterspezifikationen deutlicher in Erscheinung als der GT-1000. Wobei hier anzumerken ist, dass auch der Lüfter des HT-102 nicht mit 1800 U/min sondern mit 2200 U/min läuft. Dieses Problem trat bereits beim GT-1000 auf. So kann der HT-102 nicht ganz in die Fußstapfen seines Vorläufers treten. Der GT-1000 liefert bei einem günstigeren Preis und geringerem Schallpegel eine identische Kühlleistung. Der HT-102 erhält daher keinen Kauftipp.

Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt Herrn Henry Kędzior - Geschäftsführer von tune2max.

Links zum Thema:
Aerocool [ Hersteller ]
tune2max [ Vertrieb ]

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