Aerocool DP-101 Review

Aerocool DP-101

Vorwort:
Der taiwanesische Hersteller Aerocool schlägt mit dem Modell Deep Impact DP-101 eine völlig neue Richtung ein. In erster Linie zielt der Hersteller damit auf den Bereich Silent-Cooling. Auf der diesjährigen CeBIT in Hannover erklärte ein Aero Cool Mitarbeiter, dass der außergewöhnliche Latentwärmekühler in der Lage sein soll einen XP3000+ Prozessor souverän zu kühlen. Dabei wird er lediglich von einem kleinen 60 mm Lüfter unterstützt. Das Kühlverfahren entspricht in etwa dem des bereits getesteten Calmera ks07 aus dem Hause net-Distributions. Mit einer fast doppelt so großen Kühloberfläche und dem implementierten Kupferboden verspricht der DP-101 jedoch ein etwas höheres Leistungspotential. Obwohl der serienmäßig vorhandene 60 mm Lüfter aus dem Hause Everflow nach Angaben von Aero Cool völlig ausreichend sei, ermöglicht der blau eloxierte Fan-Adapter den Austausch durch einen größeren Lüfter mit 70 mm Lüfter spezifischen Lochbohrungen. Auch ein passiver Betrieb des DP-101 ist denkbar und wird im Testverlauf berücksichtigt. Wie sich der Kühler untern anderem in Punkto Kühlleistung und Betriebsgeräusch darstellt, zeigt folgender Bericht ausführlichst auf.

Lieferumfang:
Der Kühler wird teilbetriebsbereit in einer transparenten Kunststoffverpackung ausgeliefert. Ein Kartoneinsatz schützt die empfindlichen Aluminium-Lamellen vor etwaigen Transportschäden. Den beiliegenden 60 mm Lüfter und die 6-Punkt-Halteklammer muss man vor der Prozessormontage selbst am Kühler anbringen. Die dazu benötigten Schrauben sowie Wärmeleitpaste in Spritzenform sind im Lieferumfang allerdings enthalten. Die Montageanleitung ist leider etwas knapp bemessen und zu dem in englischer Sprache gehalten.

Spezifikationen:

  • Lüftertyp : Everflow R126020DL
  • Lüftergröße : 60 x 60 x 20 mm
  • Drehzahl : 3000 U/min +/- 10%
  • Lagerung : Kugel- und Gleitlager
  • Luftfördermenge : 13,3 cfm ( 22,6 m³/h )
  • Geräuschentwicklung : 24 dB(A)
  • Leistungsaufnahme: 1.08 Watt
  • Anschluss : 3-pin Molex Stecker mit Tachosignal
  • Kühlkörpermaterial : Kühlrippen aus Aluminium, Conductor und Bodenplatte aus Kupfer
  • Sockelbefestigung : 6-Punkt-Halteklammer
  • Gesamtgröße : 73 x 90 x 110 mm
  • Gesamtgewicht : ca. 500 g
  • Preis: EUR 49.-

Details:
Beim Aero Cool Deep Impact DP-101 handelt es sich um einen Latentwärmekühler mit gravitationsbasierender Zirkulation. Mit seinen 42 sauber aufgereihten Aluminium-Platten verfügt er über eine enorm große Kühlfläche von mehr als 1600 cm². Am unteren Ende des Kupferrohres - in welchem der Verdampf- und Kondensierprozess statt findet - sitzt eine sauber aufgelötete Kupferplatte und sorgt für die schnelle Aufnahme der Prozessorabwärme. Der blau eloxierte Fan-Adapter ist lediglich mit zwei kleinen Schrauben am oberen Teil des Kühlkörper befestigt, was im Betrieb zu Vibrationsgeräuschen führen kann. Der kleine 60 mm Lüfter aus dem Hause Everflow soll die natürliche Zirkulation des Latentwärmekühlers verstärken. Wahlweise lassen sich aber auch 70 mm Lüfter - vorzugsweise Y.S. Tech TMD - auf den Fan-Adapter montieren. Die Verarbeitungsqualität ist gut, jedoch nicht auf High-End-Niveau. Die 6-Punkt-Halteklammer wirkt auf den ersten Blick etwas abenteuerlich und lässt auf eine erschwerte Montage schließen.

Montage:
Um dem Kühler seine optimale Kühlperformance zu entlocken wird wie bei allen Kühlertests auf ein und die selbe hochwertige Wärmeleitpaste zurück gegriffen. Mit dem Cooler Master Premium Compound hat Shin Etsu eine geniale Wärmeleitpaste kreiert. Die Paste zeichnet sich nicht nur durch eine überragende Performance aus, sondern bietet zu dem durch seine relativ zähe Konsistenz maximalen Schutz bei der Kühlermontage. Die 6-Punkt-Halteklammer wirkt wenig ausgereift und durchdacht. Dadurch das sie kaum geführt wird und nach allen Seiten Spielraum hat, gestalltet sich die Sockelmontage etwas kniffelig. Zu dem müssen beide Seiten der Verschlussklammer separat mit einem kleinen Schlitzschraubendreher auf die Sockelnasen gesteckt werden. Damit der Prozessor bei diesem Prozedere keinen Schaden nimmt, sollte man daher besonders behutsam vorgehen. Handwerklich ungeschickten Anwendern sei zum Kühlertausch der Ausbau des Mainboards empfohlen.

Performance:
Um die Leistungsfähigkeit des Kühlers zu ermitteln, wird dieser in einem speziell für Silent Kühler aufgebauten System betrieben. Ohne aktive Gehäuseventilation und lediglich mit einem Ultra-Silent-Netzteil bestückt, wird dem Kühler in diesem System alles abverlangt. Bei 19°C Zimmertemperatur läuft das System jeweils eine Stunde lang im Windows Leerlauf und eine weitere Stunde im simulierten Volllast Betrieb durch das Programm Prime 95. Die Temperaturwerte werden mit dem Programm Motherboard Monitor ausgelesen. Diese liegen in der Regel bis zu 20 % höher als bei Mainboards mit im Sockel integriertem Temperaturfühler. Bei einer aktiven Gehäuseventilation nach ATX Spezifikationen stellt sich die Kühlleistung eines Kühlers in der Regel 7 - 9°C besser dar, als bei der im Test verwendeten Silent-Anwender-typischen passiv Variante.

Die anfängliche Skepsis über die herstellerseitig angepriesene Kühlleistung löste sich nach den ersten Testläufen sofort in Luft auf. Es ist schon erstaunlich, wie souverän der Kühler trotz bescheidener Luftförderleistung zu Werke geht. So gesellt sich der zugegebenermaßen unterschätzte Taiwan-Export auf gleiche Stufe mit Cooler Masters neuesten Wurf Aero 7. Zu dem sollte man sich die Relation Kühlleistung zu Betriebsgeräusch beider Kühler zu Gemüte führen. Hier wartet der DP-101 mit besonders positiven Ergebnissen auf.

Passivbetrieb:
Freunde der Passiv-Kühlung dürfen sich freuen, denn das Layout des DP-101 ist wie geschaffen für diese Disziplin. Hierzu sind allerdings ein paar Konfigurationsänderungen von Nöten, weshalb die ermittelten Ergebnisse nicht mit denen des Standardbetriebes verglichen werden können und daher auch nicht in der Tabelle aufgeführt sind. Zunächst wird der XP2000+ mit Thoroughbred B Kern auf XP1700+ Niveau untertaktet und mit lediglich 1,4 anstatt 1,6 Volt betrieben. Durch diese in binnen weniger Sekunden durchgeführten Bios-Einstellungen, entwickelt der Prozessor zirka 32% weniger Wärme als mit standardgemäßen Einstellungen. Eine aktive Gehäuseventilation ist allerdings Pflicht. Daher wird ein einzelner 80 mm Papst Lüfter des Typs 8412 NGML mit angegebenen 19 dB(A) an die hintere Seite des Gehäuses montiert, so dass der Luftstrom direkt zum Kühler hin führt. Die hierbei zustande gekommene Kühlleistung ist ebenfalls erstaunlich und liese sogar noch eine höhere Taktung des Prozessors zu. Gerade einmal 58°C unter Volllast und 53°C im Leerlauf wird der untertaktete Prozessor mit reelen 1470 MHz warm. Ein überragendes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass in nahezu jedem Rechner bereits ein ähnlicher Gehäuselüfter vorhanden ist. Der Aero Cool Deep Impact ist daher ebenso für einen Passivbetrieb geeignet und lässt viel Spielraum für unterschiedliche Konfigurationen.

Geräuschmessung:
Die Messung des A-bewerteten Schalldruckpegels wird vorwiegend zur Geräuschmessung eingesetzt. Unter Geräuschen werden nach DIN 1320 nicht zweckbestimmte Schallereignisse im Frequenzbereich des menschlichen Hörens von etwa 16 Hz bis 16 kHz verstanden. Sie sind rein physikalisch erfassbar nach: Schalldruck, Frequenz, Dauer und Häufigkeit. Aus dieser Tatsache haben sich in der Praxis zwei Bewertungskriterien herausgebildet, die die frequenz- und zeitabhängige Funktion des Gehörs berücksichtigen: Frequenzabhängige Bewertung und zeitabhängige Bewertung. Für die frequenzabhängige Bewertung sind Bewertungskurven festgelegt. Die meistgebräuchliche zur Lärmmessung, die auch im Engelke Sweeper realisiert ist, ist die A-Bewertung.

Der Geräuschpegel wird nach praxisorientierten Maßstäben beurteilt. So wird der Schallpegel des gesamten Systems - bei geschlossenem Gehäuse und arbeitsplatzkonformen Abstand - bewertet. Dazu wird ein spezieller Ultra-Silent Testrechner auf Basis des Chieftec CS-601 Towers eingesetzt, dessen andere Schallquellen lediglich ein Ultra-Silent Netzteil und eine entkoppelte Silent Harddisk sind, welche das Schallgeschehen des Kühlers nicht beeinflussen. Die bei der Geräuschmessung eingehaltenen Abstände können der unten stehenden Messanordnung entnommen werden.

Im 12-Volt-Betrieb ist der kleine Everflow Lüfter mit 30 dB(A) zwar gut zu hören, aber deutlich unter dem Niveau von Standard-Luftkühlern. Die Geräuschkulisse wird zu dem von leichten Vibrationsgeräuschen seitens des Fan-Adapters begleitet. Reduziert man die Lüfterdrehzahl jedoch von 3000 auf 2000 U/min wartet der DP-101 mit einem Ultra-Silent einzustufenden Betriebsgeräusch von knapp 26 dB(A) auf und ist bei arbeitsplatzkonformen Abstand kaum mehr wahrzunehmen.

Testrechner:

  • Motherboard: Epox 8KA3+ ( passiv )
  • Prozessor: AMD Athlon XP 2000+ ( Thoroughbred B )
  • Kontaktmittel: Cooler Master Premium Compound
  • Speicher: 256 MB Corsair XMS-3000 CL2
  • Grafikkarte: Radeon 9000 Pro 128MB ( Zalman ZM80-HP )
  • Festplatte: Maxtor 4K040H2 ( Silent Mode / NoVibes III )
  • Gehäuse: Chieftec CS-601 ( Stahlblech / geschlossen )
  • Netzteil: A Conto NoiseMagic Enermax 1500 ( Ultra-Silent )
  • Gehäuseventilierung: passiv
  • Datenträgerverbindung: Rounded-Silver-Cable
  • Betriebssystem: Windows 98 SE ( ohne ACPI )
  • Software: Motherboard Monitor - Prime 95
  • Zimmertemperatur: 19°C ( Abweichung < 0.5°C )

Fazit:
Dem taiwanesischen Hersteller Aero Cool ist mit dem Deep Impact DP-101 zweifellos ein großer Wurf gelungen. Die Kombination eines Latentwärmekühlers mit großer Kühlfläche in Verbindung mit einem niedrig drehenden Lüfter führt im Falle des DP-101 zu einer hervorragenden Kühlleistung bei moderater Geräuschkulisse. Selbst im kaum wahrnehmbaren Ultra-Silent-Betrieb - bei 9 Volt und weniger - wartet der Kühler mit mehr als gut einzustufenden Ergebnissen auf. Ein weiterer Meilenstein ist seine Passivtauglichkeit. Besonders geräuschemissionsbewusste Anwender werden sich darüber freuen, keine weitere Geräuschquelle ins System integrieren zu müssen. Im entsprechend ausgelegten Umfeld reichen dem Superconductor-Kühler die vorhandenen Gehäuselüfter vollkommen aus. Dadurch ist er extrem variabel und lässt dem Anwender viel Spielraum für unterschiedliche Konfigurationen. In Kombination mit einem Y.S. Tech TMD Lüfter entfaltet der DP-101 sogar Overclockingpotential, womit sich Uwe Piefke von Hartware.net in seinem folgenden Testbericht intensiv befassen wird. Die Verarbeitungsqualität ist gut, aber nicht auf High-End-Niveau. Einziger Kritikpunkt ist die kniffelige Montage - bedingt durch die etwas abenteuerliche 6-Punkt-Halteklammer. Bei einem derartigen Preis-Leistungs-Verhältnis kann man über diesen Makel allerdings hinwegsehen.

Danksagung:
Besonderer Dank für die Bereitstellung des Testsamples gilt dem Geschäftsführer von PC-Cooling - Hermann Schrepel.

Links zum Thema:
Aerocool [ Hersteller ]
PC-Cooling [ Vertrieb ]

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